Peru-Alemania Alemania-Peru

Mittlerweile bin ich schon über 4 Monate in Peru, die Zeit rast und mir ist aufgefallen, dass ich noch nie so richtig was über die Unterschiede oder allgemein über das alltägliche Leben in Peru geschrieben habe. Teilweise ist dies mehr oder weniger gleich wie in Deutschland, oft aber auch komplett anders und ich werde hier jetzt einfach mal auflisten, was mir bis jetzt so aufgefallen ist (das Ganze bezieht sich natürlich auf Iquitos, mehr hab ich bis jetzt ja noch nicht gesehen):

  • oft kommt es mir so vor, als wenn hier die Zeit ein bisschen stehengeblieben ist, das liegt wahrscheinlich daran, dass hier viele alte Gebäude nicht renoviert sind, die Lkws die es hier gibt aussehen wie riesen Trucks aus alten US Filmen, wobei ich auch schon beim nächstem Punkt wäre:
  • Verkehr: es gibt hier eigentlich nur Mototaxis, Motorräder, ein paar der eben beschriebenen Trucks, die paar Leute, die sich hier ein Auto leisten können haben entweder ganz alte oder riesige SUVs, und alte Busse die als „Linienbusse“ dienen
  • es gibt aber keine richtigen Haltestellen geschweige denn Fahrpläne, man muss einfach wissen wo die Route der Busse entlang führt, stellt sich dann an den Straßenrand und winkt den Bus mit der Hand heran um zu signalisieren, dass man einsteigen will. Dafür kann man dann durch ganz Iquitos für nur einen Sol (ca 30 Cent) fahren.
  • Das ist auch etwas was ich hier extrem angenehm finde: die „hora peruana“. Gemeint damit ist, dass man es mit der Uhrzeit hier nicht so genau nimmt und nicht alles so streng durchgetaktet ist wie in Deutschland, was ich, die gerne auch mal ein bisschen zu spät kommt, genieße 🙂
  • die Leute sind hier alle extrem klein, ich überrage hier mit meinen 1,72m 95% der Menschen, auch die Männer sind geschätzt im Schnitt nur so zwischen 1,60m und 1,70m groß. Und hier trägt wirklich niemand der Männer einen Bart 😀 Außerdem gibt es kaum Leute mit Glatze und niemand hat wirklich graue bzw weiße Haare, da sind die Peruaner irgenwie mit besseren Genen ausgestattet als wir 😀
  • alles, was ich hier im  Alltag an Dingen so brauche, kann ich entweder im Supermarkt kaufen, der genauso aussieht wie bei uns in Deutschland (natürlich teils mit anderen Produkten), auf den Markt oder in eine der zahlreichen kleinen „bodegas“, kleinen Geschäften bzw Kiosken, wo man das Nötigste bekommt. Dabei kann ich das gleiche Shampoo wie in Deutschland kaufen, oder aber auf dem Markt um Früchte feilschen, die es nur hier gibt.
  • mein Leben hier ist dauernd von Latinomusik umgeben, ob in unserem Restaurant, im Bus, auf der Straße…überall hört man Reggaeton, Salsa und Cumbia. Und noch diverse andere Richtungen, die ich mir nicht merken konnte 😀 und jeder, wirklich jeder hat das richtige Rhythmusgefühl dafür im Blut, hier können wirklich alle mehr oder weniger tanzen.
  • was hier allerdings ganz anders ist, ist das Ausgehverhalten der Peruaner. So etwas wie Hobbies gibt es hier nur für einen winzigen Teil, erstens weil es sich viele nicht leisten können neben den Schulkosten noch Geld für z.B. Fußballtraining auszugeben. Und zweitens habe ich das Gefühl, dass man sich einfach gerne in gewohnter Umgebung, sprich in seinem Haus oder dem seiner Verwandten aufhält. Peruaner in meinem Alter kennenzulernen ist dadurch nicht gerade einfach.
  • das Umweltbewusstsein existiert hier auch nicht so wirklich wie in Deutschland. Der Müll wird hier von der Mehrheit einfach auf die Straße geworfen, gerade in den Randbezirken und auf den Märkten ist alles voll davon und dementsprechend dreckig. Im Stadtzentrum, wo ich wohne,  gibt es eine Müllabfuhr, aber das wars auch. Viele verbrennen ihren Müll, um dann über dem Plastikrauch ihr Brathähnchen zu grillen, und ich glaube erneuerbare Energien sind hier auch so gut wie nicht verbreitet, obwohl Solarzellen hier richtig Sinn machen würden, die Sonne scheint hier ja meistens den ganzen Tag. Andererseits kann ich es auch nachvollziehen, wenn viele Leute, die täglich damit beschäftigt sind, irgendwie genug zu verdienen, um sich etwas zu Essen kaufen zu können und denen vielleicht noch nie jemand erklärt hat, warum man seine Umwelt, auch zu seinem eigenen Wohlbefinden, nicht verschmutzen sollte, sich um so etwas keine Gedanken machen.
  • Des Weiteren ist der Fleischkonsum hier extrem hoch, v.a.  Hühnchen, werden hier richtig viel gegessen, mehr oder weniger jeden Tag. In Deutschland geht der Trend ja gerade eher dazu, weniger Fleisch zu essen, immer mehr werden Vegetarier oder Veganer. Das ist in Peru genau das Gegenteil; viele Leute können nicht verstehen, wie man kein Fleisch essen kann.

Das wars erstmal, was mir gerade so eingefallen ist.

Im Kinderheim machen wir nächsten Freitag ein Weihnachtsnachmittag, wo alle Eltern eingeladen sind, mit Weihnachtslieder singen, Tanzaufführung. Letzte Woche waren wir  auf einer „chocolatara“ von einer der Schulen, wo die Kinder hingehen, eingeladen. Die hatte die Schule (eine englische Privatschule) extra für uns organisiert. Eine „chocolatara“ ist typisch für die Weihnachtszeit in Peru. Das ist eine Veranstaltung, bei der heiße Schokolade getrunken wird und Paneton (süßes Gebäck, dass es hier nur an Weihnachten gibt) gegessen. Bei der für uns organisierten „chocolatara“ gab es noch Programm mit einem verkleideten Weihnachtsmann und großem Tanzwettbewerb. Zum Schluss hat jedes Kind noch eine große Tüte mit einem Geschenk bekommen, die von der Schule gesponsert waren. Ein schöner Tag für die Kinder 🙂 Die Kinder gehen auf 3 verschiedene Schulen, eine staatliche (die meiner Meinung nach wirklich nicht gut ist, die Kinder haben auch kein Englischunterricht, auch die auf der weiteren Schule nicht), und 2 private. Eigentlich muss man für die eine Menge Geld zahlen, aber die Plätze, die jedes Jahr in den Klassen noch frei sind, werden Kindern aus Kinderheimen kostenlos zur Verfügung gestellt, was meiner Meinung nach eine richtige Chance für sie ist.

Wie immer werden die Bilder folgen, weil es gerade so lange brauchen würde diese hochzuladen.

Eure Miriam 🙂

 


Ein Gedanke zu Peru-Alemania Alemania-Peru

  • Hallo, Miriam. Deine Berichte sind für alte Europäer,die weite Reisen nicht mehr durchstehen können, mehr als ein Ersatz. Man glaubt, daß man selbst alle diese Eindrücke vor Ort aufnimmt und man freut sich auf den nächsten Bericht und die Bilder.
    Alles Gute, schöne Weihnachten und nochmals herzlichen Dank.

    Ilsemarie und Hans-Werner

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