Back to school

 

 

Die Emafini  Primary School liegt mitten in einem der Townships von Port Elizabeth und platzt mit 1200 Schülerinnen und Schülern aus allen Nähten… schon allein deshalb ist die Begrüßung an meinem ersten Schultag laut, heiß (schon um 8.00 Uhr hat es fast 30 Grad) und herzlich. Der Direktor Mr. Mackay führt mich zu „meiner“ Lehrerin. Ihr Vorname beginnt mit einem „Klicklaut“, in der Xhosasprache, sodass ich den ganzen Tag versuche, den Namen „Xolelwa“ zu üben, es gelingt mir einfach nicht, aber wir lachen viel dabei..

P1170014Der Schultag beginnt mit der „Assembly“ – d.h. alle 1200 Kinder stehen in Reih und Glied im Freien auf einem kleinen Schulhof, der Direktor stellt mich vor, es werden verschiedene Ankündigungen gemacht (natürlich in Xhosa) und es herrscht eine wuselige Ruhe, bis eine Lehrerin ein Gebet singt (dabei verschränken alle Kinder die Arme und schließen die Augen) – nun ist alles still. Danach ein zweites Lied, es ist die Nationalhymne Südafrikas, sie wird mit Inbrunst gesungen und gleich danach löst sich die Menge der weiss-grau uniformierten Jungen und weiss-blau gekleideten Mädchen ganz gesittet auf, in Zweierreihen strebt jede Jahrgangsstufe auf ihr Gebäude hin und in die Klasse.

Diese Woche arbeite ich als Asssistentin bei Xolelwa in der 7. Jahrgangsstufe Englisch, es ist der letzte Jahrgang in dieser Schule. Viermal hintereinander kommen Klassen A, B, C und D in die Klasse, jeweils um die 40 Kinder, mit dem gleichen Unterrichtsstoff, heute geht es um „Listening and Speaking“, also ein Hörtext mit Fragen dazu. Mit Engelsgeduld wiederholt die Lehrerin den Text mehrmals, denn dazwischen kommen Schülerinnen mit Fragen zu ihr, manche gehen wieder in andere Klassen (es ist 2 Wochen nach Schuljahresanfang und manche Kinder finden die nächste Klasse nicht), die Hitze wird immer schlimmer in den kleinen Zimmern und irgendwann gegen 10 Uhr wird unterbrochen, weil jetzt die Truppe „Frühstück“ eintrifft. Alles geht aber einen sehr geordneten Gang. Aus einem großen Plastikbottich werden kleine Plastikschalen mit „Mphoqo“ gefüllt, es ist eine Art Maisbrei, den die Kinder aus der Schale schlürfen, die Kosten trägt die Regierung, damit alle Kinder morgens etwas zu essen bekommen. Vor Schulschluss kommen dann nochmal Kisten mit grünen Äpfeln, die ebenfalls geordnet verteilt werden.

Während der jeweils ca 45 Minuten Unterricht kann Xolelwa gerade die kurze Übung schaffen, wer die Fragen schriftlich beantwortet hat, gibt sein Heft zu uns nach hinten (das Pult steht komischerweise an der Rückwand des Zimmers) und in Kürze habe ich einen Turm von Heften vor mir – fange gleich an zu korrigieren (verlernt man nie), zur Freude Xolelwas, die sonst doppelt so viel Zeit gebraucht hätte. P1170015Manche Kinder schreiben, antworten fast perfekt auf Englisch, andere haben massive Rechtschreib- und Verständnisprobleme, eine große Diversität, die mit durchschnittlich 45 Kindern pro Klasse an der Emafini School, die zu den „besseren“ in den Townships gehört, nicht zu schaffen ist. Es fehlen Lehrer/innen, Räume und Bänke, insgesamt schneidet die Provinz „Eastern Cape“ im Landesdurchschnitt am schlechtesten ab. Vorige Woche wurden sogar 8 Schulen von den Eltern! bestreikt und geschlossen, weil es an allem fehlte. Die Bildungskrise beherrscht das ganze Land und eine Lösung ist nicht in Sicht. Daher ist der Überlebenskampf von Schulen wie Emafini und anderen in der Gegend bewundernswert und der Einsatz von Freiwilligen ausnahmslos willkommen, auch wenn es nur die moralische oder praktische Hilfe ist, die unsereins bieten kann.

 

 

 


Ein Gedanke zu Back to school

  • Hallo,liebe Molly,
    bist auf jeden Fall gesund angekommen und kämpfst jetzt mit in dem Gewusel von Kindern und Knacklauten.
    Halt die Nase weiterhin hoch und nimm dich vor
    Löwen und Moskitos in acht.
    Liebe Grüße
    Birgitta

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>