überfordert

Die letzten Tage bis zum Abflug (nur noch fünf sind es!) verfliegen wahnsinnig schnell. Erst Mittwoch bin ich von meiner zweiten und letzten Vorbereitung für die nächsten elf Monate zurück gekehrt und finde jetzt kaum Zeit, mich mit Freunden zu treffen, zu verabschieden, zu packen, besorgen, organisieren, lesen und auch zu verstehen.

Das Seminar in Marburg hat Inhalte der ersten Vorbereitung vertieft, aber mir auch so viel neues aufgezeigt, dass ich eine Menge aus diesen fünf Tagen mitgenommen habe.

Ich fühle mich nicht nur realistisch und optimal vorbereitet, sondern habe auch eine Menge Leute kennen gelernt, die gute Freunde werden können. Die Gruppendynamik ist einzigartig und ich bin froh, all diese Leute an meiner Seite zu haben, wenn es auf die große Reise geht. Tatsächlich werden wir nach Ankunft in Costa Ricas Hauptstadt zunächst drei Tage in San José bleiben, wo wir im AFS Büro ein weiteres Seminar durchlaufen. Danach geht es für 10 Tage in Richtung Cartago auf eine Finca („Bauernhof“), wo wir einen täglich sechsstündigen Spanischkurs erhalten. Erst danach fahren wir in unsere neuen Heimatorte und lernen unsere Gastfamilien kennen.

Mit all den Dingen, die noch zu erledigen sind, fühle ich mich gerade reichlich überfordert. Aber dank der Hilfe und dem Verständnis von Familie, Freund und Freunden lichtet sich langsam das Dickicht an Aufgaben und To-Do Zetteln. Tatsächlich lohnt es sich in der Angelegenheit, ein „Listenmensch“ zu sein und akribisch Buch über jeden Einfall und jede noch zu kaufende Sache zu führen. Ohne die Struktur meiner Mama wäre ich bereits verloren!

Zudem habe ich in den vergangen Tagen meine Gastfamilie zugeteilt bekommen. Ich werde bei einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern leben. Ich habe eine neunjährige Gastschwester (mit der ich schon auf Whatsapp in Kontakt bin und die sich schon darauf freut, viel mit mir zu malen) und einen zwanzigjährigen Gastbruder, der nicht mehr zu Hause lebt, weil er in San José studiert. Ich freue mich schon sehr und bin zuversichtlich, dass ich mit meiner Gastfamilie eine tolle Zeit haben werde. Ich habe ein super Gefühl bei der Sache.

Aus Privatsphäre Gründen möchte ich hier zunächst noch nicht allzu viel über meine neue Familie schreiben, sondern erst klären, inwieweit sie sich wohl fühlen, auf meinem Blog aufzutauchen.

Ich freue mich trotz allem wahnsinnig auf den Abflug, der mich so unrealistisch scheint. In mein Gehirn geht einfach nicht hinein, dass sich mein Leben in weniger als einer Woche komplett verändern wird. Viele Abschiede kann ich kaum begreifen und frage mich immer noch zwischendrin, ob ich eigentlich noch ganz bei Trost bin.

Ich versuche die „letzte“ Zeit mit all meinen Lieben ganz intensiv zu nutzen. Am Samstag geht es los, einen Backpacker zu kaufen. Praktisch ist einfach praktischer in Costa Rica.


4 Gedanken zu überfordert

  • Ich glaube es macht gar keinen Unterschied in Bezug auf die Gefühle, ob man knapp 20 oder knapp 50 ist, wenn man die Komfortzone verlässt. Ich bin vor zwei Wochen mit Steffen für drei Monate in die USA aufgebrochen und wenn ich deine letzten Blockeinträge lese, dann fühle ich mich so an mich und meine letzten Tage in Stuttgart erinnert. Ich wollte plötzlich schlichtweg den Sommer in Stuttgart verbringen und habe mir die Frage gestellt, was ich eigentlich in diesem „fremden“ Land will – und bei mir geht es nur um 3 Monate! Lissi, ich verstehe dich total gut, aber in solchen Momenten hilft es mir oft, wenn ich mich daran erinnere, warum ich eine Entscheidung getroffen habe. Wenn ich mir diesen Moment der Klarheit nochmals in das „hier und jetzt“ hole, ruhig werde, atme und mich quasi einfach selbst beobachte und die Kraftquelle dieser Entscheidung wieder anzapfe.
    Es ist also keine Frage des Alters. Vielleicht wird es besser, wenn man regelmäßig in seinem Leben immer wieder die Komfortzone verlässt und quasi „Übung“ darin bekommt. Vielleicht auch durch die „Übung“ sensibler wird, für das was man selbst braucht, um sich wohlzufühlen. Ich weiß es auch noch nicht. Ich habe das in meinem Leben auch noch nicht so oft gemacht. Deswegen finde ich es auch so spannend, dass du als mein Patenkind und ich als deine Patentante zur selben Zeit aufbrechen – dreißig Jahre versetzt.
    Aber vielleicht gibt uns jemand, der meinen Kommentar liest auch einen neuen Blick auf dieses Thema?!

  • Hallo Clarissa- danke für Deine Nachricht.Normal
    hätte ich per mail geantwortet. Aber weil Du es so vorgezogen hast, benutze ich für ein
    benszeichen von uns dieses Kommentarfeld.Wir
    glauben nicht, dass Du überfordert sein könntest.Wenn mal etwas schiefgeht, verlier den Mut nicht und lache. Nichts auf der Welt
    ist fehlerlos.
    Wir drücken Dir weiter die Daumen.
    Deine Ingrid und Frank

  • Wahrscheinlich hast du da recht! Niemand verlässt seine „Komfortzone“ ohne Bedenken…
    Ich freue mich sehr, dass wir diese Erfahrung quasi gleichzeitig machen! Dass ich euch an meiner Seite habe!

  • Liebe Clarissa, ich verfolge Deine Einträge und freue mich ,dass Du Deinen Traum so konsequent erfüllen konntest. Respekt! In meiner Bekanntschaft sind zwei Familien, deren Tochter einen ähnlichen Weg gegangen sind,mit Erfolg, aber auch den totalen Eisatz. Ein Mädchen war einem Waisenhaus zugeteilt -eine besondere Herausforderung. Ich wünsch Dir weiterhin viel Glück in der Ferne. Deine Heidi Schlameuß

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