Ab in den Urwald!

Er kommt zwar etwas verspätet aber dafür umso ausführlicher, mein nächster Beitrag, diesmal über meine zwei Ausflüge in die selva, den peruanischen Regenwald. Das hört sich erstmal an, als wenn ich in die totale Wildnis abgetaucht wäre, bin ich aber nicht 😀 Zunächst zu meinem ersten Ausflug:

Sonntag vor zwei Wochen ging es los und ich war mega aufgeregt und hatte die typischen Klischees im Kopf: viele Moskitos, vielleicht eine kleine Schlange oder eine giftige Spinne die uns über den Weg laufen wird. Dementsprechend war ich auch von oben bis unten mit Mückenspray und Sonnencreme eingesprüht. Von dem Ganzen ist natürlich nichts eingetreten 😀 Aber zurück zum Anfang. Organisiert hatte das Ganze mein Gastvater. Mit meiner Gastschwester, meinem Gastcousin, den anderen Freiwilligen und einem Freund von meinem Gastvater, der uns an diesem Tag alles zeigen sollte, machten wir uns morgens auf zum Hafen von Nanay, einem Stadtteil von Iquitos. Dort bestiegen wir dann ein kleines, für hier typisches Boot, mit dem wir zuerst den Rio Nanay und später dann den Rio Momon entlang schipperten.

Auf der Fahrt haben wir viele andere Ausflugsboote wie unseres und viele kleinere Boote, die aus dem Regenwald Richtung Iquitos unterwegs waren gesehen. Auf denen transportieren die Familien ihre Produkte zum Markt nach Iquitos, v.a.  Früchte. Dafür brechen sie teilweise um 3 Uhr morgens auf, um dann um ca 9 Uhr in der Stadt zu sein, wie mir erklärt wurde.Wir hatten nach ca 1 Stunde unser erstes Ziel erreicht, das Dorf der Bora. Die Bora sind Indigene, die noch in ihrer traditionellen Lebensweise leben. D.h. sie sprechen zwar Spanisch, aber auch ihre eigene Sprache, leben ohne Elektrizität, und kleiden sich traditionell. Natürlich mussten wir für unseren Besuch auch etwas zahlen (umgerechnet ca 5 Euro), schließlich leben die Boras von den Touristen. Wir wurden herzlich empfangen, bekamen eine kleine Einführung in die Geschichte der Bora, die zur Zeit des Kautschukbooms (vor ca. 150-100 Jahren) aus ihrem ursprünglichen Gebiet, was weiter östlich Richtung Kolumbien lag, vertrieben wurden, da sie als Sklaven unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Danach wurde uns ihr „Handy“ präsentiert, eine Art ausgehöhlte Baumstämme, die wie Trommeln benutzt werden, um sich über weite Entfernungen verständigen zu können. Ob das wirklich so stimmt, oder ob das nicht nur ein kleiner Showeffekt für die Touristen war, bin ich mir nicht ganz sicher, aber es war auf alle Fälle interessant. Zum Abschluss haben die Boras noch traditionell mit uns getanzt, und wir konnten allerlei selbsthergestellt Produkte kaufen; von Kunsthandwerk über Musikinstrumente bis hin zu allerlei Sachen, die ich garantiert nicht durch den Zoll nach Deutschland schmuggeln könnte: ein Jaguarfell, tote Piranas, Schmuck aus Anacondahaut. Wen es interessiert, es gibt einen Werbespot für die Region Loreto (das „Bundesland“ in dem ich lebe), in dem der „Chef“ der Boras mitspielt. Meiner Meinung nach sehr empfehlenswert 😉

Nach unserem Besuch bei den Boras ging es weiter zu einer Lodge, einer Hotelanlage für Touristen, die wunderschön angelegt war. Sie hatte einen schönen Garten, in dem wir auch gleich einem sehr fotogenen (er hat sich extra für unsere Kameras in Pose geworfen) Tucan, einer Art Miniwildschwein und einem Nasenbär (beide sehr streichelfreudig und interessiert an meinen Keksen 😀 ) begegnet sind. Und dann sahen wir ihn endlich, den swimming pool  <3 bei der Mittagshitze hier ein echter Traum! Da der Bruder des Freundes da arbeitet und an dem Tag keine Touristen da waren durften wir alles kostenlos nutzen. Bis wir dann überstürzt aufbrachen, ich war noch dabei mich umzuziehen, wie immer nicht die Schnellste, und als ich aus dem Bad kam waren die anderen alle weg, nur der Bruder rief mir mit panischem Blick zu: el dueno (=der Hausbesitzer) und machte hektische Bewegungen mit der Hand, dass ich mich beeilen sollte. Ganz so „legal“ war unserer Aktion dann wohl doch nicht 😀 gesehen hab ich den Hausbesitzer nicht, aber dafür sind wir noch durch das angrenzende Dorf  gewandert, in dem der Freund meines Vaters aufgewachsen ist. Dort gab es eine Grundschule, aber keinen Strom, und es war sehr schön, mal einen Tag außerhalb des Lärms der Stadt verbracht zu haben. Vielen Dank nochmal an Wenni und Marco, die das wirklich toll organisiert haben! 🙂

Mein zweiter Ausflug war nur 2 Tage später nach Tamshiyacu. Diesmal ging es mit den anderen AFS Freiwilligen, unserer Regionalkoordinatorin Liz, Daisy und Joel im Speedboot ca 1 Stunde den Amazonas rauf. Da jetzt gerade Trockenzeit ist, sind überall an den Ufern kleine Abhänge von ca 3 Metern, und generell ist der Amazonas sehr trübe, mit viel Treibholz. Fische oder Flussdelfine habe ich keine gesehen, aber ich denk das wird sich ein anderes Mal noch ergeben. Tamshiyacu ist laut meiner Gastschwester das mini Iquitos und das stimmt wirklich. Es gab motocarros, kleine Läden und Restaurants wie in Iquitos. Nur dass es zum Essen überall wirklich nur Reis, platano frito ( frittierte Kochbananen), und wahlweise Hühnchen oder Fisch gab. Der Tag wo wir angekommen sind, war der Geburtstag des Dorfes. Am Morgen haben wir uns einen Umzug angeguckt, wo die Kinder des Dorfes kostümiert durch die Straßen gelaufen sind und so für die Region typische Sachen repräsentiert haben. Sie waren z. B. als Schildkröten, Schmetterlinge, Ananas oder Indigene verkleidet. Dazu spielte eine Blaskapelle, sodass ich mich wie beim Rutenfest gefühlt habe (und das mitten im Amazonas Regenwald 😀 ).

Nachmittags sind wir dann zu einem kleinen Fluss gefahren, wo wir gebadet haben. Also wir haben uns abgekühlt, schwimmen konnte man leider nicht, weil das Wasser einem leider immer nur höchstens bis zu den Knien gereicht hat. Aber es war eine schöne Abkühlung 🙂 Am Abend war dann fiesta auf dem plaza de armas. Es spielte eine Band die aktuellen „Charts“ von hier, aber tanzen wollte von den Peruanern irgendwie niemand. Also beschlossen wir, obwohl wir uns im Vergleich zu den Südamerikanern wirklich nicht toll bewegen können, einfach anzufangen, nach dem Motto, dass die Anderen schon irgendwie mitmachen werden. Was sie dann auch irgendwann mal taten :D. Nachdem wir alle erfolgreich eine gratis CD mit allen Hits ergattert hatten und mehrere Stunden ohne Pause getanzt hatten (wobei ich irgendwann dann auch den Cumbia Grundschritt draufhatte), ging es zu unserer Unterkunft, wo wir alle nur noch in unser Bett fielen. Am nächsten Morgen ging es wieder Richtung Iquitos.

So, das wars jetzt erstmal,

eure Miriam 🙂

der Link für den Werbespot:

 


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