endlich

Endlich 2016! Mehr Erlebnisse und Erfahrungen hätten für dieses Jahr wahrscheinlich nicht mehr in meinem Gehirn Platz gehabt. Für meine treue und unterversorgte Leserschaft werde ich also jetzt in einigen Blogeinträgen versuchen, die vergangenen Monate aufzuarbeiten.

Vielleicht doch nicht Studieren?

Eines Tages fragte mich meine Gastma, ob ich nicht für sie modeln wollen würde. Ich sagte natürlich sofort zu, ohne zu wissen, dass das die Optionen “Schnitt/Färben” oder “Frisur/Färben” beinhalten wuerde. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich für meine geliebten Haare das geringere Übel gewählt habe. So kam es also, das ich für den von der deutschen Marke “wella” landesweit ausgerichteten Frisör-Wettbewerb “Trendvision 2016” mehrere Wochenenden mit meiner Gastma in der Hauptstadt verbracht habe. In der ersten Runde wurden meine Haare rotblond und aufwendig hochgesteckt, so dass wir es als zweiter Platz unserer Gruppe zum Präsentieren im Finale schafften. Dazu bekam ich meine natürliche Haarfarbe wieder zurueck mit blonden Längen und kupfernen (dunkelroten, nach meiner Definition) Strähnen. Beim Finale (Wettbewerb dreier, professioneller Frisöre) kam ich mir sehr verloren zwischen den ganzen Models vor, insbesondere mit der Aussicht einen “Catwalk” auf dem Laufsteg hinlegen zu müssen. Am Ende sind meine hohen Riemchensandalen zum Glück nicht gerissen, ich habe in das Kleid gepasst und bin nicht dramatisch gestürzt. Aber so richtig modeln – das ist wirklich nichts fuer mich.

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Projekt

Die Arbeit war zum Ende des Schuljahres hin entspannt, wie es ja immer ist, wenn die Ferien nahen. Es ging im Grunde nur noch um Abschluss- und Nachprüfungen, bis irgendwann keine Schüler mehr kamen. Das ist normalerweise die Zeit, in der die Lehrer Noten für die Zeugnisse zusammen tragen und den Unterricht nachbereiten. Ich habe meine Tage damit verbracht, auf dem Keyboard im Musikraum ein Lied für die Graduation der Abiturienten vorzubereiten. Leider kam mir just dann der Termin zum Abholen meiner Cédula in den Weg. Einige Tage vor den Ferien hatten wir dann Matricula, im Grunde das Einschreiben der Schüler für das kommende Schuljahr. Die Matricula ist ein recht aufwendiges, dreitägiges Papierkramgehandhabe an vielen Stationen, um die Schüler von einem ins nächste Schuljahr zu bringen oder wiederholen zu lassen. Und dann hatte ich vom 15. Dezember bis zum 8. Februar Ferien.

Tica

Zum Ende des Jahres hin war es dann so weit: Wir wurden zur Einwanderunsbehörde in San Jose eingeladen um uns unsere Cédula, vergleichbar mit dem deutschen Personalausweis, abzuholen. Damit sind wir auf begrenzte Zeit offizielle Staatsbürger Costa Ricas und ich damit auch auf dem Papier Tica! Weil ich, meine Pérez Lena und andere Freiwilige immer von weit her anreisen müssen, waren wir schon einen Tag früher da und verbrachten die Nacht gemeinsam (von AFS gesponsort) im Hostel Orchideas (mittlerweile quasi zweites Zuhause, so viele Nächte wie wir da schon verbracht haben). Um der Unweihnachtlichkeit, die uns bei der Hitze und den fehlenden deutschen Traditionen überfiehl entgegenzuwirken, improvisierten wir Glühwein in der Hostelküche. Und bei „Driving home for Christmas“, Spekulatius und dem kleinen Hostelzimmer, wurde es uns dann doch ganz gemütlich weihnachtlich zumute.

Die Weihnachtswichtel: Lukas, Lena (die bei mir in Pérez wohnt), Isabell und Ralf aus Guanacaste
Die Weihnachtswichtel:
Lukas, Lena (die bei mir in Pérez wohnt), Isabell und Ralf aus Guanacaste

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Festival de la luz (Festival des Lichtes)

Mitte Dezember wird in ganz Costa Rica das Festival de la luz gefeiert. Angelehnt an die Festumzüge des 15. September sind es Paraden in der Nacht, mit vielen Tänzern, Spielmannszügen, festlichen Umzugswägen und einer Menge Lichtern, die in der Dunkelheit leuchten.

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Mucha calle, que chiquita

Eine Aussage, die ich häufiger zu hören bekomme: „Viel Strasse, was für ein Maedchen“. Eine nicht ernst gemeinte Kritik daran, dass ich viel unterwegs bin. Ich habe es mir in meinen Ferien nicht nehmen lassen, mehr von Land und Leuten kennen zu lernen. Für viele Ticos ist Reisen ein Luxus und meistens führen Bequemlichkeit und finanzielle Aspekte dabei einen großen Hinderungsgrund.

Ich bin mit Freundinnen nach Tortuguero gefahren, eine Landzunge innerhalb des Festlandes umgeben von Wasser an der Karibikküste. Zunächst eine kleine Anekdote über Reisesicherheit in Costa Rica:

Wir wollten zunächst den Bus von San José nach Cariari nehmen und kauften dafür Tickets. Nur leider wurden immer weiter Tickets ungeachtet der überbleibenden Sitzplatzzahl verkauft, so dass wir als wir beim Bus ankamen, keine Sitze mehr hatten. Und so saßen wir zu dritt hintereinander für die nächsten Stunden im Schneidersitz im Gang und vorne auf den Treppen neben dem Busfahrer.

Tortuguero ist nur über eine vierzig minütige Bootsfahrt durch dschungelartige Kanäle erreichbar, die an sich schon ein Highlight ist. Die Insel, benannt nach Tortuga (Schildkröte) ist vorrangig auch für ihr Schildkrötenaufkommen bekannt. Natuerlich war ich da, als gerade keine Saison war. Aber uns wurde trotzdem versprochen, dass man für 30 Dollar für uns sicher ein paar Schildkröteneier finden könnte. Wir blieben skeptisch.

Untergebracht waren wir in einem Hostel, das sicherlich viele meiner Bekannten als „Loch“ bezeichnet hätten, mit Duschen, in die meine Mama (auch Gastma) vermutlich keine 10 Pferde bekommen hätten (Spinnenbelagerter, 1 Raum mit Loch in der Decke, aus dem das Wasser durch einen Gartenschlauch kam). Ich muss allerdings sagen, dass ich mich in das Hostelleben verliebt habe. Man kann selbst in Küchen kochen, auch wenn man manchmal Fleisch mit einem Besteckmesser filletieren muss. Es ist günstig, die Besitzer sind meist super entspannt, man lernt eine Menge interessanter Leute aus aller Welt kennen und nirgenwo interessiert es jemanden weniger, wie dreckig oder in welcher Aufmachung man herum läuft. Hostel = Zuhause = Liebe.

Die Reisegruppe
Die Reisegruppe

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Backpacken: Eine super Art zu reisen! Ganz besonders, wenn man beim packen langsam System entwickelt und nicht immer alles aus- und einräumt
Backpacken: Eine super Art zu reisen! Ganz besonders, wenn man beim packen langsam System entwickelt und nicht immer alles aus- und einräumt

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Kurznachrichten

Im Tanzkurs bin ich mittlerweile auf Fortgeschrittenes Niveau aufgestiegen! Ich kann mir zwar keine einzige Drehung merken, aber wenn ich gut geführt werde, klappt das alles schon.

Ich mit meinem Tanzlehrer auf einer Hochzeit im Januar. Wir tanzen Bolero, einen etwas antiquitierten Tanz, der eher von der „älteren Generation“ getanzt wird.

Die Hundebabies und Ricarda haben ein neues Zuhause bekommen. Sie leben jetzt bei einem Herren mit Kaffeplantage ein freies Leben, als sie es hier an der Hauptstraße Pejibayes leben konnten.

Lena, meine engste Freundin und weitere Feiwillige, und ich haben eine Creperie in der Stadt entdeckt. Neues Stammlokal! Die Kilos sammeln sich langsam an.

Mein Gastbruder hat mich vor kurzem mit auf eine Tour auf dem Quad seines Vaters in die Berge mitgenommen. Das blöde an Quads ist nur, dass man in Kurven komplett der Fliehkraft ausgesetzt ist und die Schotterpisten hier generell nicht für angenehme Kaffefahrten ausgelegt sind. Am Ende wurden wir aber mit sagenhaften Ausblicken in die Berglandschaft Perez Zeledóns belohnt.

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Ein weiterer Einblick in mein Leben hier: Letztens habe ich meinen Bus in die Stadt knapp verpasst, d.h. 2 weitere Stunden warten für mich. Überraschend hielt aber ein Truck direkt vor meiner Nase, der die Strasse passierte. Die Tür ging auf und heraus grinste ein guter Freund meiner Gastma und bot mir an, mich mit ein paar anderen in die Stadt mit zu nehmen. Und so teilte ich das Bett in der Fahrerkabine mit drei weiteren Personen auf meiner sehr ungewöhnlichen Reise über 1 ½ Stunden in die Stadt.

An diesem Punkt mache ich für diesen Eintrag besser Schluss. Über die Festtage und Panama berichte ich in weiteren Einträgen.

Hasta luego

Meine Gastfamilie im überblick: Gastbruder Jose Carlos, Gastma Roxana, Gastschwester Maria Jesus
Meine Gastfamilie im überblick: Gastbruder Jose Carlos, Gastma Roxana, Gastschwester Maria Jesus

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