tanzend

Monat Nummer eins ist bereits verstrichen. Besser: Verflogen.

Arbeit

Im Colegio habe ich das Glück, jeden Tag wählen zu können, was ich machen möchte. So umfasst mein Tätigkeitsfeld das Stempeln von Schülerakten bis hin zum Herumreichen von einem „Circular“, einer Ankündigung, die vom Lehrer und Klassensprecher jeder Klasse unterschrieben werden muss. Tatsächlich stresst es mich ein bisschen, wenn ich das Klemmbrett mit neuen Zetteln bei den Sekretärinnen liegen sehe. Das Ganze ist nämlich eine ziemliche Renne- und Sucherei, da die Klassen jeweils noch einmal in 2 Sektionen unterteilt sind, die gleichzeitig in unterschiedlichen Fächern unterrichtet werden. Und mit dem Stundenwechsel laufe ich somit immer wieder in die selben Klassen während ich verzweifelt  Sektion 7-4 A suche.

Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich in den Englischkursen, die mir wirklich Spaß machen. Dort kann ich tatsächlich „helfen“, was Gebrauch, Aussprache und Grammatik betrifft. Ich durfte sogar schon meinen eigenen Stapel Arbeiten korrigieren, weil es sich dabei (in Englisch 12. Klasse) um Multiple-Choice Tests zu verschiedenen Texten handelt. Ab und zu bin ich mit der Landwirtschaftsklasse bei den Hühnerställen um Eier zu sammeln, waschen, und die Hühner zu füttern. Oder ich helfe den Köchinnen, einen Beilagesalat für 450 Personen zuzubereiten. Das heißt, dass ich allein zwei Stunden damit verbracht habe, knapp 30 Salatköpfe zu entblättern, waschen und schneiden. Und das war nur die Salatgrundlage.

In etwas mehr Zeit und besserem Spanisch werde ich vielleicht selbst Kurse geben – eventuell zu Kunst (es gibt keinen Kunstunterricht), Englisch oder sogar Deutsch! Ansonsten plane ich gerade eine Reihe von Gemälden für die Schulwände zum Thema Recyling. Obwohl Costa Rica für seine Umweltpolitik bekannt ist, ist Mülltrennung und Recycling zumindest in meinem Bezirk noch in den Kinderschuhen und wird nur vereinzelt aber nicht wirklich konsequent betrieben. (Meine Gastfamilie zum Beispiel nicht.) Das Colegio kämpft auch vorerst, wie vermutlich viele Schulen dieser Welt damit, dass die Schüler ihren Müll überhaupt in einen Mülleimer werfen.

Beliebter Snack in der "Soda" (Snackbar) der Schule: Gekühlte Götterspeise im Beutel. Auch Getränke werden in den Beuteln verkauft, die man an einer Ecke aufbeißt und trinkt.
Beliebter Snack in der „Soda“ (Snackbar) der Schule: Gekühlte Götterspeise im Beutel. Auch Getränke werden in den Beuteln verkauft, die man an einer Ecke aufbeißt und trinkt.
Früchte essen mit einer Landwirtschaftsklasse. Papaya und Sandía (Wassermelone) vom Schulgelände.
Früchte essen mit einer Landwirtschaftsklasse. Papaya und Sandía (Wassermelone) vom Schulgelände.

 

Freizeit

Um fünf bin ich zu Hause angekommen, umgezogen und geduscht. Ja – ich dusche hier mindestens zwei Mal am Tag und habe (leider) auch durchgängig Schweißperlen auf der Nase. Das Klima ist hier doch einfach feuchter und deutlich heißer als ich es gewohnt bin…

Ich verbringe viel Zeit im Frisörsalon meiner Gastmutter oder mit einer anderen deutschen Freiwilligen, Lena, mittlerweile eine gute Freundin von mir. Richtige Freunde habe ich hier leider noch kaum, aber dabei spielen sowohl Sprachbarriere, als auch die Tatsache, dass alle gleichaltrigen Schüler/ Leute Pejibaye verlassen, um weiter im Norden zu studieren.

Ansonsten gehe ich Mittwochs zum Zumba und habe Freitags einen zweistündigen Tanzkurs direkt gegenüber. Einmal Straße überqueren. Das Tanzen macht mir total Spaß und ich beherrsche jetzt die Grundlagen von Merengue, Bachata, Salsa und Swing. Vermutlich ist es für Frauen einfacher die Tänze zu lernen, weil die Führung zu 100 % beim Mann liegt. Die Tänze werden hier auch regelmäßig angewendet, wo ich beim nächsten Thema bin:

Bailes

Unter anderem findet hier fast jedes Wochenende ein „Baile“ (=Tanz) statt. Im Grunde ist es eine mobile Discothek, die sich am Samstag in eine Turnhalle o.ä. in unterschiedlichen Dörfern einmietet. Mit einem kleinen Eintritt ist man drin und wird dann zum Tanzen aufgefordert. Zwei Mal war ich dort schon mit meiner Gastmutter und deren Freunden und habe einen Großteil meiner gelernten Fähigkeiten mal in Praxis testen können 🙂

Auf einem Motocross mit Roxana, Lena meiner deutschen Freundin, María meiner Schwester und mir
Auf einem Motocross mit Roxana, Lena meiner deutschen Freundin, María meiner Schwester und mir und anschließendem Baile
Kaffe trinken mit Roxana. Obwohl ich Kaffe vorher nicht mochte, finde ich hier Geschmack daran :)
Kaffe trinken mit Roxana. Obwohl ich Kaffe vorher nicht mochte, finde ich hier Geschmack daran 🙂
Unser Hund Bono! Immer schmutzig und badet nicht gerne, aber föhnen liebt er
Unser Hund Bono! Immer schmutzig und badet nicht gerne, aber föhnen liebt er.

Tiendas Americanas

„Amerikanische Läden“ sind hier, in der nächstgrößeren Stadt San Isidro, weit verbreitet. Es gibt kaum Markenläden im Vergleich zu der Masse an Tiendas Americanas. Diese Läden führen günstige Second-Hand Kleidung aus den Staaten, so dass ich hier z.B. zwei Kleider für 3 000 Colónes (mehr oder weniger 6 Dollar) gekauft habe.

Notizen über Costa Rica/ Menschen/ Kultur

  • Dienstleistungen generell sind hier viel günstiger als in Deutschland (z.B. kostet die Putzhilfe hier 2 Dollar pro Stunde, oder ein Haarschnitt bei meiner Gastmutter waschen + schneiden 8 Dollar für Frauen), aber Lebensmittel (vor allem Schokolade zu allem Übel!) und Kosmetika sind sehr viel teurer (Deo oder Shampoo Preise beginnen bei 5 Dollar).
  • „Zahnputzfimmel“: Viele der Leute in meinem Umfeld putzen sich nach jeder Mahlzeit die Zähne. So kommt es aber auch, dass gegen 12 Uhr, nach dem Mittagessen um 11, im Colegio Schüler und Lehrer auf den Gängen stehen und fleißig schrubben. Deshalb habe ich mir jetzt auch eine Zahnbürste mit Pasta (für schlappe 7 Dollar) zugelegt.
  • Die Schüler sind beeindruckt von dem, was ich ihnen über Autobahnen und Geschwindigkeiten beim Autofahren erzähle. Die Straßen hier in Peréz Zeledón sind gewunden und der Bus mit Anbindung an San Isidro fährt durchgehend gefühlte 30 km/h. Auch mit dem Auto sollte man (laut StVO vor Ort) nicht mehr als 40 km/h fahren, was die meisten Fahrer hier allerdings locker mit 20 km/h oder mehr überschreiten.
  • Der katholische Glaube ist hier weit verbreitet und mit ihm auch der Glaube an den Teufel.
  • Die Haustüren in Pejibaye stehen den ganzen Tag offen. Dementsprechend habe ich bisher auch noch kein einziges Haus mit einer Klingel gesehen.
  • 2-3 mal kurz Hupen ist hier eine gängie Begrüßung. Und immer, wenn man an einem bekannten Haus vorbei fährt, wird fröhlich gehupt.
  • Übringes kündigt hier eine seltsam klingende Motorradhupe mit dreimal Hupen kurzfristig an, dass es innerhalb von 10 Minuten kein Wasser mehr geben wird. Dementsprechend hieß es dann: Ran an die Hähne!, weil nicht wie in Deutschland Wochen vorher Datum, Start- und Endzeitpunkt angekündigt wird.
  • Wegen der starken Regenfälle sind die Rinnsteine hier nicht ganz ungefährlich riesig sind.
  • Es wird viel fern geguckt.
  • Meine Gastschwester ist verliebt in meine Wärmflasche. So etwas kannte meine Gastfamilie hier gar nicht. Gegen Bauchschmerzen wird hier traditionell ein „Sobar“ gemacht, eine Massage der Armbeuge mit Öl oder Creme.
Schönes Pejibaye
Schönes Pejibaye
Auf meinem Arbeitsweg
Auf meinem Arbeitsweg

Ein Gedanke zu tanzend

  • Hallo Lissa, es macht mir richtig Spaß, in deinen neuen Alltag mit einzutauchen. Es klingt nach Lebensfreude und viel Gemeinsinn und du siehst auf den Bildern einfach rundum zufrieden aus. Wie lassen sich denn die Frauen im Frisörsalon von Roxana „stylen“? Gibt es hier überhaupt Lockenwickler und Co.? Danke für deinen „bunten“ Blogeintrag!

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