Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt – oder eben vielen

Der eine Schritt in die Sicherheitskontrolle am Flughafen…

war gleichzeitig der Schritt weg von meiner Familie und meinen Freunde in eine unbekannte Zukunft. Wobei ich eigentlich nicht damit gerechnet hatte, meine Freunde nochmal zu sehen an meinem letzten Tag im „alten Leben“.
Doch dann bin ich aus dem Auto gestiegen und habe mich gefragt, was das denn für welche sind, die da im Flughafenparkhaus herumlungern…bis ich genauer hinsah und meinen von einer Was- genau-mache-ich -hier-eigentlich-Panikattacke etwas verquollenen Augen kaum getraut habe: Die kenne ich ja…sehr gut sogar!
Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich gefreut habe, meine Clique mit ihren ausgedruckten Bolivienflaggen in Frankfurt zu sehen. So verwandelte sich meine davor ziemlich gedrückte Stimmung in Glückseligkeit.  Fast hat es mir diese Überraschung sogar etwas leichter gemacht, ins Flugzeug zu steigen – in der Gewissheit, dass es Menschen gibt, die zuhause auf mich warten. Leicht fiel mir das Abschiednehmen  jedoch in keinster Weise und zahlreiche Tränen wurden vergossen, bevor ich mich aus den Armen meiner Lieben löste.

Die vielen Schritte in Madrid…

Als ich mich dann losgerissen hatte, lag die nächste Herausforderung vor mir: alleine fliegen. Alle anderen deutschen Bolivienfreiwilligen kamen erst diese Woche in La Paz an. Ich hatte also einen ziemlich langen (laut Ticket 24-stündigen, in Wirklichkeit etwas längeren), einsamen Flug vor mir, während dem ich zweimal umsteigen musste. Frankfurt- Madrid, Madrid- Lima, Lima- La Paz.
In Madrid musste ich das Gebäude wechseln, um zu meinem Abflugterminal zu gelangen, was aber entgegen aller Befürchtungen recht schnell vonstatten ging und wofür die gut zwei Stunden Aufenthalt wirklich genug waren.
Während der Reise lernte ich belgische AFSler kennen. Ihnen habe ich mich in Lima angeschlossen, daher musste ich die Wartezeit nicht alleine überbrücken.
Die Flüge an sich waren, von den nicht ganz so deliziösen Mahlzeiten einmal abgesehen, wirklich gut. Zum Glück gab es keine Turbulenzen und schlafen konnte ich auch.

Titicacasee von oben
Titicacasee von oben

Erste, wacklige Schritte in La Paz

In La Paz übermüdet aus dem Flugzeug gewankt, fiel erst einmal auf: Hier ist es ja gar nicht so kalt. Tatsächlich hatte die Sonne die Höhenluft ziemlich aufgewärmt. Das zweite, was sich im wahrsten Sinne des Wortes fast schmerzhaft (gut, das ist ein bisschen übertrieben, so schlimm war es dann doch nicht) aufdrängte, war die Höhe selbst. Ich hatte das Gefühl, nicht sicher auf meinen Beinen stehen zu können. Später, als wir im Hotel angekommen waren, bekam ich Kopfschmerzen und  der Weg  zum Zimmer in den vierten Stock brachte mich ziemlich aus der Puste. Aber auch der Blick auf die Stadt selbst, als wir mit dem Bus vom höher gelegenen Flughafen ins Stadtzentrum fuhren, nahm uns den Atem. So groß und so ungewohnt! Unzählige Minibusse, Stände und Cholitas (Frauen in traditioneller Kleidung) prägten das Straßenbild.
Das On-Arrival-Seminar fand noch am selben Abend statt. Uns wurde noch einmal allerlei Organisatorisches und Kulturelles erklärt, bevor wir endlich todmüde in unser Bett fallen konnten.

Riesiges La Paz
Riesiges La Paz

Schrittweise in ein neues Leben

Gleich am nächsten Morgen ging die Reise weiter, wieder per Flugzeug. Am Vortag hatte ich erfahren, dass ich erst einmal für 10 Tage bei einer sogenannten Welcomefamily unterkommen würde, bis meine „echte“ Gastfamilie vom Urlaub zurückkehre. Am Flughafen wurde ich mit einem Luftballon mit dem Schriftzug „Bienvenida“ und bolivianischen Süßigkeiten schon erwartet. Alles lief super, bis ich mich im Auto nochmal rückversichern wollte, dass meine Familie auch wirklich keine Haustiere hat. „Doch, eine Katze im Haus“ In einem Mix aus gestammeltem Spanisch  und Deutsch (die Gastschwester war ein Jahr lang in Deutschland) habe ich dann versucht, meine Tierhaarallergie, vor allem gegen Katzen, zu erklären. Ich wurde ein wenig panisch, aber innerhalb kürzester Zeit hat sich eine befreundete Familie dazu bereiterklärt, mich bei sich aufzunehmen. Ich war ganz überwältigt von so viel Gastfreundschaft und dass das alles so spontan möglich war.
Ja, und jetzt bin ich hier. Ich habe eine gleichaltrige Gastschwester, einen 12-jährigen Gastbruder, Gasteltern natürlich und einen Hund, der gerade wieder einmal abgehauen ist. Gegen Otto, so heißt er, bin ich aber Gott sei Dank nicht allergisch, das musste eben ausprobiert werden. Ich verstehe mich gut mit der Gastfamilie, auch wenn die Verständigung auf Spanisch nicht ganz so leicht ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass zumindest das Verstehen mit der Zeit schon besser wird. Vom Reden kann man das bis jetzt leider kaum behaupten.
Ganz eingelebt habe ich mich noch nicht, ich bin immer noch ziemlich unsicher, wie ich mich in welchen Situationen verhalten soll. Vieles ist so anders, als ich es gewöhnt bin und ich vermisse Familie und Freunde ziemlich. Trotzdem, es ist toll, hier zu sein und ich freue mich auf das nächste halbe Jahr!
Bis jetzt  habe ich noch nicht mit der Arbeit begonnen, damit fange ich wohl erst bei meiner neuen Familie an. Daher habe ich noch nicht viel zu tun. Die letzten Tage habe ich also ein bisschen versucht, Spanisch zu lernen, habe mit der kleinen Tochter unseres Hausmädchens (was hier fast alle haben) gespielt und war mit meinem Bruder, mit dem ich mich sehr gut verstehe, mit dem Hund Gassi. Heute bin ich mit meiner Schwester ins Zentrum gefahren, um einzukaufen, das war wirklich schön war!

Ich könnte noch viel erzählen, von der Hitze, den Moskitostiche, dem Essen, den Minibusse namens Micros. Aber ich habe schon sehr viel geschrieben und hebe mir jetzt einfach noch ein wenig für nächstes Mal auf! Von meiner neuen Gastfamilie weiß ich noch nichts, da lasse ich mich wieder überraschen und hoffe auf das Beste!


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