Guardería Cynthia Espinoza

Das erste Mal in meinem Projekt war ich 3 Tage nachdem ich angekommen bin, allerdings nur zum Vorstellen und Anschauen. Das ist eine Kindertagesstätte für bis zu 100 Kinder, die in Tablada Nueva, also einem der ärmsten Viertel Asuncions, wohnen und deren Mütter tagsüber arbeiten. Ich bin das Jahr über in der Gruppe „Pre-Jardin“ (=Vorkindergarten oder Krippe). Die Gruppe besteht aus 27 Kindern im Alter von 2-4 Jahren, wobei manchmal auch nur 9 kommen. Eine andere Freiwillige aus Kanada, die im gleichen Projekt arbeitet, ist bei den Vorschulkindern von 5-6 Jahren, die schon lesen und schreiben üben. Die Kinder dazwischen sind im Jardín, also dem Kindegarten. Die KiTa ist super süß gestaltet und hat überall passende Bemalungen und Spielzeug. Jede Gruppe hat sein eigenes Klassenzimmer und es gibt sogar 2 Spielplätze mit Schaukeln, Rutschen und ähnlichem Spielzeug.

Ich muss jeden Morgen um halb 8 da sein und warte dann eine halbe Stunde bis die Kinder zwischen 8:00 und 8:30 kommen. Die meisten spielen erstmal mit dem Spielzeug, der Knete oder sitzen einfach nur da und träumen vor sich hin. Danach gibt es desayuno, also Frühstück, bei dem die Kinder Milch entweder mit Cocido (eine gekochte Mischung aus Zucker und Kräutern, die nach schwarzem Tee schmeckt) oder mit Kakao bekommen, dazu Brot oder Kekse. Im Anschluss daran haben die Kinder bisher entweder „Sport“ mit uns gemacht, gemalt/gebastelt oder durften draußen im überdachten Außenbereich mit Hüpfpferden und Tretautos spielen. Da es aber nicht genug solche Spielzeuge gibt, bekommt man die Kinder damit regelmäßig zum Weinen: Man hat dann 6 glückliche Kinder, die das Spielzeug gerade benutzen und 16, die am Boden liegen und solange weinen, bis sie durchwechseln sollen 😀 Meine Profe, also die Lehrerin der Klasse, und ich stehen jedes Mal da und müssen uns das Lachen verkneifen. Bis zum Mittagessen um halb 12 sind die Kinder anschließend auf dem Spielplatz und spielen dort mehr oder weniger friedlich. Ich muss dann meistens darauf aufpassen, dass sie sich nicht wegen einem kleinen Plastiklöffel schlagen, ihre Schuhe in den Nachbargarten werfen, eine Wasserschlacht anzetteln oder sich ausziehen. Allgemein bin ich glaube ich nach dem Jahr ein Profi im Schuhe anziehen und binden, so oft wie die Schnürsenkel aufgehen. Manchmal spiele ich auch ein bisschen mit ihnen, wenn wir uns verkleiden oder mit dem Ball spielen, aber meistens muss ich in der Zeit auch ein bisschen aufräumen und die Farbe von sämtlichen Oberflächen entfernen.

Ich bekomme mein Mittagessen schon um 10, damit ich bei der Essensausgabe an die Kinder dabei sein kann. Hier wird vor jedem Essen mit Betreuern und Kindern gebetet. Zum Mittagessen gibt es meistens eine Suppe oder etwas, was man mit dem Löffel leicht essen kann, enthält aber sowohl Gemüse, als auch Fleisch, sodass die Kinder sich vollwertig ernähren. Zum Nachtisch gibt es meistens frische Früchte. Nach dem Essen waschen sich alle die Hände, gehen ins Bad und müssen sich umziehen, wenn sie sich beim Essen zu sehr vollgekleckert haben oder beim Händewaschen mal wieder eine Wasserschlacht veranstaltet haben. Anschließend gehen wir in das „dormitorio“, wo wir eine ca. 2stündige „siesta“ mit den Kindern machen. Das ist ein Raum mit ein paar Matratzen, auf die sich die Kinder mehr oder weniger zusammengekuschelt legen und dann schlafen. Ich darf mich, wenn die Kinder eingeschlafen sind, auch hinlegen, kann aber ebenso rausgehen und andere Sachen machen. Alle 2 Wochen muss ich während der siesta immer die nächste Mahlzeit vorbereiten. Diese ist die „merienda“, die aus den gleichen Dingen wie das Frühstück besteht: Milch und Brot. Um 15:30 werden die Kinder von ihren Eltern abgeholt und ich kann auch im „collectivo“, also Bus, zurückfahren, sodass ich meistens um halb 5 zu Hause bin.

Meine Arbeit besteht also größtenteils daraus, den Kindern zuzusehen, ihnen die Schuhe zuzubinden, hinter ihnen herzuräumen und mit ihnen zu spielen. Hört sich zwar etwas trocken an, macht mir aber bis jetzt richtig viel Spaß, da die Kinder super süß sind. Ich verstehe sie zwar nicht immer, da einige auch viel Guaraní sprechen und in Spanisch recht nuscheln, aber das wird auch recht schnell erledigt sein, denke ich. Außerdem sind meine Kollegen immer hilfsbereit, nett und freundlich, wodurch ich mich in der Guardería sehr wohl fühle.


2 Gedanken zu Guardería Cynthia Espinoza

  • Liebe Annika

    Mit Interesse habe ich Deinen Bericht gelesen und hie und da ein wenig geschmunzelt. Deine Zeilen weckten in mir Erinnerungen an 1998, als ich (mit AFS) 6 Monate in der Guardería arbeitete. Die Abläufe scheinen sich kaum verändert zu haben;-) Bitte, grüsse alle lieb von mir, vielleicht kann sich noch jemand erinnern!

    Ich wünsche Dir noch viele schöne Erlebnisse in Paraguay!

    Liebe Grüsse
    Silvia

  • Hallo Silvia,
    Die Grüße habe ich weitergeleitet. Die Direktorin kann sich sogar noch erinnern und ich soll Grüße zurück ausrichten!
    Dankeschön:)

    Gruß,
    Annika

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