Por fin…

…weiß ich nicht wo die Zeit geblieben ist. 11 Monate bin ich jetzt schon hier und leider geht diese schöne Zeit am Dienstag zu Ende. Dann heißt es Abschied nehmen von Iquitos und meiner Gastfamilie, was echt furchtbar werden wird, weil ich hier in diesem Jahr mein zweites Zuhause gefunden habe und nicht weiß, wann ich hierher zurückkommen werde. Auch meine Kinder werde ich vermissen, da steht nachher schon der Abschied an..:/ Aber ich will mich mit meinem letzten Blogeintrag nicht wie ein Trauerkloß verabschieden sondern euch noch mit auf den Weg geben, was ich für mich als typisch peruanisch entdeckt habe. Wie der ganze Blog ist das natürlich meine! subjektive Sichtweise, aber ich möchte euch trotzdem all die kuriosen Dinge erzählen, die ich dieses Jahr v. a. in Iquitos beobachtet habe

Du merkst, dass du ein Peruaner geworden bist, wenn….

  • Jeden Tag mindestens eine Mahlzeit aus Reis mit Hühnchen besteht
  • Du in alle deine Getränke tonnenweise Zucker kippst, natürlicher Fruchtsaft ist ja viiiiel zu sauer
  • Du alle Sachen, egal ob Plátanos, Eier oder den heißgeliebten Reis fritierst
  • Du durch diese Ernährung „gordo“ (dick) wirst und einen Reisblähbauch bekommst, dich darüber aufregst, aber trotzdem immer für 100m Fußweg ein motocarro nimmst und es nicht zum Sport schaffst
  • (mein Favorit J) du dir die „Hora peruana“, sprich immer zu spät kommen (und auf die Frage, wann du denn endlich kommst mit „Ich bin unterwegs(=ich bin dann wenn es gut läuft in einer halben Stunde da) antwortest) angeeignet hast
  • Du es gelassen siehst, dass Dinge manchmal einfach Ewigkeiten brauchen, bzw du nicht weißt ob sie jemals erledigt werden
  • Du ganz viel deiner Lebenszeit an deinem Lieblingsort zum chillen verbringst, sei es die Hängematte, der mesedora (so eine Art Schaukelstuhl) oder einfach auf deinem Plastikstuhl vor deinem Haus und dem alltäglichen Treiben zuguckst
  • Wenn du männlich bist: gringas hinterherpfeifst und dabei deine ganzen Englischkenntnisse raushaust (hello my friend, Where are you going, you are beautiful, wooooow; oder auf Spanisch: mi Reina(meine Königin), guapa/hermosa/bellissima, te amo..)
  • Du (leider) bevor du 20 bist dein erstes Kind bekommst, aber erst danach drüber nachdenkst, dass es vielleicht schlau wäre erst eine Ausbildung zu machen, damit man dieses auch versorgen kann
  • Du deinen Müll immer auf die Straße wirfst, nach dem Motto Plastik wird perfekt in unser Ökosystem eingebaut (manchmal hat sich der Müll schon so in die Erde eingegraben, dass es so aussieht, wie wenn er daraus wächst…)
  • Du den ganzen Tag von morgens bis abends deine Musik ganz laut hören musst, ohne Reggaeton, Salsa, Merengue, Bachata und (speziell in Iquitos) Cumbia geht es einfach nicht
  • Du es akzeptierst, dass du einfach nichts planen kannst, weil wenn was unternommen wird dies immer spontan geschieht

…..

 

Es gibt noch so viel mehr, was ich aufzählen könnte, aber ich glaube damit habe ich erstmal das Wichtigste abgedeckt 😀

Es tut mir ein bisschen Leid, dass ich dieses Jahr nicht mehr hier geschrieben habe, aber das ist auch ein Nebeneffekt dieser (fast immer) Dauerentspannung, die sich hier in Südamerika so schnell bei mir eingestellt hat und die ich ganz sicher in dem stressigen Deutschland mit all seinen Regeln und Vorschriften vermissen werde.

Auch wenn es hier Vieles gibt, womit ich einfach nicht gut umgehen kann und was mich manchmal auch ziemlich fertig gemacht hat dieses Jahr (die Armut, die Umweltverschmutzung, was für ein (in Bezug auf Lebensbedingungen und Ausbildungsmöglichkeiten, aber auf keinen Fall auf das glücklich sein) „Glück“ ich habe, in Deutschland geboren zu sein); ist mir Peru mit seinen Menschen so ans Herz gewachsen, dass ich meinen Aufenthalt hier um einen Monat verlängert habe, um bis Anfang August noch Richtung Ecuador/Kolumbien (mal gucken wie weit ich komme) zu reisen.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Eindruck von meinem Jahr hier vermitteln; ausführlich kann ich dann berichten, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Danke für euer Interesse,

 

eure deutsch-peruanerin Miriam 🙂


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