überrascht

Am Freitag Nachmittag im ICE nach Augsburg, fünfzehn Minuten vor meiner Ankunft, vibrierte mein Handy.

Eine Email von AFS, Betreff: Deine Projektplatzierung

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich die Mail zuerst gar nicht öffnen wollte. Eine kleine, digitale Nachricht, die mein ganzes Jahr beeinflussen wird. Meine Mutter hat mir die Entscheidung dann kurzerhand abgenommen – und das ist das Ergebnis:

Der Ort, in dem ich arbeiten (und wahrscheinlich leben) werde heißt Pejibaye und liegt in der Provinz Pérez Zeledón. Die nächstgrößere Stadt heißt San Isidro de El General Über Google fand ich zu dem Dorf leider relativ wenig, im Vergleich zu der sonstigen Daten- und Informationsgewalt, die die Suchmaschine bei jedem beliebigen anderen Eintrag bietet. Es handelt sich mehr oder weniger um ein Bergdorf, das grob 20 km Luftlinie vom Pazifik entfernt, unterhalb des „Parque Nacional Chiporró“ und relativ nahe der Grenze zu Panama liegt. Für Geographieallergiker wie mich: In Costa Rica, mehr oder weniger unten links.

Ich werden dort im weniger klassischen Sinne an einer Schule, dem „Colegio Técnico Profesional de Pejibaye“ (CTP) arbeiten. Das CTP, 1974 gegründet, hat um die 500 Schüler von 12 bis 19 Jahre. Der aus vorwiegend ärmeren Verhältnissen stammenden Schülerschaft wird hier von ca. 60 Lehrern eine Grundbildung vermittelt. Jetzt mein Teil:

Ich werde an der Schule, in deren Umfeld der Ackerbau und Viehzucht Lebensgrundlage vieler Menschen ist, zunächst die hauptamtlichen Mitarbeiter darin unterstützen, das Gewächshaus, die Obst- und Gemüseplantagen so wie die Gebäude und Grünanlagen instand zu halten. Im Grunde also erst mal gärtnern. Der mehr bildungsbezogene Teil an der Sache ist, dass den Schülern in Workshops, z.B. zum Thema Kompostierung, die Idee von Nachhaltigkeit erklärt werden soll. Es sollen Ideen vermittelt werden, wie zur Verfügung stehende Ressourcen möglichst langfristig genutzt werden können. Das ist auf seine Art und Weise richtige Entwicklungsarbeit – Hilfe zur Selbsthilfe.

Zunächst war ich doch sehr perplex, da dieses Projekt den Rahmen allen dessen sprengt, was ich mir jemals vorgestellt habe. Es ist ja vornehmlich mehr ein ökologisches als soziales Jahr. Aber ich sehe das Potential in dem Projekt. Ich muss vollkommend aus meine Komfortzone heraus kommen, um mich dem Leben dort zu stellen und das ist eigentlich genau das, was ich wollte. Im Grunde heißt das für mich, dass ich etwas komplett neues und anderes kennen und hoffentlich lieben lerne. Mit ökologischem Pflanzenanbau etc. kenne ich mich bisher nicht allzu gut aus, aber ich bin interessiert und offen, mich in das Thema rein zu knien und mir damit Mühe zu geben.

Wusstet ihr, dass derzeit nur ca. 1% der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet wird?


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