Woche 1: Das Lama gewöhnt sich

8 Uhr morgens, meine Augen öffnen sich einen spaltbreit: Viel zu früh! Das Lama ist jedoch schon putzmunter und sitzt mit meiner Gastfamilie an einem Tisch und frühstück. Anfangs war es komisch für meine Gastfamilie, geschweige denn für mich, sich an meinen ungewöhnlichen Reisebegleiter zu gewöhnen, jedoch funktioniert es ganz gut. Zu meinem Projekt bei Techo darf ich es allerdings nicht mitbringen (es versteht sich nicht so gut mit den Straßenhunden, die ab und zu mal vorbei kommen).

Nach meiner Ankunft in Arica und dem Wochenende, gehe ich mit Iris(meiner Gastmutter) zum ersten mal zum „Registro Civil“ (aka. Bürgerbüro feat. Mass of Humans). Auf die etwas misstrauische Frage, warum ich denn ein Lama einführen wolle und ebenso als Chilenischen Bürger eintragen lassen wolle, antwortete ich nur mit dem schon Mantramässig gelerntem  „Si..Si“ es wird aber hingenommen.

Techo:

Ich betrete das Büro welches sich nicht im Zentrum befindet. Eduardo, der Lokale Organisator, macht mir die Tür auf. Ich erfahre das ich unter der Woche im Büro arbeiten werde und am Wochenende einen Tag in den Campamentos verbringen werde. Meine ersten Tage im Büro bestehen hauptsächlich aus Spenden sammeln für Techo eine sehr wichtige Aufgabe, denn es fehlt nicht nur an Voluntarios sondern auch an finanziellen Mitteln. Also stehen wir (drei Voluntarios) in einem Einkaufszentrum und versuchen verzweifelt Aufmerksamkeit zu erregen. Jedoch kaum einer bleibt stehen.
Zwischendurch versuchen wir es durch Impro Theater, Akrobatik Einlagen  und mir als spontanem Opernsänger (natürlich nicht!!), es hilft jedoch Nichts.

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Mein nächster Tag in Techo? Ich werde überrannt von einer Masse von Kindern und Jugendlichen. „De donde eres?“ „me encantan tus ojos“ ist das Einzige was ich noch verstehe während ich verzweifelt versuche mich aus der Masse kleiner Arme und Beine mit Köpfen zu befreien.
Wir befinden uns auf der „exposocial“ in der Schule Chilenorte und informieren die Kinder über Techo und versuchen Kinder in der Sekundarstufe für einen Freiwilligendienst zu begeistern. Viele Kinder haben noch nie in ihrem Leben einen Menschen mit blauen Augen getroffen und sind dem entsprechend begeistert, schüchtern oder misstrauisch.

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Campamentos:

Am Wochenende gehen wir in ein Campamento und helfen dort aufzuräumen. Es liegt dort Teilweise viel Schutt sowie auch verwertbares Material rum. Also sortieren wir das verwertbare Material aus um später daraus vielleicht ein Haus oder ähnliches zu Bauen.
Viele fragen sich vermutlich wie man sich ein Campamento vorzustellen hat deswegen beschreibe ich es ganz kurz und hoffentlich möglichst neutral. Campamentos sind Bereiche, meist außerhalb der Stadt, in welchen Menschen wohnen und leben müssen, die sich durch verschiedenste Lebensumstände in extremer Armut befinden. In Arica gibt es 6 Campamentos und verschiedene Projekte zu diesen. Der Wasser- und Elektrizitätszugang variiert von Campamento zu Campamento.


2 Gedanken zu Woche 1: Das Lama gewöhnt sich

  • Lieber Christian, das ist so schön, auf diese Weise von Dir zu lesen. Trotz dieser anstrengenden und z.T ja auch frustrierenden Arbeit sprüht Dein Mut und Humor durch. Super! Ich wünsche Dir viel Kraft! papa

  • Hallo lieber Christian,

    Wie schön von Dir zu lesen, und dass Du so einen netten Reisebegleiter in Form Deines Lamas gefunden hast 🙂 Wo kommt es denn her? Hat es sich einfach so an Deinen Arm angehängt und ist mitgegangen? Und hat es einen Namen? Auch ansonsten gibt es viele Fragen: z.B. Wie ist das Essen? Ist es wirklich so scharf, wie ich mir das vorstelle? Wie ist Deine Gastfamilie? Aus welchen Mitgliedern besteht sie? Und wie geht es mit der Sprache? Kannst Du aus dem Gewirr der Laute schon Brocken von Sprache erkennen? Hast Du zwischendrin mal Zeit zum Zeichnen? Wie wäre es mit einem Mal-Tagebuch? Die ersten Eindrücke sind oft die eindrucksvollsten 🙂
    Mach weiter so 🙂 ich kann mir vorstellen, dass das Spendensammeln frustrierend sein kann, aber es ist bestimmt auch wichtig und bringt Dich Land und Leuten näher 🙂
    Ich wünsch Dir viel Kraft und auch viel Spass und pass auf Dich auf 🙂
    Deine Zia
    Ps: Und ja, das mit den Augen kann man sich hier gar nicht so vorstellen, das ging mir aber schon in Italien so, und da sind blaue Augen ja noch viel verbreiteter 🙂

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