Interkulturelles Lernen mit … Mir!

Der AFS steht für Werte, die größer sind als ein internationales Jugend- Feriencamp auf den ersten Blick vermuten lässt: Verständigung über Ländergrenzen hinweg, Toleranz und interkulturelles Bewusstsein stehen bei den Global- Prep Feriencamps in Irland an erster Stelle. Dazu zählt der Camp- Spirit, der Zusammenhalt in der Gruppe, das „Aufeinanderzugehen“ genauso wie der berühmte AFS- Spirit. Ich wollte diesen Spirit, kurz vor dem Ende unserer gemeinsamen Zeit in Bundoran, mit einem Abend zum „Interkulturellen Lernen“ noch einmal anfachen. Eintauchen in andere Kulturen heißt für mich, nicht nur Erfahrungen in fremden Kulturen zu reflektieren, sondern auch sich selbst und die eigene Kultur in die Gesamtgleichung zu integrieren. Einfach, kennst du dein Gegenüber, kennst du dich selbst.

Mir ging es in meinem Auslandsjahr mit dem AFS darum, zu erkennen, was mir im Gastland besonders gut gefiel und damit meinen Alltag zurück in Deutschland zu bereichern. Wir begannen damit, Unterschiede und Gemeinsamkeiten wahrzunehmen, zu verstehen und sie willkommenzuheißen. „Walk apart- Walk together“ testet, wie nahe sich die Teilnehmer untereinander gekommen sind, wenn sie nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten von zwei Freiwilliger suchen, die sich daraufhin entweder aufeinander zu oder voneinander weg bewegen. Die Gruppe kam schnell zum dem Schluss, dass Gemeinsamkeiten wichtig und unverzichtbar für ein Team sind, das Erfahrungen teilen und zusammenstehen möchte. Nur unterschiedliche Ideen, Einstellungen und Ziele innerhalb einer Gruppe machen diese hingegen bunt und wertvoll. In die selbe Richtung weist die „Potato Exercise“; jeder Jugendliche erhält eine Kartoffel mit dem Auftrag, sie genau zu betrachten, ihren Geruch kennenzulernen, sie zu „erfühlen“. Nach einigen Minuten werden die Kartoffeln wieder in die Mitte gelegt und jeder soll seine eigene Kartoffel wiederfinden. In einer Gruppe von 25 Teilnehmern keine leichte Aufgabe. „Wie sicher bist du, dass das deine Kartoffel ist?“, fragte ich. „Wie hast du sie wiedererkannt? Haben euch dabei die typischen Stereotypen Braun, Erde, Rund weitergeholfen?“  Die Antworten liefen auf ein Fazit hinaus: jede Kartoffel hatte eine verräterische Kerbe, Delle oder außergewöhnliche Form. Meine nächste Frage stieg dann etwas tiefer in die Materie ein: „Welche Gemeinsamkeiten seht ihr zwischen dieser Übung und den Unterschieden zwischen Menschen?“ Es ging um Stereotypen in jedem erdenklichen Rahmen, in ethnischen Gruppen, Ländern, zwischen Individuen und ja, es ging auch um Vorurteile. „Stellt euch vor, ein chinesischer Schüler kommt in eure Klasse. Wer denkt, dass er gut in Mathe, in Informatik wäre?“ Dabei ist der kulturelle Hintergrund, wie wir später an diesem Abend lernten, nur einer von vielen Faktoren.Genauso wichtig ist die Einstellung und der Charakter eines Menschen und die Situation, in der er sich befindet.

Eine hoffentlich gelungene Überleitung führte uns von Cultural Generalisations zu der Frage „Was ist Kultur?“. Ich veranschaulichte die Fragestellung anhand des Eisberg- Modells, das im Ganzen den Gesamtbegriff Kultur umfasst, aber in sichtbare und unsichtbare Elemente einer fremden Kultur unterscheidet. Die Teilnehmer durften den Eisberg dann mit ihren eigenen Vorschlägen füllen, während neben den „einfachen“, sichtbaren Schlagworten, wie Sprache, Tradition, Essen, Architektur auch immer tiefgreifendere Gedanken an Mentalität, Erziehung, Werte und Normen aufgegriffen wurden. Die AFS- Neulinge haben sich tapfer geschlagen und im Team viele wertvolle Ideen zusammengetragen. Ich bin erleichtert und zufrieden, wenn ich daran denke, dass ich noch nie so eine lange Präsentation auf Englisch so erfolgreich durchgestanden habe und der Zusammenarbeit mit 25 Jugendlichen doch mit etwas wackligen Knien entgegengesehen habe. Danke dafür und für das großartige Feedback der Teilnehmer zu der Art und Weise, mit der wir beim AFS uns an einem Abend über die Erlebnisse von drei Wochen bewusst werden .


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