lebendig

Es war einmal vor langer, langer Zeit, dass ein letzter Blogeintrag geschrieben wurde.

Heute ist es wieder soweit, fast zum dreimonatigen Jubiläum (welches immer auf den 23. des Monats fällt) meines Aufenthalts in Costa Rica. Nie im Leben hätte ich geglaubt, wie schnell Zeit vergehen kann. Und wie schnell sich ein Leben ändern kann – von einem Augenblick auf den anderen.

Mittlerweile kann ich mit Stolz sagen: Ich bin nicht nur angekommen. Ich bin endlich ein richtiger Teil der Familie, in meiner Arbeit integriert und habe mir meinen Alltag um mich herum aufgebaut. Auch im Spanisch bin ich inzwischen recht fit – was heißen soll, dass ich mich problemlos verständigen kann, aber nicht unbedingt, dass ich Artikel und Geschlechter oder Zeiten immer grammatikgemäß anpasse. Aber ich lerne vor Allem wie schön es ist, eine Sprache zu verstehen und damit auch die kleinen Besonderheiten in Redewendungen und Begriffen zu erkennen.

Zum Beispiel kann um Gänsehaut zu beschreiben, gesagt werden, dass die Haut igelig/borstig ist („erizado“). Und Schlucht heißt „quebrada“, was übersetzt „gebrochene“ bedeutet.

Etwas, wovon ich auch erzählen wollte, sind die Namen, die mir in meinem Alltag, gerade am Colegio, begegnen. Es ist recht geläufig, dass Namen aus den Vereinigten Staaten übernommen werden – nur eben mit eigenwilliger, lautschriftartiger Schreibweise. So begegnet man gerne mal Eiprol (April), Estivn (Steven) und Yeison (Jason). Aber auch aus Deutschland bekannte Namen haben sich hier etabliert, wie z.B. Holger („Olgr“) oder Jürgen („Dschürghän“).

Um auch nochmal oberflächlich auf die Frage zum Thema Schönheitsideale in Costa Rica einzugehen:

Bei Frauen sind ewig lange, glatte Haare beliebt. Ich würde sagen, ein Großteil der Klientinnen meiner Mutter lassen sich ein  „lizo“ machen, was eine Haarglättung für mehrere Monate bedeutet. Das ganze ist eine stundenlange Prozedur aus glätten, föhnen, waschen und dem Auftragen und Einwirken lassen eines dafür zuständigen Produktes.

Die Männer kommen gefühlt alle zwei Wochen, um sich die Nackenkanten und Kotletten exakt nachscheren zu lassen. Oder eben gleich ein bisschen mehr abzuschnippeln.

Generell ist bei der Körperpflege in Costa Rica viel Parfüm und duftende Kosmetika im Spiel, aber auch perfekt gezupfte Augenbrauen. Dieser Prozedur unterzieht sich sogar die männliche Bevölkerung, sogar schon Jugendliche.

In diesem Monat ist wahnsinnig viel passiert, deshalb möchte ich euch meine Erlebnisse in Kurzform schildern und werde auch einiges auslassen.

15. September, 1821

Der 15. September ist der wichtigste Nationalfeiertag in Costa Rica, der Tag der Unabhängigkeit. An diesem Tag konnte Costa Rica ohne kriegerische Auseinandersetzung die Loslösung von Spanien erlangen. Schon Wochen vorher werden hier alle möglichen Wände und Gegenstände in blau-weiß-rot geschmückt. Am 14. September feiern die Schulen die Ankunft der Fackel, die die frohe Nachricht der Unabhängkeit durch ganz Lateinamerika verbreitet. Die Schüler joggen tatsächlich mit einer brennenden Fackel von Ort zu Ort, und geben das Feuer weiter.

Am Feiertag selbst werden riesige „desfiles“ (= Festzüge) mit Tanzgruppen und Musikgruppen, ähnlich einem Spielmannszug, veranstaltet. Nur fallen die Aktivitäten in Pejibaye proportional zur gerinen Einwohnerzahl klein aus, weshalb ich einen schönen Tag ab 7 Uhr morgens am Straßenrand von San Isidro mit meiner Familie, Freunden, Campingstühlen und Sonnenschirmen verbracht habe.

Für einen besseren Eindruck Die Zusammenfassung des Festzuges, den ich gesehen habe!

Schüler, die von Ortschaft zu Ortschaft joggen und die Fackel zur Feier im colegio abliefern
Schüler, die von Ortschaft zu Ortschaft joggen und die Fackel zur Feier im colegio abliefern
Alle in den Startlöchern: Die Festzüge gehen bald los
Alle in den Startlöchern: Die Festzüge gehen bald los
Lena, die deutsche Freiwillige, Nohelia und ich
Lena, die deutsche Freiwillige, Nohelia und ich

Ventanas/Jacó

Ventanas und Jacó sind meine ersten beiden Strände, die ich wirklich so richtig kennen gelernt habe. Um einmal herauszukristallieriseren was sie gemeinsam haben: Dunklen, fast schwarzen Sand, eine buchtartige Formung, Palmen, starke Strömungen, flache Wasserbecken, brennende Hitze und nach norddeutschem Verständnis „pipiwarmes“ Meerwasser. Tatsächlich ist baden keine Abkühlung, sondern hat mehr so die Temperatur von lauwarm duschen. Die gute Seite ist: Man kann ewig im Wasser bleiben, bis die Füße schrumpeln OHNE blaue Lippen und Unterkühlung zweiten Grades.

Ventanas (=Fenster) hat seinen Namen von den langen Höhlen in den den Strand umgebenden Felsen, die am Ende Ausblick auf das Meer geben.

In Jacó war ich übers Wochenende mit Freunden aus meiner Gruppe der deutschen Freiwilligen, übrigens in einem Hostel direkt am Strand für 12 Dollar die Nacht pro Person. Nur leider ist die Anreise für mich Südlicht immer am längsten – mehr oder weniger 7 h mit drei verschiedenen Bussen. Aber es lohnt sich für erste Surfversuche, selbstgepflückte Kokosnuss am Strand trinken, abends durch knöcheltief überflutete Straßen zur Soda (billiges Restaurant) laufen und einfach ein  PURA VIDA.

1442674116921

Jacó Küste
Jacó Küste
Das Hostel: Ein Surfer Paradies
Das Hostel: Ein günstiges Paradies

 

Plötzlich Mama

Ganz richtig. Eines schönen Montagmorgens vor knapp zwei Wochen bin ich Mutter geworden. Von Hundebabies, die uns unsere neue (Straßen-)Hündin gebracht hat. Mittlerweile sind die Kleinen schon etwas mehr als einen Monat alt und wurden uns übergeben, nachdem wir Ricarda (der Hündin) vertrauenswürdig erschienen sind. Tatsächlich habe ich mir nie im Leben ausgemalt, was für eine Verantwortung ein Tierbaby ist. Die liegt jetzt nämlich bei mir und zwar gleich doppelt, weil es zwei wilde, kleine Hündinnen sind, die bei uns heranwachsen. Isa (Isadora) und Chloe – benannt von meiner kleinen Schwester.

Ricarda und Chloe
Ricarda und Chloe
links Isa, rechts Chloe
links Isa, rechts Chloe

Noch eine kleine Hundegeschiche:

Hundeerziehung läuft hier im Ort (wahrscheinlich auch in ganz Costa Rica) etwas anders, d.h. Leine oder frei rumlaufen. Das einzige Kommando was von unseren Hunden (Bono und Ricarda seit neuestem) eventuell verstanden wird ist „Salga!“ („Raus!“). Dementsprechend machtlos war ich erstneulich, als meine Hundis beschlossen haben, mich zum  Colegio zu begleiten. Aber sie hatten dann das Gefühl, dass ich das toll finden würde, wenn sie mich noch zum Sekretariat begleiten würden. Und als ich dann Salga! rufend über den Schulhof gelaufen bin, haben sie sich ganz dolle gefreut und wollten spielen. Es endete damit, dass ich mich lange versteckt habe als sie auf mich gewartet haben und den gesamten Tag paranoid von Raum zu Raum gehuscht bin, in der Hoffnung nicht entdeckt zu werden.

Hunde warten vor dem Sekretariat auf mich. Wie nett!
Wann sie wohl wieder raus kommt und mit uns spielt? (Man muss sich nur mal Ricardas Lächeln ansehen)
IMG-20151006-WA0004
Pejibaye. Ein Bild von meinem sehr talentierten Gastbruder.

 


Ein Gedanke zu lebendig

  • Habe gerade nochmals mit Genuss deinen Blog gelesen. So kurz vor dem 2. Advent bei kurzen Tagen und langen, dunklen Nächten fühlt sich das noch lebendiger an! Deine Überschrift ist also mehr als passend! Costa Rica scheint bunt, laut, manchmal ein bisschen schräg von den Tönen, landschaftlich bezaubernd und vor allem mit viel Geselligkeit verbunden zu sein. Ich spüre richtig, wie du das Leben genießt! Gut so – ich freue mich sehr für dich. Und deine Hunde sind ja mehr als goldig – da wird Toto wahrscheinlich schon unruhig, dass es in HH nach deiner Rückkehr „Familienzuwachs“ geben könnte ;-)))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>