Erster Schultag

Heute ist nun aber wirklich mein erster Schultag. Ohne Schultüte, dafür direkt ins Getümmel! Laura und ich sollen uns um die Grundschüler kümmern, während die Lehrerin etwas erledigt. Ein gutes Dutzend Kinder zwischen 7 und 9 wimmelt umher, spielt Packen und rauft sich. Ich fühle mich an „Petit Nicolas“ erinnert.

Schule in Ubaté
Ihre Aufgabe ist es, Wörter im Wörterbuch zu finden und die Definition abzuschreiben. Ihre Motivation ist eine andere. Nachdem die Fragen über Deutschland und meine Person sie auch bald langweilen, fangen sie wieder an zu raufen. Ich isoliere einen der Pappenheimer und schaffe es, drei bis vier Definitionen mit ihm durchzugehen. Als die Pause kommt, bin ich schon geschafft.

Wir beschließen, sie mit raus zu nehmen, aber ein Junge verletzt sich so sehr am Knie, dass es ihm unmöglich scheint, die Treppen runter zur Wiese zu schaffen. Also versammeln wir sie im Klassenzimmer in einem „Kreis“, um „Head, shoulders, knees and toes“ zu singen und zu zeigen. Das klappt prima. Die Bewegung tut ihnen gut und sie sind leichter zu bändigen. Sogar der „Leisefuchs“ funktioniert. Ich bin erleichtert. Dann wollen sie das gleiche nochmal auf Französisch und ich nutze die kurze Aufmerksamkeitsspanne, um ein Vorstellungsspiel mit Ball auf Französisch anzuschliessen. Jetzt kommt die Lehrerin wieder und wir können die Rasselbande wieder abgeben.
Grundschule ubate

 

 

 

 

Zur Mittagspause bin ich völlig mit meinen Kräften am Ende und froh, anschließend zu den Elftklässlern zu dürfen. Aber auch hier herrscht ein bemerkenswerter Geräuschpegel. Sie stellen mir Fragen und lachen wie Elfjährige beim Sexualunterricht. Die Schmeichler schätzen mich auf 18. Es funktioniert – ich bin geschmeichelt. Dann kommt die obligatorische Frage, um die sich hier keine Frau drücken kann: ¿Tienes novio? (Hast du einen Freund?) und die zweite: ¿Pero tienes novio en Colombia? (Aber hast du auch einen in Kolumbien?). Egal, wie die Antwort auch ausfällt, angebaggert wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Zum Glück auf eine sympathische, vergleichbar unaufdringliche Art. Insgesamt sind die Kolumbianer wirklich freundliche und herzliche Menschen. Sie sind uns Ausländern gegenüber offen, interessiert und hilfsbereit. Außerdem lieben sie Kosenamen und Diminutive: Aus einem Ei machen sie statt „huevo“ flux ein „huevocito“ und sogar aus „ahora“ (jetzt) wird „ahoracita“.

 


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