Guardería Cynthia Espinoza Teil 2

Ich bin in meiner Arbeitsstelle immer noch super zufrieden, inzwischen öfter mal traurig, weil der Abschied immer näher rückt. Ich habe zum Jahreswechsel eine neue Profe, also Lehrerin, und neue Kinder bekommen, die nebenbei Psychologie studiert und mit Kindererziehung nicht so wirklich Erfahrung hat. Außerdem haben wir im Pre-Jardin die neuen Kinder bekommen, die vorher größtenteils noch nie länger als eine Stunde von ihren Eltern getrennt waren.

In den ersten Tagen des Jahres hatten wir über 30 am Spieß kreischende Kinder, die sich teilweisevor Weinen übergeben haben. Da sie es noch nicht kannten, so lange von ihren Eltern getrennt zu sein, haben wir recht lange gebraucht, sie zu beruhigen. Das sah so aus, dass jede von uns 6 mindestens 2 Kinder auf dem Arm oder auf dem Schoß. Gegessen/getrunken haben am Anfang erstmal sehr wenige Kinder und wir hatten keine freie Minute. Sobald es aber in den Park ging, waren die meisten wieder glücklich und haben nach einer Ermutigung recht schnell angefangen, miteinander zu spielen. Bis die Kinder morgens nicht mehr geweint haben, vergingen ungefähr 3 Wochen, obwohl jetzt immer noch hin und wieder eines weinend ankommt. Um die Kinder nicht von Anfang an zu sehr zu schocken, sind sie den gesamten Februar über nur bis um 12 geblieben. Wir haben danach unser Klassenzimmer dekoriert oder in der Siesta geschlafen. Ab März ging es dann mit der Siesta für die Kinder los. Das war auch wieder eine Heulorgie.. Wir waren nur noch zu zweit und mussten 30 Kinder dazu bringen, einigermaßen ruhig zu werden und zu schlafen, was am Anfang wirklich sehr schlecht geklappt hat. Die, die am schlimmsten geweint haben, schliefen mit uns und haben auch fast einen Monat gebraucht, um sich daran zu gewöhnen, außerhalb ihres Hauses die Siesta zu  schlafen. Die anderen haben sich zum Glück recht schnell beruhigt.

Ich fand es am Anfang sehr schwierig, mit meiner neuen Profe zurecht zu kommen, da sie wirklich sehr passiv war. Bis jetzt habe ich noch das Gefühl, dass ich den größten Teil der Arbeit alleine mache und sie in dem bisschen, was sie tut, recht langsam ist. Wenn es zum Beispiel darum geht, die Tische abzuwischen, lässt sie sich meistens stundenlang Zeit. Diese Zeit hat man allerdings mit Kindern nicht, weil die ja nicht ewig lang darauf warten wollen, etwas zu tun. Das gleiche Problem entsteht beim Vorbereiten von Malaufgaben und Ähnlichem. Ich versuche dann immer, sie mit Singen zu beruhigen. Mittlerweile hat sich das ein bisschen gebessert, auch wenn sie immer noch ganz gerne die Kinder ganz alleine lässt. Das kann man auch nicht machen, da sie einfach dazu neigen, sich zu verletzen oder Verbotenes zu tun. Jetzt hören die Kinder viel mehr auf mich und meine Profe braucht mich viel mehr als meine vorherige, die sehr viel allein gemacht hat. Dadurch fühle ich mich viel nützlicher, da ich vorher teilweise echt ein bisschen überflüssig war.

Ich werde meine Kinder schrecklich doll vermissen, da ich sie alle sehr in mein Herz geschlossen habe. Einige von ihnen sind für mich wirklich wie meine eigenen Kinder und gehören zu meinem Leben hier einfach dazu. Ich hoffe, dass sie sich wenigstens ein bisschen an mich erinnern werden und ihren Eltern, auch nachdem ich weg bin, manchmal noch was von ihrer „Tía Annika“ erzählen.

 


Ein Gedanke zu Guardería Cynthia Espinoza Teil 2

  • Hallo Annika! Ich bin seit August in Paraguay und arbeite im gleichen Projekt und auch in der gleichen Gruppe wie du! Ich fände es schön dich ein paar Sachen zu fragen, also wenn du lust und zeit hast kannst du mir ja mal eine Email schreiben.

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