Dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war…

Viel Neues habe ich erlebt
Ich habe schon eine halbe Ewigkeit nichts mehr geschrieben, und in dieser halben Ewigkeit ist einiges passiert: Ich war übers Wochenende in einem hübschen, kleinen Örtchen namens Samaipata, habe das erste Mal in meinem Leben an einem Pfadfinderlager teilgenommen, habe in La Paz Cocablätter gegen die schrecklich unangenehme Höhenkrankheit gekaut, wurde von einem Stier angegriffen, das Stadtbild von Santa Cruz ist mir unglaublich vertraut geworden und in der Zwischenzeit fällt mir die Orientierung nicht mehr ganz so schwer. Die wichtigste Neuigkeit ist jedoch mein Arbeitsplatzwechsel.
Mittlerweile hole ich nicht mehr nur Brot in der Aldea, dem Kinderdorf außerhalb von Santa Cruz, ich lebe und arbeite unter der Woche dort. Warum ich gewechselt habe? Das ist eine etwas längere Geschichte von Missverständnissen und mangelnder Kommunikation. Mir ging es dementsprechend eine Zeit lang nicht sehr gut, aber jetzt bin ich sicher, dass diese Änderung für alle Beteiligten das Beste war.

 

Mein zweiter Arbeitsplatz…
Zur Aldea gehört ein großes Gelände, auf dem zwischen einigen idyllisch weidenden Kühen und ziemlich vielen fauchenden Gänsen die sogenannten Cabanas (eigentlich mit Welle auf dem n, aber das gibt meine Laptoptastatur leider nicht her) stehen. Cabanas, das sind die Häuser, in denen jeweils eine Gruppe Kinder und Jugendlicher mit der Erzieherin, der Educadora, wohnt. Ich helfe bei den kleinen Jungs zwischen 6 und 11 mit. Meine Arbeit zu beschreiben fällt mir ein bisschen schwer, ich kann sie nicht wirklich definieren. Eine Mitfreiwillige hat das sehr passend in, „Ich sehe meine Arbeitszeiten machen ziemlich müde, und die Hitze tut das Übrige. So falle ich abends immer todmüde ins Bett, nach einem ausgefüllten und erfüllenden Tag.
Natürlich, auch die Kleinen sind nicht immer leicht und nicht alle Tage sind wunderbar, doch ich bin wirklich glücklich Aufgabe darin, Liebe zu geben“, zusammengefasst. Das Wichtige ist, dass wir Freiwilligen da sind für die Kinder. Und so machen wir das, was gerade anfällt. Ob das nun bei Hausaufgaben helfen, vom Fußball abholen oder mit den Kindern schmusen ist. Eigentlich sollte man meinen, dass Spielen und Aufpassen nicht wirklich anstrengend ist. Das ist aber eine komplette Fehleinschätzung, der Mix aus Spanisch, Deutsch und Englisch im Freiwilligenhaus und die langen mit meiner Arbeit! Vor allem die letzten Wochen haben mir wirklich Spaß gemacht und ich bin sehr dankbar, hier sein zu dürfen.

…ein zweites Zuhause
Die Aldea, und insbesondere unser Freiwilligenhaus, sind mir mittlerweile zu einer Heimat geworden. Es ist so schön, dass immer jemand im Comedor sitzt, mit dem man während der Pausen bei Tee oder Früchten ein bisschen plaudern und lachen kann. Man ist nie einsam.
Mittlerweile sind wir insgesamt 12 Freiwillige aus Deutschland, Belgien, England, Spanien und Singapur. So ist unsere Gespräche vor allem deutsch oder englisch, wobei es wirklich schwer ist, so zwischen den Sprachen hin- und herzuspringen. Das ist auch einer der einzigen Haken an meinem Arbeitswechsel: Ich denke, mein Spanisch wäre schon um einiges besser, würde ich (fast) ausschließlich auf dieser Sprache kommunizieren. Zwar verstehe ich mittlerweile praktisch alles, doch rede ich noch sehr stockend und abgehackt.
Aber zurück zu unserem Freiwilligenhaus: Als ich ankam, war es sehr schmutzig, aber wir haben es uns schon viel gemütlicher gemacht, mit Matratze und Decken im Wohnzimmer, und einen Putzplan eingeführt. Außerdem gewöhnt man sich relativ schnell, in der Zwischenzeit mache ich mir gar keine Gedanken mehr über von der Decke bröselndes Zeug auf den Waschbecken (wenn man nicht alle 3 Stunden putzen will, ist das eben so) oder nicht sauberzukriegende Fließen in unserem Esszimmer.
Jetzt bin ich also nur noch über das Wochenende in Santa Cruz, was für meine Gasteltern meiner Einschätzung nach eine Erleichterung ist. Da die zwei sehr viel arbeiten und abends sehr müde nach Hause kommen, hatten sie, glaube ich, ein schlechtes Gewissen, mich so viel alleine zu lassen.
Für mich ist es jetzt, so außerhalb und vielbeschäftigt, leider schwerer, Anschluss an bolivianische Jugendliche zu finden. Es fehlt einfach an Gelegenheiten, Leute kennenzulernen.

Eine erschreckende Nachricht zum Schluss: Von meiner offiziellen Freiwilligendienstzeit ist schon über die Hälfte vergangen und vor einiger Zeit ist eine Mail mit meinen Rückreisedaten in mein Postfach geflattert. Ich habe allerdings vor, mein Visum noch ein wenig auszunutzen, um Bolivien zu erkunden.

In meinem nächsten, hoffentlich bald folgenden Blogeintrag soll es um meine bis jetzt unternommenen Reisen gehen! Und es gibt auch ein einige Fotos!


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