Endlich Neuigkeiten!

Eine „hora boliviana“, die keine ist

Meine 10 Tage bei der Welcomefamily waren abgelaufen und ich wartete (an)gespannt auf meine neue Familie. Und wartete. Und wartete. Um 7 hätte ich abgeholte werden sollen; um 7 war noch nicht einmal meine damalige Familie zuhause. Natürlich hatte ich von der so genannten „hora boliviana“, der grundsätzlichen Verspätung der Bolivianer, gehört. Trotzdem machte mich das Warten unglaublich nervös: Was, wenn die neue Familie kommt, und die anderen noch nicht hier sind? Abgeholt wurde ich schließlich ungefähr um 9 Uhr. In den 2 Stunden hatte ich Zeit, über alles genau nachzudenken, etwas zu genau, und so hatte ich den bis jetzt schlimmsten Anfall von Heimweh – Generell hätte ich nie gedacht, dass ich mein Zuhause so sehr vermissen würde. Ich ging immer davon aus, dass ich ohne große Probleme gehen kann, aber so ist es nicht. Durchgehend merke ich, dass etwas fehlt, oft denke ich an Daheim. Aber es wird besser.- Die Verspätung stellte sich im Nachhinein jedoch als ein Missverständnis heraus: Meine neue Familie hatte angerufen und gesagt, dass sie etwas später kommen würden, meine Welcomegastmutter hatte aber vergessen, diese Information an mich weiterzugeben.

Vielfältiges Bolivien

Meine neuste (und hoffentlich endgültige) bolivianische Familie hat mich sehr herzlich aufgenommen. Sie besteht aus meinen Gast“eltern“ Sandra und Boris, wobei Eltern vielleicht nicht das richtige Wort ist für ein Paar, das vor nicht einmal einem Jahr erst geheiratet hat, und Mima, der Oma von Boris. Gastgeschwister habe ich leider keine. Sandra und Boris sind Pfadfinder mit Leib und Seele, daher werde ich meine nächsten Samstage erst einmal bei der Gruppenstunde und danach bei dem Treffen der Gruppenleiter verbringen. So kann ich auch Gleichaltrige kennenlernen. Die Wohnsituation meiner neuen Gastfamilie ist ganz anders als die der alten. Wir haben hier keine Empleada (Hausmädchen), alles ist weniger luxeriös als bei der alten Familie, das Haus älter. Ich gehe davon aus, dass meine Welcomefamily ziemlich wohlhabend war. Ich habe mich gleich bei dem Gedanken ertappt: So, Franziska, das hier ist also das echte Bolivien, so leben Bolivianer wirklich. Aber das ist natürlich Quatsch, die Lebensumstände sind in diesem Land genauso vielfältig und divers wie es auch die Landschaften, das Klima und die Kultur der verschiedenen Landesteile sind. Nichts ist weniger authentisch oder zu europäisch. Es gibt die neue Ventura Mall, ein auf Hochglanz poliertes Einkaufszentrum, genauso wie es die Feria gibt, ein Markt, in dem man von Möbeln über Kleider bis hin zu Obst wirklich alles bekommt. Beides ist Bolivien. Es gibt gated communities, ein Mitfreiwilliger wohnt zum Beispiel in einer solchen, aber genauso sieht man Menschen auf dem Grünstreifen einer Straße schlafen. Beides ist Bolivien.

Flexibilität ist gefragt

Wie schon bei der etwas kurzfristigen Verteilung der Familien, muss man sich auch bezüglich der Arbeit mit Planänderungen und Spontanität anfreunden. Am Freitag war ich bei der Trägerorganisation meines Projekts und habe erfahren, dass ich nicht wie angekündigt im Mädchenhaus, sondern im Jungenhaus mithelfen werde. Das Heim ist die erste Etappe nach dem Leben auf der Straße. Die Jungs sollen dort resozialisiert werden und Regeln und Normen lernen, die für das Leben in der Gesellschaft wichtig sind. Zudem sollen die auf der Straße erlernten Verhaltensweisen abgelegt werden. Da ich nicht die durchsetzungsstärkste Person bin, wird das mit Sicherheit nicht ganz einfach. Am Montag ist mein erster Tag und ich bin schon sehr gespannt! Seit kurzem weiß ich auch mehr über meinen Spanischkurs, der zweimal die Woche stattfinden wird.

Über das Essen, die Umgebung, die Flora und Fauna…schreibe ich erst, wenn ich noch etwas länger hier lebe. Erstens bin ich der Meinung, bis jetzt nur ziemlich wenig über diese Themen sagen zu können, schließlich bin ich noch nicht lange hier. Außerdem passiert zurzeit noch so viel Neues, dass ich von Alltäglichem erst dann schreiben will, wenn auch ich hier in einem Alltag angekommen bin.

 


4 Gedanken zu Endlich Neuigkeiten!

  • Das klingt ja ziemlich turbulent, oh je. Aber bestimmt wird es mit jedem Tag ein bisschen schöner und man gewöhnt sich immer mehr an Land und Leute. Ich wünsche dir viel Glück mit den Jungs!?

    Liebe Grüße
    Lea?

  • Liebe Franzi❤️
    Ich bin mir sicher du wirst auch mit den Jungs bestens klar kommen:) Ich denk jeden Tag an dich und hoffe du kannst dich jetzt erstmal richtig einleben:)
    Viel Spaß bei allem! Wir lieben dich?
    Deine Thea:*

  • Hi Franzi,

    Ich wünsch dir trotz allen anfänglichen Schwierigkeiten viel Spaß und Erfolg mit den Jungs! Du wirst das sicher sehr gut meistern 🙂 <3

  • Lea, Thea und Nadine, vielen, vielen Dank! Jetzt ist die erste Woche mit den Jungs schon vorbei und ich gehe davon aus, dass das gut klappen wird. Leider haben die einen unglaublichen Slang, wodurch ich recht wenig von dem, was sie sagen, verstehe. Aber ich merke schon, dass es langsam wird:) Thea, ich liebe euch auch<3

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