zuversichtlich

Das erste, fünftägige Vorbereitungsseminar (VB 1) fand letzte Woche in der Jugendherberge in Fulda statt.

Fünf Tage sind eine lange Zeit, dachte ich mir, was werden wir dort wohl außer Kennenlernspielen machen?

Aber jetzt verstehe ich, warum kein Freiwilliger mehr als 24 Stunden bei der insgesamt 10-tägigen Vorbereitung fehlen darf. Das VB 1 behandelt grundlegende Themen zum bevorstehenden Freiwilligendienst, wie z.B. den Umgang mit Rassismus, Kultur, Kommunikation, wichtigen Fragen rund um die Organisation und interkulturellem Lernen. Zusätzlich zu den Themen, die in „Einheiten“ in Form von Diskussionen, Spielen oder Vorträgen verdeutlicht werden, kommen noch viele Spiele zum Kennenlernen und zur Gruppenbildung hinzu. VB 2 ist dann länderspezifisch, d.h. der Input wird direkt auf Costa Rica bezogen.

Die Gruppe aus 28 Freiwilligen (davon nicht alle für Costa Rica, aber diejenigen konnten auf ihrem VB 1 nicht) ist überraschend schnell zusammen gewachsen. Ich habe dort Menschen getroffen, die ich ansonsten in meinem Leben nie kennen gelernt hätte, weil wir alle aus unterschiedlichsten Teilen Deutschlands kommen. Uns verbindet, dass wir uns alle für einen  Freiwilligendienst entschieden haben, wobei auffällig ist, dass (zumindest in unserer Gruppe) deutlich weniger Jungs als Mädchen am Programm teilnehmen.

Geleitet wird das Ganze durch unsere „Teamer“, also ehemalige Freiwillige, die den Dienst absolviert haben und sich weitergebildet haben. Die Teamer waren für uns aber nicht nur Mentoren und sogesehen Lehrer, sondern auch Freunde. Nach dem Abendessen fand jeden Abend die „Inselgruppe“, mein persönlicher Lieblingsteil des Tages, statt. Diese ist ein Arbeitskreis aus einem Teamer und ungefähr vier weiteren Freiwilligen, in dem der Tag reflektiert und insgesamt viel intimer und persönlicher gesprochen werden kann. Ich habe mich dort mit meinen Sorgen und Ängsten gut aufgehoben und auch realistisch vorbereitet gefühlt, auf das was komme könnte.

Letzten Endes sind die fünf Tage in unserer wirklich ausgesprochen großartigen Unterbringung extrem schnell vergangen und ich habe das Gefühl besser zu verstehen, worum es in den kommenden 11 Monaten geht. Ich habe viele Denkansöße zu  Dingen bekommen, die mich zu verschiedenen Einsichten gebracht haben:

Unter anderem, dass es in meinem Freiwilligendienst nicht vorrangig darum geht „die Welt zu retten“ oder klassisch „Entwicklungshilfe“ (übrigens kein gutes Wort, suggeriert stark unterschiedliche Macht- und Entwicklungsverhältnisse, klingt nach einseitiger Beziehung und Herabwürdigung, besser: Entwicklungszusammenarbeit) zu leisten, sondern zum interkulturellen Lernen voneinander beizutragen.

Mein persönliches Highlight aller Spiele: Das Welthandelsspiel.

Stark vereinfacht:

Die Freiwilligen werden in Länder aufgeteilt, die durch Klebeband auf dem Boden unterschiedlich groß markiert, unterschiedlich gut ausgstattet sind und unterschiedlich gut/tolerant behandelt werden. Ich, im Entwicklungsland „Funtefunefu“, saß mit vier anderen fast 3 Stunden mit angezogenen Beinen in einem schmalen Streifen Land, während andere Länder etwas mehr Platz hatten und das „reiche“ Land sogar Tisch und Stühle, Essen, Getränke und speziellen Service.

Die Aufgabe war, mit den gegebenen Ressourcen bestimmte, vorgegebene Formen zu produzieren und sie an die „Bank“ für verschiedene Werte zu verkaufen. Zum Beispiel waren runde Formen mehr wert, oder man erhielt weniger Geld, wenn die Formen nicht genaue Maße hatten oder unsauber gearbeitet waren. Zusätzlich zur Bank gab es  ein Gefängnis und strenge polizeiliche Instanzen, die den „reichen“ alles durchgingen ließen und meine Landsleute einbuchteten, wenn wir nur unsere Landesgrenzen mit Hand oder Fuß übertraten.

Man lernt den Wert einer Schere oder eines Lineales erst kennen, wenn du mit 2 Blatt Papier da sitzt und versuchst Dreiecke „zu reißen“, deren Maße man nicht einmal genau kennt. Interessant war zu sehen, wie die Leute im reichen Land (natürlich mit viel Material, z.B. 3 Scheren, Lineal und Zirkel) automatisch arrogant werden, wie alle Länder in ein Konkurrenzdenken verfallen und wie echt der Neid auf andere Nationen ist, auch wenn du weißt, dass es ein Spiel ist. Auch, dass es automatisch zum unausgesprochenen Ziel wird, so viel Geld wie möglich zu verdienen. Oder, wie nahe Korruption liegt, wenn du nichts hast außer zwei Stiften und Forderungen in Verhandlungen so utopisch hoch sind, dass Bestechung der naheliegende Weg ist.


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