Say Yes to Education

Wie klingt das, wenn im Jahr 1987 ein erfolgreicher Hedgefonds- Manager bei einem Vortrag vor benachteiligten Schülern in Philadelphia in einem plötzlichen Gefühlsausbruch einhundert High-School-Schülern verspricht, für ihre Collegeausbildung gerade zu stehen? Gute PR und im Grunde zu gut, um wahr zu sein? Heute, 5114 Kilometer von New Yorks schwierigsten Vierteln entfernt, brummt das Donegal Adventure Center wie ein überdimensionaler Bienenstock, in dem sich fünfzig junge Amerikaner nahtlos in die AFS– Gemeinschaft eingefügt haben. Sie alle kommen aus schwierigen Verhältnissen, haben eine harte Kindheit hinter sich, oft auch vor dem Hintergrund von Alkohol, Drogen und Gewalt im Elternhaus. Und sie sind alle Teil von Say Yes to Education (http://www.sayyestoeducation.org), der mittlerweile legendären Stifung von Wall Street Manager Georg Weiss, die in diesem Moment allein im Bundesstaat New York 65 000 Jugendlichen ungeahnte Perspektiven für ihr gesamtes Leben bietet. Eine Woche dauert das Ferienprogramm, das aus einer Kooperation von Say Yes und AFS enstanden ist, der die Stiftung in ihrem ehrgeizigen Vorhaben unterstützt, den Jugendlichen einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen.Und sie sind nicht die Einzigen; bei einer gemeinsamen Talentshow zeigten sie uns, wie faszinierend und bombastisch amerikanisches Entertainment sein kann. Wir erkannten aber auch, dass man einem Menschen die Geschichte nicht an seinem Gesicht ablesen kann. Bis vor ein paar Tagen sahen wir einfach nur eine Gruppe Jugendlicher und es war wohl nur das Stichwort AFS, das mich zum Nachfragen brachte. Wie abhängig junge Menschen davon sind, an welchem Ort sie in welcher Familie unter welchen Umständen aufwachsen, ist mir erst heute morgen in einem irischen Pub bei einem Kaffee und einem Gespräch mit Camilla bewusst geworden. Camilla Paquette, New Product Development Manager bei AFS, begleitet die Jugendlichen aus verschiedenen Schulen in Manhattans Norden auf ihrer ersten Reise und unterstützte sie bei ihren Vorbereitungen. Das New Yorker AFS- Büro liegt im Süden Manhattans, während die meisten Jugendlichen im Norden der Insel zur Schule gehen. Das  entspricht der täglichen Routine der New Yorker, die morgens ins Zentrum, in den Süden, strömen. Für einige gleicht der Weg zu Camillas Büro, in dem sie den Jugendlichen in ihren Fragen und Nöten zur Seite steht, hingegen einer kleinen Weltreise. Innerhalb von 5 Blocks, sagt sie, finden die New Yorker alles, was sie brauchen, von der Schule über den Supermarkt bis zum Sportplatz. Es ist eine kleine Welt für sich und niemand muss aus dieser Seifenblase ausbrechen, sodass für einige der amerikanischen Teilnehmer der Besuch in Camillas Büro sie weiter von zu Hause weggeführt hat, als jemals zuvor. Say Yes übernimmt diesen Part und setzt sich für die Jugendlichen ein, seit sie fünf Jahre alt sind, wenn nötig auch mit der Autorität, die sie aus dem Elternhaus nicht kennen. Camillas Bewerbungsmappe für den Irlandaufenhalt umfasste ursprünglich einen Motivationsbrief und einige weitere Unterlagen, Say Yes bat sie, ein einundzwanzigseitiges Formular zu entwerfen und die Jugendlichen neben ihrer eigenen Motivation auch Referenzen, Zeugnisse und Urkunden beizulegen. Die Stiftung möchte Jugendliche, in deren Zimmer es kein Bücherregal gibt, auf ihre Collegebewerbung vorbereiten und reicht ihnen die Hand, um sie in ihren Zukunftsplänen zu begleiten. Vielleicht werden nicht alle von ihnen ihren Schulabschluss schaffen, vielleicht werden sich nicht alle entschließen, ein College zu besuchen. Aber in einem Land, in dem ein Collegejahr mehr als vierzig Tausend Dollar kostet und Studenten jahrelang Studiengebühren abstottern müssen, ist Say Yes mehr als nur ein Wegweiser. Es ist die einzige Chance, die bleibt, wenn Jugendliche nach einem wackeligen Start auf der Strecke bleiben, während andere Karriere machen. Manchmal jedoch haben Menschen, wie Georg Weiss, das Bedürfnis, etwas von dem Glück zurückzugeben, das ihnen in den Schoß gefallen ist. Es macht mich stolz, Teil der Gemeinschaft zu sein, die sich mit ihrem AFS– Spirit für Andere einsetzt und den Austauch von Ideen und Kulturen, Verständnis und Freundschaft fördert.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>