Frühlingsallerlei mit Wehmutstropfen

Lettland-Import16 098

Hallo Leute!

Es ist kaum zu glauben – in guten zwei Monaten fahre ich bereits wieder nach Hause. Das regt nicht nur zu Trauer und erneuter Wehmut über das Verlassen der nunmehr so liebgewonnenen zweiten Heimat, der neugewonnenen Freunde und nicht zuletzt über das Verabschieden eines ganzen Lebensstils an.
 Während ich vor der Abfahrt hierher wusste, ich würde zurückkommen, das Jahr wäre ja doch nur eines von vielen nachfolgenden, kann ich jetzt beinahe mit Sicherheit sagen, dass ich dieses Leben, wie ich es jetzt und hier führe, wohl nie wieder leben werde. Sicher werde ich zurückkommen, dennoch wohl nie wieder hier wohnen. Immer werde ich nur ein Gast sein unter vielen, immer wird das Land eine gewisse Fremdheit, eine Distanz an sich haben, ich werde mich mehr als Tourist denn als Heimkehrer fühlen, während ich doch jetzt sogar offiziell hier wohne, hier, in Lettland!
Ich sagte, es regt nicht nur zu Trauer und Wehmut an, sondern auch zur Freude über die Heimreise, über das Gefühl eines völligen Neubeginns, obwohl es doch nur die Fortsetzung eines einst, so fühle ich mich, abgebrochenen Lebens ist. Endlich weiß ich, was es heißt, von der Heimat, vom Vaterland entfernt zu leben, denn erst kürzlich, mit dem gewaltigen Anwachwsen der Fertigkeiten im Umgang mit der Sprache, so scheint es mir, habe ich begonnen, mich einzuleben, obgleich ich doch bereits die letzten neun Monate in der gleichen Umgebung verbracht hatte. Die Sprache ist also doch der Schlüssel, nicht nur zu Kultur und Gesellschaft des Landes, sondern vor allem zum Herz, zum Nationalbewusstsein des Staates, der Bevölkerung, beides nun in Lettland besonders ausgeprägt, einem Land, so klein, und dennoch so stark, so selbstbewusst und farbenfroh, wie kein anderes, im Hintergrund stetig die Erinnerungen an die Geschichte, welche hier wie nirgendwo sonst seine Haken und Wendungen schlug, und welche am Ende ein Lettland hervobrachten, das gerade deswegen eine bezaubernde Kraft und Schönheit in Mensch und Natur vereint.
Ich entschuldige mich für diesen vielleicht pathetischen, vielleicht überemotionalisierten ersten Teil, zu dem Mendelssohns „Sommernachtstraum“, den ich beim Schreiben hörte, Entsprechendes beigetragen haben mag.
Der nächste Abschnitt sollte umso sachlicher werden – das Musikstück ist bereits zu Ende. Ich komme noch einmal zu sprechen auf die Sprache, das Lettische, welches ich tatsächlich immer sicherer beherrsche (in welchem Artikel habe ich dies wohl nicht gesagt), mir jedenfalls bereits breite Möglichkeit gibt, mich zu äußern, wobei nur noch einige Vokabeln und die Endungen unbekannter Wörter Schwierigkeiten machen. Dabei verstehe ich im Prinzip schon alles wirklich sehr gut, wenn nicht gerade von quanthentheoretischen Problemen die Rede ist, ich würde sogar sagen, dass dieses Verständnis der lettischen Sprache fast dasselbe Level erreicht hat, wie ich vor meiner Abfahrt das Englische verstehen konnte (denn hier habe ich ja auch in dieser Sprache erhebliche Fortschritte gemacht). Sonst gibt es eigentlich nicht viel zu sagen – der Mai ist hier sehr warm, in zwei Wochen sind Sommerferien (ja, richtig, nur noch zwei Wochen Schule!), außerdem werde ich dann einige Tage mit einer Gruppe AFS-Schüler und -Betreuer in St. Petersburg verbringen (Yeah!!!), wobei ich anschließend vielleicht einen Extra-Artikel einschieben werde oder so… 🙂
Auf jeden Fall wünsche ich am Ende noch allen Schülern einen schönen Ausklang der Schulzeit, wenn sie auch etwas länger dauern mag als in Lettland, und beruhige meine Gedanken damit, dass alles, was enden muss, enden wird (bzw. andersherum), dass ich vergnügt auf die Ferien blicken kann, und schließlich auf meine Heimreise!

Herzliche Grüße aus Lettland,

Felix


2 Gedanken zu Frühlingsallerlei mit Wehmutstropfen

  • Danke Felix und ann genieß die letzte Zeit noch besonders! Noch bist du ja nicht in der Zeit dazwischen..Alltag in Deutschland ist ja erst im September wieder da. Bleib behütet es war schön, anteil nehmen zu dürfen. Bis dahin grüßt Sibylle Schicketanz

  • Hallo mal nach Lettland.
    Nun ich wurde auch weit weg in einem fremden Land geboren.Mein Vater war als angehöriger der lettischen Legion, in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten und nach seiner Entlassung in der BRD geblieben.Hier ist es mittlerweile durch Eurokrise und die politischen Irrungen so schlimm, das ich mit dem Gedanken spiele mein Rentnerdasein in die heimatstadt meines Vater zu verlegen.Habe aber absolut keinen Plan.Ich weis nicht wie ich es anstellen kann, noch etwas über das heutige Leben in meines Vaters Heimat.Nun sie ist im Herzen auch meine.Aber so wie Dir die Sprache anfangs nicht gegeben war, so werde ich auch einiges zu lernen haben.Zumal ich schon weit über 50 Jahre alt bin, wird dies sicher nicht leicht werden.Noch einmal von ganz vorne anzufangen.Wäre nett, von Dir wenn Du mir dazu etwas erzählen könntest.
    Gruß aus Süd Hessen Deutschland
    Karlis Eriks Grinbergs

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