Selva, Wahlen in Peru und el Nino

Nachdem ich mich länger nicht mehr gemeldet habe, kommt hier mal wieder ein neues update 🙂

Ich bin wieder voll im iquitorianischen Alltag angekommen: Hitze, Arbeit im Kinderheim, die Wochenenden mit meinen Freunden verbringend und immer mehr merkend, wie mir Iquitos ans Herz wächst. Aber es gibt auch viel Neues. Ich habe einen Tanzkurs angefangen, um meine (nicht richtig vorhandenen :D) Salsa, Bachata, Merengue… Künste zu verbessern und den lateinamerikanischen Hüftschwung nicht nur in den Clubs zu üben. Die Arbeit im Kinderheim ist auch noch gut, seit das Schuljahr Ende Februar angefangen hat und ich wieder arbeite, merke ich richtig, dass ich erst jetzt so komplett drin bin. Einfach weil ich fast alles verstehe, mich viel besser ausdrücken und auch mit den Kindern schimpfen kann kann, was echt wichtig ist 😀 Womit ich nur seit dem Reisen ein kleines Problem habe, ist fast jeden Tag Reis mit Hühnchen zu essen. 1. habe ich gemerkt, dass das meinem Körper nicht gut tut weil mir einfach die Vitamine fehlen, und 2. ist es nach einem halben Jahr dann schließlich doch passiert. Ich habe ein bisschen zugenommen, was bei der Ernährung und dem bisschen Sport den ich versuche hier zu machen echt schwer ist wieder loszuwerden 😀 Anfang März hab  ich mit 2 Freundinnen ein Wochenende eine Tour im Dschungel gemacht. Es war wunderschön, und wenn ich schon ein Jahr hier wohne muss ich das natürlich mal machen. Aber ehrlich gesagt, ein 2. Mal muss es nicht unbedingt sein. Im Gegensatz zu Iquitos, wo die Mücken nicht mehr als im Sommer in Deutschland sind, waren sie im Dschungel echt eine Plage. Wir haben gerade Regenzeit, d h die Flüsse sind angestiegen und es gibt noch einmal mehr. Ich werde nie vergessen, wie wir mit unserem guide durch den Dschungel gelaufen sind und hinter jedem eine Wolke von Mosquitos war (ich dachte echt ich drehe durch). Aber jetzt zu dem schönen Teil:

Mit Rene, unserem guide, 2 Franzosen, einem Spanier und einer Britin ging es gegen 9 Uhr morgens von der agencia in Iquitos los zum Hafen und von dort ca 2 Stunden flussaufwärts zu unser lodge am Rio Tigre. Ich war froh, dass wir uns für 2 Tage Lodge und gegen campen entschieden haben, auch wenn das bestimmt noch mehr Abenteuer gewesen wäre. Aber auf noch mehr Mücken, Insekten, vielleicht Regen und 3 Stunden teilweise hüfthoch durchs Wasser zu laufen um campen zu können hatte ich keine Lust 😀 Am 1. Tag sind wir 3 Stunden durch die Selva gewandert, wobei Rene uns den Weg mit einer Machete freigeschlagen hat. Ich habe Zuckerrohr probiert (im Gegensatz zum Saft sehr lecker) , wir haben ganz viele Pflanzen erklärt bekommen, alle mit einer medizinischen Heilwirkung. Ich habe meine Hände und Arme in Termitennester gehalten, deren Sekret als Insektenschutzmittel dient, es gab ganz viele Straßen von Blattschneideameisen und ich habe mich wie Tarzan an einer Liane über ein Schlammloch geschwungen. Abends haben wir nochmal eine Nachtwanderung gemacht, haben aber leider keine Taranteln gefunden (dafür gab es in der Lodge ganz viele, deren Zähne wie scharfe Klingen aussahen).

Am 2. Tag sind wir um halb 6 aufgestanden, um den Sonnenaufgang anzugucken. Obwohl es bewölkt war, war es wunderschön, wir haben von unserem Kanu aus viele Vögel und Affen gesehen. Danach haben wir noch graue und rosane Flussdelfine gesehen (die teilweise voll nah waren) und geangelt. Ich habe 2 pescados de gato geangelt und bin jedes Mal voll in Panik geraten, wenn sie an meiner Angel hingen; ich glaube das ist eher doch nichts für mich 😀

Am letzten Tag haben wir ein Dorf mit Schamanen besucht, der uns viele interessante Sachen über Ayahuasca ( ein Getränk, dass aus der Wurzel eines Baumes gewonnen wird und das man in Zeremonien mit Schamanen  nimmt, um in Visionen seine Zukunft zu sehen). Viele Touristen nehmen das nur, um eine weitere Droge auszuprobieren, aber eigentlich hat es einen spirituellen Hintergrund. Der Regenwald ist voll von Mythen,Legenden und Schamanen (die als Ärzte dienen und alles religiöse übernehmen)was ich persönlich voll spannend finde, weil es so etwas in Deutschland einfach nicht mehr gibt. Das Wochenende war total schön, aber ich war Sonntagabend auch froh, wieder in der Stadt zu sein und mir den Schmutz und Schweiß der letzten Tage nicht im Fluss, sondern unter einer kalten Dusche abwaschen zu können.

Am 10.4. waren Wahlen in Peru. Das war ein Sonntag, und da in vielen Schulen gewählt wurde, hatten die Kinder Freitag und Montag keinen Unterricht, es musste schließlich alles vorbereitet werden. Wofür hier immer Gründe gefunden werden, um Unterricht ausfallen zu lassen ist echt unglaublich… Jedenfalls wurde schon seit Monaten der Wahlkampf betrieben: riesen Plakate und Graffitikunstwerke selbst in den entlegensten Bergdörfern, Werbespots im Fernsehen, Wahlkampfbüros überall in der Stadt, aus denen lautstark Musik mit zb „Vamos Keiko vamos“ schallt, und mototaxis, mit Flaggen der jeweiligen Kandidaten geschmückt. Aber das Beste fand ich immer noch den Minilaster, über und über mit dem Namen eines Kandidaten bemalt, mit fetten Lautsprechern aus denen eine eigens für ihn komponierte Salsamusik kam, zu der 2 halbnackte Frauen getanzt haben, der seine Runden um den Plaza de Armas gedreht hat 😀 Generell hatte ich den Eindruck, dass niemand so richtig eine Ahnung hatte, was die Kandidaten genau verändern wollen (alle wollten irgendwie alles weiterentwickeln)und man hat mehr oder weniger versucht den zu wählen, von dem man gedacht hat, dass er am wenigsten korrupt ist. Vertrauen in die Politiker ist bei den Peruanern generell nicht wirklich vorhanden.. Da niemand die absolute Mehrheit erreicht hat, wird in ein paar Wochen noch einmal zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten, Keiko Fujimori und PPK abgestimmt. Ich bin mal gespannt, wie das ausgeht.

Und letzte Woche war dann für 4 Tage Wintereinbruch in Iquitos. Das erste Mal, dass wir unter 20 Grad hatten und nachts habe ich trotz langer Klamotten richtig gefroren. Es heißt, dass das von dem Wetterphänomen El Nino kommt, dass gerade an der Küste von Peru ist. Dabei kommt warmes Meereswasser an die Küste Perus, es regnet ganz viel und dieser Regen bzw diese Kälte ist jetzt über die Anden auch nach Iquitos zu uns gekommen. Ich habe diese Tage ohne schwitzen jedenfalls genossen 🙂

Fotos werden wie immer folgen,

ganz liebe Grüße und bis zum nächsten Eintrag,

eure Miriam 🙂


Ein Gedanke zu Selva, Wahlen in Peru und el Nino

  • Hallo Miriam, das ist wieder ein sehr lebendiger und schön er Bericht, wir alle freuen uns in 3 Tagen bei dir und deiner Gastfamilie zu sein.

    Papa

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