Ausflug zur finca

Hallo zusammen,

das wird glaub ich ein ziemlich langer Blog-Eintrag, aber ich habe grade richtig Lust, was zu schreiben. Ganz kurz vorweg für alle Neuleser: Ich habe schon einige Artikel geschrieben, die ihr unbedingt gelesen haben müsst. Gebt dazu einfach in die Suchleiste rechts oben im Eck Konstantin ein, dann erscheinen alle von mir geschriebenen Einträge. Während ich hier schreibe sitze ich auf meinem Bett und höre latino-musik. Es ist grade sieben Uhr, also in Deutschland zwei Uhr nachts. Gerade hat es aufgehört zu regnen.

Am Samstag bin ich mit Paul zu einer Finca gefahren, die seinem Gastvater gehört. Eine Finca ist eine Art Bauernhof, wobei in unserem Fall war es nur ein Haus aus Stein mit Wellblechdach. Ihr müsst wissen, dass eine Finca sehr weit ab vom Schuss ist. Und mit weit ab vom Schuss meine ich nicht 20 Minuten über die Landstraße und dann ist man da, sondern 3 Stunden mit dem Geländewagen durch Flüsse und über Berge, die eigentlich zu steil sind, um hochzufahren. Das alles schreckt einen wahren Panamaer natürlich nicht in geringster Weise und daher traten wir um fünf Uhr morgens unsere kleine Reise an. Wir fuhren in einem Geländewagen, der wie ein Pick-Up gebaut war und die Ladefläche war mit einem Stahlkäfig überspannt. Kann sich das jeder so ungefähr vorstellen? Jedenfalls waren wir zu viert, im Auto gab es aber nur zwei Plätze. Also… was macht man als Deutscher? Richtig. Man holt ein zweites Auto. Aber ein Panamaer sieht nicht das geringste Problem darin einfach zwei auf die Ladefläche zu packen und dann mit 120 über die Autobahn zu fahren. Gesagt, getan. Paul und ich hinten drauf. Die Straßen wurden immer wilder und es sind häufig vom Regen einfach Teile der Straße weggespült, sodass es schon ein „wenig“ ruckelt, wenn man hinten drauf sitzt. Dann ging es etliche Male Berg hoch, Berg runter, durch Flüsse und über Brücken. Die Berge wurden immer steiler, und bei einem dachte ich wirklich wir würden es nicht schaffen. Haben wir auch nicht. Die Straße war total uneben und es gab große Risse in der Mitte, weshalb es unmöglich war, den wahnsinnig steilen Berg hochzufahren. Ein Deutscher würde vermutlich umkehren, denn auch mit schieben war da nichts auszurichten. Aber für einen Panamaer ist das ningún problema. Er steigt aus, läuft nach hinten, holt seine Spitzhacke raus und fängt an den Weg zu bearbeiten.

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Naa…? Ihr müsst zugeben, dass ihr normalerweise keine Spitzhacke dabei habt, stimmt´s? Das hat jedenfalls geholfen. Wir haben es hoch geschafft und wurden sofort mit einer grandiosen Aussicht belohnt:

 

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Man konnte unglaublich weit sehen und zwischen den Bergen lag der Nebel.

Schließlich sind wir bei der Finca angekommen. Paul´s Vater gehört nicht nur das Haus, sondern auch das Gebiet im Umkreis von bestimmt einem Kilometer um die Finca drumherum. Dieses Stück Land liegt so tief im Dschungel, dass nie jemand dorthin kommt, daher ist es auch nicht allzu teuer. Direkt neben der Finca liegt ein Zuckerrohrfeld, bei dem wir uns erstmal was geholt haben. Man kann das Zuckerrohr nämlich einfach kauen und es schmeckt wie sein Name es verspricht. Total süß und lecker. Hinterm Haus wachsen einige wilde Limettenbäume, von denen wir auch probiert haben.

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Wie ihr seht ist die Messergröße ebenfalls etwas differenziert.

Als nächstes wollten wir reiten. Da wir aber nur ein Pferd hatten habe ich mich hinter Paul aufs Pferd gesetzt. Ich bin davor noch nie geritten, aber es hat eigentlich wunderbar geklappt. Etwa drei Sekunden lang. Da entschied das Pferd, dass es eigentlich grade keinen Bock auf reiten hat und warf uns beide ab. Man denkt, man könne sich in so einem Fall einfach am Sattelhorn festhalten oder wie Old Shatterhand das Pferd einfach durch pure Kraft daran hindern durchzudrehen, aber das ist schlicht weg einfach UNMÖGLICH. Ich landete also sehr hart auf der Seite und entging nur knapp den Hufen. Tja… Meine erste Reiterfahrung. Sehr motivierend, nicht wahr ? Aber nach anfänglichen Schwierigkeiten klappte es immer besser und nach kurzer Zeit hatte ich es schon so drauf, dass ich im Galopp über die Wiese flog. Und das macht wirklich waaahnsinnig Spaß !!!

Ich hoffe, das funktioniert hier mit dem Video. Natürlich bin ich im richtigen Panama-Outfit.

Später sind wir noch tief in den Dschungel und das ist wirklich der Hammer! Alles genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Auch die Geräusche. In der Ferne hört man Wasser rauschen und Gorillas brüllen. Wir haben uns mit Macheten durchs Dickicht geschlagen und sind an einen Fluss gekommen. Der sah wirklich einladend erfrischend aus und wir dachten uns: „Hey, wir sind in unserem ganzen Leben nur einmal hier, also rein!“ Dicho y hecho

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Erfrischt sind wir dann zurück zur Finca und haben uns noch ein paar Kokosnüsse genehmigt, die wir uns bei einer Eingeborenen geholt haben.

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Frisch mit der Machete geköpft.

Besonders interessant für die Ranger unter euch: Die Eingeborene hatte eine Hütte gebaut aus Holz und mit Palmwedeln abgedeckt. Der Boden war komplett aus Lehm und sie hatte einen Feuertisch aus Holz und Lehm, auf dem sie gekocht hat.

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Dann gabs erstmal die tägliche Ladung agua cero. So nennt man hier den besonders starken Regen. Das ist wirklich unfassbar, wie da das Wasser runterschießt. Sowas habe ich in Deutschland noch nie erlebt. Es trommelt dann dermaßen auf das Wellblechdach, dass man sich auch mit schreien nur sehr schwer versteht. Der  Regen dauerte einige Stunden an, in denen man nichts machen kann und nur rumsitzt oder schläft, da man sich ja nicht unterhalten kann. Der Regen hat auch gegen Abend nicht aufgehört und deshalb haben wir uns Müllbeutel über den Kopf gezogen, da Paul und ich ja wieder hinten drauf auf die Ladefläche mussten. Dann gings über einen Umweg über die Autobahn nach Hause und das war echt lustig, bei Regen mit 100 Sachen auf der Ladefläche eines Pick-Ups zusammen mit Kokosnüssen und Bananen und einem Müllbeutel über dem Kopf nachts durch Panama zu fahren. no puede ser más loco!

Das war´s auch schon mit meinem tollen Ausflug in die Wildnis Panamas. Es war ein wahnsinnig erlebnisreicher Tag.

Liebe Grüße aus Pesé

Konstantin

 


6 Gedanken zu Ausflug zur finca

  • Cooler Reiter! Und das nach so kurzer trainingszeit- nicht schlecht… Danke für den spannenden dschungelreport und dir einen guten Start in die neue schulwoche.

  • Danke Arne. Du bist der treuste Kommentar schreiber. Super !
    Euch auch einen guten Start.
    Viele Grüße aus Panama
    Kös

  • Liebe Kös, ein tolles Erlebnis das! Ich staune wie schnell Du mit dem Pferd klargekommen bist. Als Oberschüler in Jena bin ich auch geritten, mit Hufpflege und Fellabreiben und so. Aber wir waren nur in einer großen Scheune, und der Reitlehrer ziemlich rabíat. Aber runtergeflogen bin nicht, ich glaube, darüber hat er sich damals ziemlich geärgert, eben weil ich Oberschüler (Gymnasiast) war. Deinen Film hab ich mir bei Oma angesehen, hier auf dem Laptop kam er nicht raus. Toller Ritt und Reiter! Laß es Dir weiter im Regenwald gut gehen. Meine Antwort auf Deinen letzten Blog hast du offenbar nicht bekommen. seis denn. Herzliche Grüße O.J.

  • Hallo Opa,
    Ja das ist manchmal seltsam. Manchmal bekomme ich den Kommentar und manchmal nicht. Aber jetzt habe ich gerade deinen Kommentar entdeckt und antworte. Also. Ich wusste gar nicht, dass du mal geritten bist. Das ist ja toll ! Mir geht es gut. Fell und Hufe säubern musste ich bisher noch nicht. Kommt vielleicht noch. Danke für deinen Kommentar 🙂 Grüße Kös

  • Hallo Opa,
    Ja das ist manchmal seltsam. Manchmal bekomme ich den Kommentar und manchmal nicht. Aber jetzt habe ich gerade deinen Kommentar entdeckt und antworte. Also. Ich wusste gar nicht, dass du mal geritten bist. Das ist ja toll ! Mir geht es gut. Fell und Hufe säubern musste ich bisher noch nicht. Kommt vielleicht noch. Danke für deinen Kommentar 🙂 Grüße Kös

  • Hi Kös,
    das Reiter-Video fand ich auch sehr cool – und war beeindruckt, wie locker und easy das bei Dir ausschaut. Wenn ich mich daran erinnere, wie schwierig ich das Reiten fand und wie oft mein Pferd nicht das gemacht hat, was ich wollte… ächz…
    Ich find’s prima, dass Du so ausführliche Blog-Einträge schreibst und Fotos macht – so kriegt man einen schönen Einblick in Dein panamesisches(?) Leben.
    Grüße aus der nordischen Kälte, Mieken

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