Discovering Ireland: Galway

Zweieinhalb Stunden südlich von Bundoran- und damit gerade noch in Reichweite für einen Tagesausflug- liegt Galway, eine mittelalterliche Hafenstadt mit achtzigtausend Einwohnern. In Deutschland kaum eine Kleinstadt, zählt Galway, oder Gaillimh im Gälischen, zu den bekanntesten und größten Metropolen der Insel. Vielleicht ist gerade die Intimität der schmalen, alten Häusern, die sich in bunten Farben aneinanderreihen, der Grund für die besondere Atmosphäre innerhalb der verwinkelten Gassen.

Wir folgten dem Fluss Corrib als große Gruppe bis ins Herz der Stadt und trennten unsere Wege an der berühmten Spanish Arch, einer Festung, die majestätisch über dem Hafen thront und seinen Namen zu Ehren längst vergangener Handelsbeziehungen mit dem spanischen Königreich trägt. Ebenso imposant ruht die Galway Cathedral im Fluss Corrib, die auf den ersten Blick mittelalterlich anmutet, tatsächlich aber erst zu Ende des zwanzigsten Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Sie überblickt die lebhafte Main Street, auf der ein Pub nach dem Anderen gereiht um die Aufmerksamkeit von Einheimische nund Touristen wetteifert. Innmitten des bunten Durcheinanders präsentieren sich alle paar Meter Straßenkünstler und Musiker, die die Menge ein ums andere Mal zum Stehen und Staunen bewegen.
Nach lebhaft, farbenfroh und bunt gehen mir langsam aber sich die Adjektive aus, um zu beschreiben, wem wir als nächstes über den Weg gelaufen sind. Denn vor kurzem machte eine Neuigkeit aus Irland Schlagzeilen, als der Inselstaat mit überwältigendem Konsens ein Gesetz zur Gleichstellung homosexueller Ehen verabschiedete. Der Rückhalt der Bevölkerung ist in Regenbogenflaggen, die über die ganze Stadt verteilt im Seewind knattern, und einem Gefühl, das mehr an Zustimmung als an Toleranz erinnert, deutlich spürbar. Wir begegneten im Lauf des Nachmittags mehr als einmal der Gay Love Parade, die in Irland nicht mehr als Protestaktion auftreten muss, sondern Vielfalt zelebrieren kann. Später begleiteten die Farben des Regenbogens unseren Tag mit Livemusik und Showeinlagen im ganzen Stadtzentrum. Und währenddessen wurde mir bewusst, dass Irland nicht aus purem Zufall diesen mutigen Schritt gewagt hat. Vielmehr unterscheiden die Iren in ihrer offenen und warmen Art nicht in strikte Muster, sondern gehen ihren eigenen Weg.


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