Russland ist ein schönes Land…

Hallo Leute!

Wie versprochen, ein weiterer (Achtung: langer!) Blog von mir, nach dem so großartigen Ereignis der Russland-Reise, die nun schon wieder hinter mir liegt.
Genau eine Woche ist es heute her, dass ich um 5:25 Uhr den Bus nach Riga nahm, den frühesten möglichen, um rechtzeitig 6:40 Uhr am Rigaer Hauptbahnhof stehen zu können, wo sich dann auch langsam (ich war mal wieder zu früh da) alle anderen eintrödelten, alte Bekannte, die ich größtenteils seit dem Mid-Stay-Camp im Januar nicht mehr gesehen hatte. Um sieben sollte es losgehen, aber natürlich verspäteten wir uns – in Lettland gar nicht anders möglich, auch wenn es hier nicht die Schuld eines Letten war… 🙂
Beim Bus, der uns auf unserer Reise begleiten sollte, angekommen, nahmen wir mehr oder weniger verstimmt die Anwesenheit einer weiteren, weit älteren Touristengruppe von Passagieren war, die uns tatsächlich genauso die paar Tage über begleiten sollte.
Nun begann also die Fahrt – knappe vier Stunden durch Lettland, bis wir an der estnischen Grenze ankamen – einmal Pass vorzeigen und weiter ging es – hätte es weitergehen können, denn ein Mädchen hatte (tatsächlich!) ihren Pass vergessen. Wait, what? Ja, und so musste sie erstmal mit unserer AFS-Betreuerin an der Grenze bleiben, bis ihr Pass irgendwie nachgeliefert werden konnte, und in der Nacht folgten beide der restlichen Gruppe nach Russland, während es für uns dann endlich weiter ging. Die Grenze zu Russland nun gestaltete sich deutlich weniger dramatisch. Nur wurde einem Junge bei der Passkontrolle zunächst nicht geglaubt, dass er derselbe sei, wie auf seinen Dokumenten, was einige allgemeine Heiterkeit, aber keine weiteren Schwierigkeiten verursachte.
Endlich also in Russland! Einige Fahrtstunden noch bis zu unserem ersten Ziel: einem Männerkloster nahe Pskov, oder lettisch, Pleskava, einer Stadt, in der wir anschließend etwas Zeit verbrachten. Im Kloster hielten wir uns nicht lange auf, und das aus verschiedenen Gründen: Erstens wurde das Hauptgebäude des zur Besichtigung freigegebenen Bereiches gerade renoviert, zweitens hatten wir an der estnischen Grenze viel Zeit verloren, und fuhren so schnell weiter nach Pskov. 200.000 Einwohner, machte einen netten Eindruck, der Kern wird von einem Kreml und darin einer Kirche geschmückt, das Gelände haben wir auch kurz besichtigen können. Mehr als das und ein kurzer Eindruck russischer Einkaufsgelegenheiten war aber nicht drin, um sieben Uhr ging es weiter, auf unser eigentliches Ziel zu – die nördlichste Millionenstadt der Welt, das beeindruckende Ergebnis des Traumes, eine Metropole inmitten von Sümpfen und hoch im Norden zu errichten – Sankt Petersburg.
Nachdem unser Busfahrer sich etwas zurechtfinden musste (heißt: er hat sich mehrmals verfahren), fanden wir unser Hotel doch noch, checkten ohne Probleme ein, und gingen dann auch bald (ich wähle mal ein extra dehnbares Wort) schlafen.
Der nächste Tag begann um Neun: Frühstsück. Dazu möchte ich sagen, dass das einzig Gute daran war, dass es nach Nichts geschmeckt hat, es also immerhin nicht eklig war. An den beiden folgenden Tagen wurde es von mir durch Fünf-Minuten-Terrinen ergänzt bzw. ersetzt, und nur die Gelegenheit, einen Instant-Kaffe zu trinken, nahm ich wahr.
Anschließend ging es also los, das Beste zuerst: mit dem Bus gleich zur Eremitage – für mich die Sehenswürdigkeit, die mich im Voraus am meisten gereizt hatte – und dort eine Stunde in der Wa    rteschlange, denn unglücklicherweise hatten wir uns den ersten Donnerstag im Monat ausgesucht, der irgendwie freien Eintritt für alle Besucher versprach, und nicht nur, wie sonst üblich, für Schüler. Das heißt, für die Besichtigung des Winterpalastes blieben uns ganze zwei Stunden… Daraus folgte nun, dass ich zwar die alten Meister sehen konnte, Rubens, Leonardo da Vinci, Rembrandt usw., aber nicht die französische Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, von denen doch dort eine sehr umfangreiche Sammlung hängt, geschweige denn die Juwelen oder Skulpturen. Naja, macht nichts, ein Grund mehr, zurückzukehren!
Eine Stadtrundfahrt folgte, der Guide erklährte uns das zu Sehende auf Englisch, ziemlich interessant eigentlich, wir besuchten die Peter-und-Paul-Festung, waren bei dem berühmten Kreuzer Aurora, der allerdings auch renoviert wurde, weshalb wir nicht ins Innere konnten, erlebten anschließend eine recht langweilige Schiffahrt durch die Kanäle des „Venedigs des Nordens“, langweilig deshalb, weil der Guide hier russisch sprach, und trafen später lustigerweise und ungeplant eine AFS-Russland-Gruppe. Fazit des Tages: viel zu viele Souvenirstände! (Obwohl St. Petersburg sehr schöne Souvenire hat…)
Zweiter Tag: Katharinenpalast, etwas außerhalb der Stadt, mit Katharinenpark. Sehr schöner russischer Barock, unglaubliche Inneneinrichtung. Allein die Tatsache, das Puschkin diese Räume betreten hat, mit dem einzigen Unterschied, dass er damals wohl keine Schutzschuhe tragen musste, machte den Palast interessant, aber auch der Nachbau dieses Raumes mit der geheimnisvollen Geschichte übertraf meine Erwartungen: Das Bernsteinzimmer, vielleicht eines der schönsten Dinge, die ich mit eigenen Augen gesehen habe, sicher jedoch einer der schönsten Zimmer, die ich gesehen habe. Es macht aber keinen Sinn, die ganze Pracht, die nur mit den eigenen Augen zu sehen ist, in Wörtern hilflos zu beschreiben, deshalb setze ich hier den Punkt, um fortzuschreiten: An den Palast schließt sich ein wunderbarer, sehr großer Park an, den wir ein wenig erkundeten. Auf unserem kurzen Weg begegneten uns fünf frischvermählte Hochzeitspaare, und den Aussagen des Guides folgend, gibt es eine Legende, nach der man umso mehr Glück hat, je öfter man im Katharinenpark auf eine Hochzeit stößt! Am Abend noch, wie es sich gehört, im Subway gegessen.
Weiter im Text – Samstag. Der letzte Tag. Waaaaas? Jetzt schon? Na gut – zunächst mit der Metro, 70 Meter unter der Erde, die allein deswegen ein Erlebnis ist, in die Stadt, genauer gesagt zur Isaakskathedrale, von außen ein schickes, aber nicht so auffällig prunkvolles Gebäude, von innen der reinste Wahnsinn. Malereien, Mosaike, Gold, Bronze. Groß, riesig, Isaakskathedrale – als erneute Steigerung könnte noch der Petersdom in Rom genannt werden. Florenz bietet zwar eine unglaubliche Fassade, aber innen hat der russische Kuppelvetter für die Augen weit mehr zu bieten.
Schön und gut – Reichtum bis zum Umfallen wurde uns nun geboten, was fehlt? Noch mehr Prunk, noch mehr Gold, noch mehr Reichtum. Mit einem Wort – Peterhof, das Paradies jedes Fontänenfreaks, das Paradies wohl auch für jeden begabten Taschendieb. Mir jedoch blieb glücklicherweise meine Habe. Direkt am Finnischen Meerbusen gelegen, gönnt sich Peterhof einen einmalige Luxus: das Wasser jeder Fontäne, die alle gleichzeitig laufen, wird von einigen entfernten Hügeln bis zum Palast geleitet, in die Luft gewirbelt, und fließt nach einmaliger Benutzung in den Finnischen Meerbusen. Dieses System funktionierte bereits zu Zeiten Peters des Großen, der das Ganze in Auftrag gab. Das heißt aber auch, das man nach einem Spaziergang Beine wie Seele an einem kleinen Starnd baumeln lassen, und auf die andere Seite des Golfes blicken kann, wo sich die Stadt abzeichnet. Was ich zum Katharinenpalast sagte, wiederhole ich hier: Man muss es selbst gesehen haben, ich könnte noch weiter ärmlich mit Wortketten jonglieren, aber das gereichte wohl keinem zum Vorteil, sodass ich mich auf das Ende unseres Trips konzentrieren möchte.
Abfahrt am frühen Abend von Peterhof, bereits am Morgen hatten wir unsere Sachen packen müssen, und in den Bus gebracht, jetzt hieß es wieder, zurück nach Lettland, um nicht noch eine dritte Heimat zu kreieren, und das Hirn vollends zu verwirren. Eine unruhige, unbequeme Fahrt folgte, um etwas nach ein Uhr waren wir an der russischen Grenze, die Kontrolle verlief diesmal ohne Probleme, nur wollte die Passfrau erneut nicht glauben, dass dieser eine Junge derselbe war, wie der auf seinem Pass… Um halb Fünf in Riga angekommen, zu McDonald’s auf einen Kaffee, und mit dem ersten Zug nach Hause – endlich schlafen!
Fazit: mehr ein Appetitanreger als eine wirkliche Reise, alles war so schnell und hektisch, für das nächste Mal merken: Zeit mitbringen!
Mein Lettisch hat leider etwas unter den fünf Tagen gelitten (Russisch gehört, Deutsch gedacht, und Englisch geredet), aber jetzt ist es schon wieder auf dem alten Stand…
Das war’s für dieses Mal, ich denke, auch ihr habt genug gelesen, die Aussichten für die nächsten Tage sind noch unklar, in der baldigen Zukunft schwebt nur der Johannistag als größtes Nationalfest der Letten, und dann das Sängefest! Mal sehen, wann ich Lust und Stoff genug habe, wieder einmal zu schreiben, dann erfahrt ihr sicher auch mehr über mich, dies hier war ja mehr als eine Art Spezialausgabe gedacht…

Herzliche Grüße aus Lettland,

Felix


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>