Oh du Fröhliche!

Christoph (47) und ich (42) wohnen am Niederrhein und waren bereits die Gasteltern von Sharon (Paraguay), Micah (USA) und Artem (Russland). Artem musste leider zurückkehren, dafür hat es sich aber ergeben, dass Jocelyn (16) aus den USA bei uns eingezogen ist. Wir freuen uns!

 

Seht genau hin! Jocelyn liest gerade „Die Bücherdiebin“. Auf Deutsch.

 

Ich bin sehr geschmeichelt. Für ihren tollen Blog fotografiert Jocelyn quasi alles, was ich koche. Endlich werden meine kulinarischen Bemühungen ins rechte Licht gerückt. Egal ob es unsere Kühlschrank-Reste-Quiche, Wirsing-Kokosmilch-Pfanne mit Rosinen und Cashewkernen oder Pasta mit Nusspesto gibt – Jocelyn ist begeistert. Was wiederum uns begeistert, weil wir wirklich gerne kochen und oft neue Rezepte ausprobieren. Diese Woche ist Backen angesagt: Spritzgebäck (wir) und buck eyes (Plätzchen aus Ohio/Jocelyn).

 

Bei unserer jährlichen Plätzchenschlacht hat Jocelyn sich bereits bewährt.

Manchmal ahme ich lautstark eine Sirene nach und rufe „Kulturschock, Kulturschock!“ Neulich zum Beispiel, als wir Jocelyn mitteilen mussten, dass Popcorn in Deutschland normalerweise ausschließlich im Kino verzehrt wird – süßes Popcorn, wohlgemerkt. „Aber was, wenn ihr abends einen Film guckt?“, fragte sie entgeistert. Unsere Antwort erlebte sie, als wir Freitag einen gemütlichen Netflixabend veranstalteten: Paprikachips!

 

Für uns ertönte meine „Sirene“ am Samstag, als wir aufs Land fuhren, um einen Weihnachtsbaum zu kaufen. „Wo kauft ihr euren Weihnachtsbaum?“, wollte ich wissen. „Im Wald oder auch auf einem Bauernhof?“ Weder noch. „Wir haben einen künstlichen Baum“, erwiderte Jocelyn und beobachtete fasziniert, wie unser Prachtexemplar von Baum (nach einstündiger Suche in kaltem Nieselregen von uns dreien als perfekt befunden) von einer Maschine in ein Netz gewickelt wurde. Künstlich! Unvorstellbar! Nein sowas! Christoph und ich schüttelten betrübt die Köpfe.

 

Echtes Tannengrün – „Kulturschock“!

Nur wenige Stunden später wünschten wir uns, als Amerikaner auf die Welt gekommen zu sein. Zunächst breiteten wir Planen und Decken im Wohnzimmer aus, auf dass der klatschnasse Christbaum Mobiliar und Boden nicht ruiniere. Nun galt es, den Immergrünen in den Christbaumständer zu zwängen. Ach, das ging ja schnell – oh, schief. Nochmal raus. Rein. Schief. Raus. Wieder rein. „Du musst drücken! Und halten!“ Ich drückte, hielt und zerpiekte mir die Finger.

 

„Jetzt noch wässern“, beschied der Gatte, der inzwischen seine Gärtner-Latzhose und Arbeitshandschuhe trug, lang ausgestreckt auf dem Wohnzimmerboden lag, um unter dem dichten Tannengrün die Gießkanne im richtigen Winkel ansetzen zu können. Jocelyns innerer Kulturschock-Alarm dürfte die Stufe „Dunkelrot“ angezeigt haben. Egal, heute schmücken wir!

 

Dieses Ornament wird dieses Jahr unseren Weihnachtsbaum zieren! Jocelyn hat ihn uns mitgebracht. Wir fühlen uns ein bisschen wie bei „House of Cards“. Toll!

 

P.S. Es gibt zwei Dinge, die Jocelyn erst seit ihrer Ankunft im September kann: Deutsch sprechen und Ukulele spielen. Wir sind sehr beeindruckt davon, wie gut sie beides kann. Da sie auch noch eine tolle Sängerin ist, kommen wir ab und zu in den Genuss eines kleinen Privatkonzerts. Gänsehaut!


Ein Gedanke zu Oh du Fröhliche!

  • Oh wie schön! ich freue mich, dass ihr nun doch wieder zu einem Gastkind gekommen seid. 🙂
    Und: Kulturschock!!! SOOO früh den Weihnachtsbaum aufstellen? Jocelyn, lass dir nichts einreden. Das ist alles andere als typisch Deutsch. 😉 Ich wünsche euch viel Freude und noch eine schöne Vorweihnachtszeit.

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