Eine Erfahrung reicher: Cliffjumping

Warum lieben wir diesen Nervenkitzel, wenn wir auf einer Klippe im Atlantik fünf, acht, zehn Meter nach unten ins graublaue Nass blicken? Es ist eine Flucht aus dem Alltäglichen, Konventionellen, die uns von allen Fesseln befreit und uns, wenn auch nur für Sekundenbruchteile, Flügel verleiht. Dort oben zu stehen und zu fühlen, wie einem das Herz immer schwerer wird und man sich ungläubig fragt, wie man den Felsen vor einigen Augenblicken noch erwartungsvoll, euphorisch emporgeklettert war, lässt die Nerven bis zum Zerreisen gespannt sein. Diese Woge der Gefühle entlädt sich in einem adrenalingeladenen Glücksmoment, nachdem die Füße festen Boden verloren haben und aufs Äußerste beschleunigt die Wasseroberfläche durchbrechen. Danach macht sich eine Welle der Zufriedenheit im ganzen Körper breit, die mir sagt, dass ich es geschafft habe, von ganz oben nach ganz unten. Wir können unsere Finger nicht vom Cliffjumping lassen, wenn wir erstmal den ersten Schritt gemacht haben, weil wir wissen, dass wir um ein Stückchen besser, selbstbewusster, cooler wieder auftauchen. Wer dort oben steht, stellt sich der größten Herausforderung, der Selbstüberwindung, er beweißt sich aber auch selbst – vor sich selbst. Es war eine großartige Erfahrung, auf die ich auf keinen Fall verzichten möchte und wenn ich zurück an Irland denke, werde ich dieses Gefühl der Schwerelosigkeit vermissen.

PS: An alle Eltern und erwachsenen Leser meines Blogs: Safety first! Das ist auf dem AFS- Summercamp kein loses Motto, sondern eine Grundhaltung bei allen Outdoor- Aktivitäten. Wir wurden, wie immer, professionell begleitet und eingewiesen, ohne, dass sich in irgendeiner Weise eine Art Gruppenzwang eingeschlichen hätte: Wer springen wollte sprang, wer nicht, nicht.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>