Questions & Answers

Heute gibt es ein Paar Antworten auf Fragen, die sich auf die amerikanische Schule beziehen.

Wie ist die Beziehung zwischen den Lehrern und den Schülern?

Im Allgemeinen kann man sagen, dass es hier immer etwas gelassener sowie persönlicher hergeht und dass die Lehrer sich sehr für die Schule sowie die Schüler interessieren. Viele Lehrer haben Fragebögen für die Schüler um einige Grundinformationen über den Schüler zu haben. Außerdem ist es üblich, dass die Lehrer bei Sportveranstaltungen der Schule vorbeischauen und unser Team anfeuern. Viele Lehrer haben Snacks in ihren Klassenzimmer, welche sie für Schüler zur Verfügung stellen und die Klassenzimmer sind voller Motivationposter und Fotos ehemaliger Schüler. Vor jedem Mathetest schauen wir ein Video zusammen mit unserer Lehrerin an, welches dazu dient uns Mut zu machen und uns zu inspirieren. In dem Video fallen dann Sprüche und Zitate wie „Lass dir von niemanden einreden, dass du schlechter bist als die anderen“ oder „Nur wer groß träumt kann großes erreichen“. Ich weiß, sehr amerikanisch!

Wie verhalten sich die Schüler im Unterricht?

So weit wie ich es beurteilen kann würde ich sagen, dass der Wert, der hier am meisten im Unterricht geschätzt wird, Respekt ist. Wenn man häufig jemanden im Unterricht unterbricht kann das Auswirkungen auf die Note haben und auch wenn man sich nicht melden muss um zu sprechen wird von einem erwartet dem Lehrer den nötigen Respekt zu zeigen und nicht dazwischenzureden. Dieser Wert wird den Kindern hier seit dem Kindergarten beigebracht und der Großteil aller Schüler gibt sein Bestes diesen Wert auszuleben. Wenn jemand einen Vortrag vor der Klasse hält, dann bekommt dieser Schüler eine Note aber alle erhalten ebenfalls eine Benotung für ihr Verhalten während des Vortrags. Natürlich ist die Note für das Verhalten weniger wert als die Vortragsnote, jedoch wenn man alle Verhaltensnoten vermasselt, dann kann dies die Note herunterziehen. An meiner Schule ist es erlaubt sein Handy während der Pause zu verwenden und wenn der Lehrer es erlaubt. Natürlich gibt es Schüler die ihr Handy auch während des Unterrichts nutzen, jedoch finde ich, dass die Zahl an Schülern deutlich geringer ist als die Zahl an deutschen Schülern die ihr Handy unerlaubt im Unterricht verwenden.

Wie kleiden sich die Schüler?

Definitiv anders als in Deutschland. Ich glaube meine amerikanische Erfahrung mit Kleidung weicht sehr von der ab, die Austauschschüler in New York oder Kalifornien haben, denn hier in Alaska zählt eher das Praktische und nicht das Stylische. Mit Jeans und schickem Pullover wäre ich „over dressed“, jedoch interessiert das hier keinen. Jeder kann tragen was er will ohne einen schiefen Blick abzubekommen. Egal ob du Löcher in deinem T-Shirt hast, deine Hände voller Schmiere sind weil du dein Schneemobil repariert hast und die Schmiere nicht ganz so gut abzuwaschen geht, du Sweatshirts trägst die zwei Nummern zu groß sind, du Jogginghosen trägst oder Schuhe die eventuell deine Uroma gehören könnten. Nobody cares. Viele Mädchen schminken sich nicht und bevorzugen Outdoorkleidung. Hier regnet es fast jeden Tag und scheinbar hat man hier das Wort Regenschirm noch nie gehört, denn Regenschirme haben hier nur Touristen. Daher ist es üblich, dass die Haare immer nass sind sobald man ein Gebäude verlässt und auch das interessiert vor allem die Mädchen so gut wie garnicht.

Wie ist der Unterrichtsstil der Lehrer?

Der Unterricht basiert mehr auch Technik und das Mitwirken der Schüler. Es findet ein ständiges Gespräch zwischen Lehrer und den Schülern statt, d.h. der Lehrer bindet die Schüler mehr in den Unterricht ein. Die Lehrer versuchen die persönliche Meinung der Schüler zu fördern und zu unterstützen. Durch die verschiedenen Familienhintergründe der Schüler müssen die Lehrer bei manchen Themen ganzschön vorsichtig sein, da z.B. die Schüler indianischer Abstammung sich angegriffen fühlen können wenn der Geschichtslehrer nicht sensibel mit dem Thema Indianer umgeht. Da die USA ein Land voller verschiedener Kulturen und Meinungen ist und jeder seine Meinung auch laut ausspricht ist es das Ziel des Lehrers den Schülern klar zu machen, dass man nicht zustimmen jedoch respektieren muss.

Was wird von den Schülern erwartet? Was von den Lehren?

Von den Schülern wird erwartet das sie ihr Bestes geben und immer versuchen sich zu verbessern. Man bekommt jedoch auch ziemlich einfach eine gute Note auf die Hausaufgaben oder den Test wenn man zu mindestens versucht die Frage zu beantworten. Um die volle Punktzahl zu erhalten muss das Ergebnis aber auch korrekt sein. Die Hausaufgaben nicht zu erledigen kann Ärger mit den Lehrern verursachen und die Note enorm beeinflussen. Außerdem wird von den Schülern erwartet, dass sie pünktlich zum Unterricht erscheinen, denn wenn der Unterricht begonnen hat und man noch nicht im Klassenzimmer ist, dann erhält man einen Pass und wenn man mehr als zwei Pässe pro Woche hat, dann muss man Nachsitzen. Von den Lehrern wird erwartet, dass sie Schülern, die Hilfe benötigen diese auch in Form von Nachhilfe vor Unterrichtsbeginn anbieten. Jeder Lehrer muss eine Stunde vor Schulbeginn im Klassenzimmer sein und jeder Schüler mit Problemen kann die Zeit nutzen um sich zu verbessern.-

Was ist das Thema Nummer eins außerhalb des Klassenzimmers?

Sitka ist eine Kleinstadt und jeder kennt jeden, daher ist das beliebteste Thema immer Klatsch und Tratsch. Wenn man hier mit jemanden beim Kaffeetrinken im Café gesehen wird, dann ist es keine Seltenheit, dass man am nächsten Tag von mehreren Leuten drauf angesprochen wird. Wenn man sich zur Mittagspause neben eine Jungen setzt und ein etwas längeres Gespräch führt, dann geht das Getuschel los. Ich finde das eher belustigend, denn selbst vor den Lehrern wird nicht Halt gemacht. Nach meinem zweitem Schultag wusste ich, dass meine Englischlehrerin ihren Mann betrogen hat und jetzt einen deutlich jüngeren Mann datet, wer mit wem auf der letzten Party geknutscht hat und wer mit wem Schluss gemacht hat. Das ganz normale High School Leben.

Was macht jemanden „beliebt“ und „populär“?

Definitiv Sport. Sport ist in Amerika eine große Sache und ein Teil der Kultur: jeder macht Sport, schaut Sport im Fernsehen oder feuert sein Team im Stadium an. So ist es auch in der High School. In einem Sportteam zu sein und mit dem Team für Wettkämpfe zu reisen ist eine Ehre, denn nur wer die entsprechenden Noten hat darf Reisen. Jeder kennt die Sportler und fast jeder schaut die Heimspiele an. Wenn ein Sportler oder ein Team einen wichtigen Wettkampf gewonnen hat/haben dann wird das mit Postern, Lautsprecheransagen und Zeitungsartikeln über den Erfolg gefeiert. Das höchste das ein High School Team gewinne kann ist State, d.h. man ist das beste Team im ganzen Staat. Meine Schule hat Alaska-State-Champions im Schwimmen und Cross Counrty (Geländelauf).

Wer redet mit wem?

Natürlich gibt es wie an jeder Schule Grüppchenbildungen und wie in den High School Filmen hat jede Gruppe seinen Tisch beim Mittagessen, jedoch ist es nicht streng und ich sitze nicht immer an dem selbem Tisch. Ich rede mit so gut wie jedem und mich interessiert es nicht in welcher Gruppe die Personen sind. Allerdings sieht das nicht jeder an meiner Schule so, denn jeder kennt sich seit dem Kindergarten und diese lange Zeitspanne bietet viel Raum für Freundschaften, jedoch auch für Konflikte und Probleme die Menschen miteinander haben.

Wie verhalten sich die Schüler gegenüber anderen Schülern?

Eines der vielen Dinge, die ich an meiner High School liebe ist, dass es (so weit ich es beurteilen kann) kein Mobbing gibt. Es kann durchaus sein, dass Mobbing vorhanden ist, jedoch habe ich davon noch nichts mitbekommen und ich hoffe das bleibt auch so. Wer sich nicht ausstehen kann meidet einander und das Lästern hält sich hier auch in Grenzen.

Wo gehen die Schüler am Ende des Schultags hin?

Nach dem Schulschluss geht es für die meisten zum Training, zum Schulclub oder zur Arbeit, denn es ist üblich für amerikaische Schüler als Bedienung oder in einem kleinem Laden zu arbeiten. Außerdem ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich in der Woche trifft und etwas unternimmt.

Welche Clubs kann man besuchen?

Die Auswahl an Clubs, die man an meiner High School besuchen kann ist groß und bietet für so gut wie jeden etwas. Es gibt die Sportclubs (saisonabhängig kann man zwischen Schwimmen, Geländelauf, Wrestling, Volleyball, Baseball, Softball, Basketball, Leichtathletik und Cheerleading wählen), Schauspielclubs, Debatierclubs, Kunstclubs, Matheclubs, Wissenschaftsclubs, Clubs die einem Schülerrat ähneln und vieles mehr. Der Schülerrat hier ist definitiv besser als der deutsche, denn hier trifft man sich auch um Spaßaktivitäten auszuüben wie eine Filmnacht (zu der ich auch eingeladen wurde).

Was ist „in“?

In ist es ein Auto zu fahren, da dies enorme Vorteile in Alaska mit sich bringt. Dabei muss man aber sagen, dass in Deutschland niemand stolz auf sein Auto sein würde, wenn es so aussieht wie die Autos hier. Der TÜV würde sie auf jeden Fall nicht mögen. Das manche Autos noch immer fahrtauglich sind grenzt an ein Wunder. In ist außerdem Counrtymusik oder Rap zu hören und so laut es geht mitzusingen/mitzurappen. Wahre Alaskaner lieben es auch wandern zu gehen, Berge zu besteigen, zum Schießstand zu gehen, ein Snowmobil zu fahren und Angeln zu gehen.

Ist es einfacher?

Ja, der Unterricht ist vom Level her einfacher und die Aufgaben sind des Öfteren nicht wirklich komplex. Das spiegelt sich auch in meinen Noten wieder, denn ich habe nur A’s und A+’s. Ich lerne dennoch sehr viel Neues, da der amerikanische Fokus auf andere Themen gerichtet ist. Das erklärt mir dann auch so einiges über die amerikanischen Eigenheiten. Was für mich ungewöhnlich ist, ist dass hier 9. Klässler und 12. Klässler im selben Unterricht  sein können, da jeder seine Fächer selbst wählen kann. Natürlich gibt es da enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Schülern, das ist auch der Grund warum ich es bevorzuge mit gleichaltrigen in einer Klasse zu sein.

Was war diese Woche los?

So, genug über das amerikanische Schulsystem. Diese Woche war die International Education Week und da ich eine Stipendiation bin habe ich mehrere Vorträge über Deutschland gehalten. Mein erster Vortrag war in der Grundschule vor der 2. Klasse, die ich immer unterrichte und als ich den Raum betreten hatte, da haben mich all meine kleinen Freunde mit einem deutschem „Guten Morrgen“ begrüßt. Das hatte mein Lehrer eingefädelt, es war super süß von ihnen und ich habe mich enorm darüber gefreut. Geplant für meinen Vortrag waren 20 Minuten, da aber die Kinder ununterbrochen Fragen gestellt haben wurde es mehr als eine Stunde.Viele der Fragen haben sich auf das deutsche und amerikanische Essen fokussiert. Mein zweiter Vortrag war in meiner Global Issues Klasse und da habe ich die vollen 90 Minuten für meine Präsentation und die Beantwortung von Fragen in Anspruch genommen. Selbstverständlich wichen die Fragen hier von denen in der Grundschule ab. Es war mehr ein „Was denkst du über den aktuellen Volkswagenskandal?“ statt einem „Was ist deine Lieblingspizza?“. Auch hier waren alle sehr interessiert und ich glaube die deutschen Süßigkeiten, die ich mitgebracht hatte haben sie vollkommen überzeugt. Meine letzte Präsentation war in U.S. History und auch hier habe ich die volle Zeit genutzt. Alle Teenager waren echt beeindruckt, als sie gehört haben, dass man in Deutschland mir 16 Alkohol trinken kann und die Reaktion war immer „Auf geht’s nach Deutschland, ich will Bier“.

Ich habe diese Woche eine Yogastunde in einer Holzhütte gehabt und das erste Mal in meinem Leben Elch gegessen, es war richtig gut! Meine Freunde wollten mir ganricht glauben, dass ich nie zuvor Elch hatte, denn es ist hier so normal wie Hase bei uns. Die Reaktion meiner Freunde als ich ihnen vom Hase in Deutschland erzählt habe war ziemlich lustig, da diese noch nie Hase hatten und es ihrer Meinung nach „komisch“ ist. Tja, das ist Alaska.

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