„Niemand war da“


Christoph und ich wohnen am Niederrhein und sind zum zweiten Mal Gasteltern. Diesmal von Micah (17) aus Columbus/Ohio in den USA. Nach einem vierwöchigen Intensiv-Deutschkurs ist er Ende September bei uns eingezogen. Wie wahrscheinlich alle Teenager schläft Micah gerne lange. Umso erstaunter waren wir,


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als wir am späten Vormittag des 1. Novembers aufstanden, um gemütlich zu frühstücken. Die Zimmertür des Gastkinds stand weit offen. Dito die Badezimmertür. Keine Spur von Micah. Im Flur wurde es noch mysteriöser: Seine Jacke und die Schuhe fehlten.


„Vielleicht ist er joggen?“, überlegte Christoph. Meine Überlegungen waren etwas dramatischer und beinhalteten Begriffe wie „Entführung, verirrt, AFS Bescheid sagen, Familie kontaktieren“ und „Polizei“. Dann klapperte es an der Haustür, und Micah kam herein.
„Die Schule ist geschlossen. Niemand war da“, sagte er. Ups! Für uns war es so selbstverständlich, dass am heutigen Feiertag Allerheiligen niemand arbeiten oder zur Schule gehen muss, dass wir versäumt haben, Micah extra darauf hinzuweisen.


Tolle Fackeln beim Kempener St. Martinszug.
Tolle Fackeln beim Kempener St. Martinszug.

Eine ähnliche Enttäuschung hielt der vergangene Sonntag für unseren Gastsohn bereit. Um 16 Uhr stand er ausgehfertig im Wohnzimmer und verkündete, er werde jetzt in die Stadt radeln. Er wolle sich Farben und Stifte für den Kunstunterricht besorgen und die gesalzenen Erdnüsse, die er so mag.
„Die Geschäfte haben geschlossen“, sagte ich.
„Was? Um vier Uhr nachmittags?“ Micah war ehrlich entsetzt.
Danach diskutierten wir die Vor- und Nachteile von Ladenschlussgesetzen, Preise für Lebensmittel an Tankstellen und erklärten, was ein „Büdchen“ ist – die es bei uns aber leider nicht gibt.


Einen weiteren Feiertag (als ein solcher gilt er bei uns) erlebte Micah am 10. November mit dem berühmten Kempener St. Martinszug. Er bestellte sein erstes „Püfferken mit Apfelstückchen“, lernte, dass es „Fackel“ und nicht „Laterne“ heißt (zumindest bei uns) und bestaunte das Abschluss-Feuerwerk an der Burg.


WEM bringt der Gastvater etwas bei? DEM Gastsohn.
WEM bringt der Gastvater etwas bei? DEM Gastsohn.

P.S. Abendliche Gesprächsthemen (Fortsetzung)
Die Fälle. Thanksgiving. Perspektivisches Zeichnen. Mein geplantes Roboter-Kostüm für Karneval. Fanta mit Mango-Geschmack. Die Vorteile des Wörtchens „Dings“.


Neffe und AFSer Marian war zu Besuch. Wir brechen sofort in eifriges Waffelbacken aus.
Neffe und AFSer Marian war zu Besuch. Wir brechen sofort in eifriges Waffelbacken aus.

 

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