Schon wieder fast 2 Monate Gastfamilie

Nun ist Kaimook schon fast zwei Monate in Deutschland und ich weiß gar nicht recht wo ich anfangen soll.

Vielleicht erstmal ein bisschen zu mir. Ich heiße Claudia, bin Lehrerin und lebe mit zwei Hunden in Oldenburg in Niedersachsen. Ich bin also eine „Singlegastfamilie“ und das „schon“ zum zweiten Mal. Mein erstes Gastkind kam aus Peru und war das Leben in einer Großfamilie mit Personal und vielen anderen Menschen im Haus gewöhnt. Vier Monate haben wir beide unser Bestes gegeben, Südamerika und Deutschland zusammenzubringen. Aber der Kulturschock schlug voll zu und die Idee endlich mal ein Einzelkind zu sein, war am Ende auch gar nicht so schön, wie ursprünglich gedacht. Also haben wir uns nach vier Monaten voneinander getrennt. Ich freute mich auf Sommerferien wieder allein und sie sich auf eine neue Gastfamilie mit Kindern in ihrem Alter.

Aber so einfach wollte ich das Ganze dann doch nicht für gescheitert erklären. AFS unterstützte mich bei allen Problemen in den vier Monaten und auch danach. In vielen Gesprächen mit Familie, Freunden und meiner AFS Beraterin entschied ich mich deshalb es noch einmal zu versuchen. Aus unterschiedlichen Gründen ist für mich die Sommeranreise besser geeignet als die im Winter. Also zog mein erstes Gastkind Anfang Juli aus und am 10. September durfte ich Kaimook aus Thailand am Bahnhof abholen.

Seitdem sind wir also wieder zu zweit und ich kann nur allen, die vielleicht weniger gute Erfahrungen gemacht haben, raten nicht gleich aufzugeben, wenn es mal nicht passt!

Das Leben mit Kaimook macht einfach nur Spaß! Sie ist total fröhlich, sehr hilfsbereit (ihr erster deutscher Satz war: „Kann ich dir helfen?“) und eigentlich immer gut gelaunt.

Wenn man sie fragt was das Schlechteste an Deutschland sei, sagt sie natürlich: das Wetter. Aber wenn man sie nach dem Besten fragt, kommt komischer Weise immer: die Schule und das Essen! Schule, weil sie so extrem kurz ist, zu Hause hat sie von 8 bis 19 Uhr Schule und das Essen schmeckt ihr einfach. Sie probiert alles und hat so einen guten Appetit, dass ich mit dem Essen kochen kaum nachkomme. Jedes Gericht wird erst einmal für die Familie zu Hause fotografiert und dann bis auf den letzten Krümel verputzt.

Vor ihrem ersten Schultag hatte sie etwas Angst aber hat ihn dann gut gemeistert und kam erleichtert nach Hause. Außerdem hat sie einen guten Orientierungssinn (viel besser als ich). Am ersten Tag sind wir zusammen mit dem Bus zur Schule gefahren und Nachmittags habe ich sie vor der Schule erwartet damit wir zusammen zurück fahren konnten. Schon am nächsten Tag wollte sie gerne allein zur Schule fahren. Da im beschaulichen Oldenburg so schnell niemand verloren geht, haben wir es einfach auf einen Versuch ankommen lassen. Sie startete gegen halb acht und um kurz vor acht bekam ich eine SMS: ich Schule! Gegen drei kam wieder eine Nachricht, dass sie in den falschen Bus gestiegen sei, nun aber schon rausgefunden hätte, wie sie nach Hause kommt und ich mir keine Sorgen machen solle, sie käme nur etwas später. Gegen vier war sie gut gelaunt, etwas müde und sehr hungrig wieder zu Hause. Seit dem ist der Schulweg kein Thema mehr.

Auch fast alle anderen Situationen meistert sie sehr selbstständig und mutig. In der letzten Woche wollte sie gerne beim naheliegenden Sportverein an einem Jass Dance Kurs für Teenager teilnehmen. Leider konnte ich sie auf Grund eines wichtigen Termins nicht begleiten und schlug ihr vor eine Woche später zu starten. Sie meinte aber sie sei ja kein Baby mehr und könne auch gut ohne mich hingehen. Ganz ohne Begleitung ging sie also hin, stellte sich der Trainerin vor (sie hat erst vier Monate vor der Anreise angefangen Deutsch zu lernen!) und nahm am Unterricht teil. In der Pause schrieb sie mir allerdings, ob ich sicher sei, dass es der richtige Kurs sei, alle anderen seien älter als sie und es gäbe auch kein Jass Dance sondern Zumba. Wie peinlich! Ich hatte mich in der Halle vertan und hatte sie zu Halle 6 statt 5 geschickt! Ihre gute Laune konnte ihr das allerdings nicht verderben. Also sie wiederkam war der erste Kommentar: „So Fun!!! Kann ich beides machen?“

Auch wenn sie einige Dinge in Deutschland ziemlich merkwürdig findet (zum Beispiel Handtücher, die man mehrfach benutzt oder die Tatsache, dass wir unsere Winterjacken nicht jeden Tag waschen) glaube ich sie ist in Deutschland angekommen und wir fühlen uns sehr wohl miteinander!

 

 


Ein Gedanke zu Schon wieder fast 2 Monate Gastfamilie

  • Liebe Claudia, das klingt toll! Ich wünsche Euch weiterhin viel Vergnügen miteinander. Klasse, dass du als Single-Gastmutter dabei bist (wir sind Single-Gasteltern). „Ein Bett und ein großes Herz“ sind eben doch die besten Voraussetzungen. 🙂 Und ich kann mich nur anschließen: Nicht sofort das Handtuch schmeißen. Vielleicht klappt es nicht immer, aber Gastfamilie zu sein macht Spaß.
    Liebe Grüße von Annette

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