Deutschland ist so nah und doch so weit weg

Oi gente,

Ja, ich lebe noch. Ich weiß, ich habe mich hier schon lange nicht mehr gemeldet, aber irgendwie vergeht die Zeit einfach so schnell und ich komme einfach nicht dazu.

Hier mal eine kleine Zusammenfassung der letzten Zeit:

*Mein Geburtstag im Februar war nicht gerade der beste Tag meines Austauschjahres, weil ich den ganzen Tag extremes Heimweh hatte. Und das ist auch nicht besser geworden, als ich mit meinen Freunden Mittagessen war und am Abend eine kleine Feier mit meiner Gastfamilie hatte.

An meinem Geburtstag in der Schule
An meinem Geburtstag in der Schule

*Über Carnaval waren wir na Roça (unserem Wochenendhaus) und haben dort einige Nächte verbracht. So habe ich zwar wenig von Carnaval mitbekommen, aber in meiner Stadt ist zu dieser Zeit sowieso nicht viel los.

*Meine Gastfamilie und ich haben zwei Mal meine ältere Gastschwester in Itajubá besucht, wo sie seit Februar studiert. Die Stadt ist sehr ruhig und schön, ich mag sie sehr gerne. Nur die Verkehrsregeln dort sind mehr als schrecklich!

*Mein Gastonkel hat sich zwei Pferde gekauft und wer mich kennt, weiß dass ich Pferde liebe! Eines ist wirklich wild und schnell, deshalb kann er es nur selber reiten. Das andere gehört meinem Gastcousin und ist ruhiger, weswegen ich es auch schon reiten durfte.

*Ich habe meine brasilianische ID Karte bekommen und bin stolz darauf 😀

*Eine Englischschule in meiner Stadt hat ein Fest am St. Patrick’s Day (Irischer Nationalfeiertag) veranstaltet und ich wurde eingeladen, um Werbung für meine Organisation AFS zu machen, weil sie neue Gastfamilien brauchen. Es war ein lustiger Abend und die Kinder/Jugendlichen waren echt nett und sehr interessiert.

*Wir hatten eine Mathematik Projekt/Wettbewerb in der Schule. Meine Gruppe hatte die Aufgabe, Spiel mit der 6. Klasse zu spielen, die mit Mathe zu tun haben und es ist echt gut gelaufen. Wir haben sogar gewonnen, aber den Gesamtsieg hat sich der Abschlussjahrgang geholt.

*An dem Samstag, an dem das Mathe Projekt eigentlich stattfinden sollte, haben wir die Nachricht bekommen, dass ein Schüler des Abschlussjahrgangs gestorben ist, der Krebs hatte. Ich habe ihn nicht persönlich gekannt, aber musste trotzdem weinen, weil alle meine Freunde so traurig waren. Danach gab es drei Trauertage, an denen wir keine Schule hatten.

*Letzte Woche habe ich mir eine starke Erkältung eingefangen und lag für einige Tage flach und musste sogar zum Arzt gehen. Ich habe Donnerstag und Freitag viel geschlafen und Samstag ging es mir auch schon wieder besser.
Allerdings ist es hier extrem einfach, sich zu erkälten wegen des Wetters. Es ist jetzt Herbst, was heißt, dass es morgens/abends abkühlt, aber tagsüber immer noch heiß ist. Daher weiß man nie, was für Kleidung man benutzen soll.
Diese Woche wurde es dann richtig kalt und es hat viel geregnet.

*Mein erstes “Bimestre” im Jahr 2014 und drittes insgesamt ist seit gestern vorbei. Ich bin stolz auf mich, weil ich es in den meisten Fächern geschafft habe, die zu erreichende Punktzahl zu holen ohne einen „Austauschschülerbonus“ zu bekommen. Nur in História, Filosofia und Literatura habe ich ein paar Punkte mehr, als ich wirklich erreicht habe.
*Am Dienstag beginnt mein letztes “Bimestre”, das ich aber nicht komplett absolvieren werde und das macht mich extrem traurig. Gerade jetzt wo ich eigentlich alles in der Schule verstehe und auch einige Fächer echt gerne mag. Nur Mathe, Physik und Química treiben mich in den Wahnsinn, weil ich es nicht gewöhnt bin, einige Dinge ohne Taschenrechner zu machen.

Du baust dir ein Leben in 15 Jahren auf und verlässt es für 10 Monate. Du baust dir ein Leben in 10 Monaten auf und verlässt es für immer. Was ist schwieriger?
Du baust dir ein Leben in 15 Jahren auf und verlässt es für 10 Monate.
Du baust dir ein Leben in 10 Monaten auf und verlässt es für immer.
Was ist schwieriger?

Eine andere Deutsche Austauschülerin hat dieses Bild auf Facebook gepostet und es hat mich wirklich darüber nachdenken lassen. Für mich ist das Zweite, eindeutig das schwierigere. Als ich Deutschland letzten August verlassen habe, wusste ich, in einigen Monaten werde ich zurückkehren und mein Leben geht dort weiter (auch wenn es vielleicht ein paar Veränderungen gibt).
Hier in Brasilien habe ich mir in den letzten acht Monaten ein zweites Leben aufgebaut und wenn ich Juni zurück nach Deutschland fliege, weiß ich nicht, ob und wann ich zurückkehren werde. Und selbst wenn ich zurückkomme, wird es nicht mehr so sein, wie jetzt…
Deshalb macht mich der Gedanke, dass ich nur noch 50 Tage so traurig und ich sehe dem Tag meiner Abreise mit Horror entgegen.

Feliz Páscoa & Frohe Ostern!

Sandra


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