Rituale (rituals)

P1170226Was bedeuten diese eigenartigen Pfähle in den Vorgärten? Kleinere und größere Hörner sind daran befestigt, Erinnerungen an die Indianerpfähle in Amerika tauchen auf. Die sehr ausgedehnte Townshiptour mit meinem Fahrer und Guide für Calabash Trust gibt eine Antwort darauf.

„We pray to God and the ancestors“ – in dieser Reihenfolge wird die Religiösität der Xhosas erklärt. Sie und viele weitere schwarze Bevölkerungsgruppen sind grundsätzlich christlich (missioniert) und gehen am Sonntag stundenlang in eine der zahlreichen protestantischen oder katholischen Kirchenhäuser, die sich dann „Presbytarian“, „Methodist“, „Zion Christians“, „Apostolic Churches“ u.s.w. nennen. Der Sonntag Vormittag, das höre ich auch von den Schulkindern, ist ausnahmslos dem Kirchgang vorbehalten und dauert mindestens drei Stunden. Ausserdem wird morgens vor dem Frühstück gebetet, in der Schule vor Unterrichtsbeginn, Mittags vor dem Schulessen im Klassenzimmer, Montags bei der Assembly, dies, obwohl Kirche und Staat offiziell getrennt sind. Nicht verwunderlich, dass „Jesus“ und „Gott“ auch als „heroes“ genannt werden (s. Blog vom 9.2.)

Nun aber zu den Vorfahren, den „ancestors“. Sie spielen  bei allen sog. „rituals“ eine Rolle und dazu gehören: Hochzeiten, Begräbnisse, Beschneidung, „initiation“. Letzteres Ritual bedeutet: ein Junge muss 4 Wochen, sobald er seinen 18. Geburtstag gefeiert hat (die Beschneidung darf lt Gesetz erst ab dem 18. Lebensjahr vorgenommen werden) „into the bush“, was nicht heisst, dass er in den Urwald verbannt wird, sondern er muss jedenfalls ausser Sichtweite des Hauses im Feld in einer Hütte, bzw. unter einer Plastikplane oder in einem Zelt leben und übernachten. Im Zelt gibt es nur zwei Wolldecken: eine Decke zum Schlafen, eine zum Bedecken. Der gesamte Körper des Jungen wird mit einer weissen, lehmartigen Farbe bemalt. In den 4 Wochen kommen nur Väter, Großväter oder Onkel in Kontakt mit dem Jungen und bringen ihm Essen von zu Hause. Nach dem mehrwöchigen Rückzug darf er an einem Samstag nach Hause und nun wird der Körper gewaschen und die Haut mit Butter eingerieben. Dieser erste Samstag ist den „Männern“ vorbehalten – denn nun darf sich der 18jährige ein „Mann“ nennen und wird von seinen männlichen älteren Verwandten in sein neues Leben und die damit verbundene Verantwortung eingeweiht. Am nächsten Tag (Sonntag) erhält er seine „khaki tweed uniform“ und sein Gesicht wird mit roter Farbe bedeckt, die er nun für 3 Monate tragen wird. Auf diese Weise ist auch nach aussen sichtbar, dass der Junge ein Mann geworden ist. Zur Feier des Tages wird eine Ziege oder Kuh geschlachtet und  ein reichhaltiges Essen im Hof des Hauses bereitet. Großfamilie und Freunde kommen zusammen und beten vor dem besagten Pfahl, die „ancestors“ geben ihren Segen dazu. Ob die Hörner der Kuh bzw. des Geissbocks bei dieser Gelegenheit an den Pfahl befestigt werden, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Aber nun fallen mir doch die jungen Männer auf der Straße auf, die khakifarbene Kleidung und rote Farbe auf den Gesichtern tragen – sie tun dies übrigens mit Stolz!

Die zahlreichen Kühe und Ziegen grasen im übrigen frei auf den meist mit Abfall übersähten Feldern in und ausserhalb der Townships, manchmal wagt sich auch eine Kuh auf die morgens sehr verstopften Zufahrts-Schnellstraßen in die City. Bis in das letzte Jahrzehnt, berichtet Xolani, war es noch üblich, dass die Familie des Mannes bei seiner Heirat ca 10 Kühe als Mitgift bieten musste, was ziemlich teuer käme, da eine Kuh ca 15.000 Rand kostet. Aber dieser Preis ist verhandelbar – je nach Gutdünken und Gefallen der zukünftigen Schwiegereltern.

„Initiation“ ist also „the gateway to your true life as a man“. Man rückt von der untersten Stufe der Hierarchie in der Xhosa Famlie auf und wird geachtet und respektiert.


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