Babcia Józia und die Schafe

Untertitel: Mid Stay – oder der Einzug der zukünftigen Weltherrscherin 😉

Witam, witam!

Es ist wieder Zeit für einen Blogeintrag, ein gewisses Eingeständnis meiner Austauschschülerdummheit folgt in den nächsten Zeilen. Ich will ja nicht sagen, dass ich euch nicht vorgewarnt hätte: Was will man bei dieser Überschrift schon erwarten?! Wärmste Empfehlung meinerseits: Seht die Hälfte dieses Blogeintrags mit einem Augenzwinkern. Er ist zwar ein faktengetreuer Bericht der letzten Zeit, aber insgesamt auch zur geringfügigen Erheiterung seiner Leser gedacht. Wozu noch langes Vorgerede?

Was gibt es denn zu erzählen? Generell habe ich den Rutsch ins neue Jahr gut überstanden, auch wenn ich es genau 31 Tage lange versäumt habe, etwas von mir hören zu lassen. Naja, eigentlich länger, aber mal von Neujahr aus gezählt … Ich komme mal wieder vom Thema ab. Ich gebe es zu, ich will nur den Artiekl verlängern, haha.

Silvester und Neujahr verbrachte ich zusammen mit zwei anderen Austauschschülerinnen aus Deutschland in Skawica, einem kleinen Dorf nahe Zawoja, dem längsten Dorf Polens, wiederum nahe Sucha Beskidzka, eine Stadt, die auf einer normalen Karte Polens in einem nicht zu großen Maßstab zu finden sein dürfte.  Da es nicht allzu kalt war, verbrachten wir einen Nachmittag in Sucha, wie die Stadt hier allgemein immer genannt wird (dabei ist der Name gar nicht so lang. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch ein Dorf, dessen Name nicht mal auf das überdimensoniale Ortsschild gepasst hat, der zweite Teil war einfach abgekürzt) und spazierten die eine Straße hoch und runter. Allgemeines Merkmal aller Ortschaften im Umkreis Suchas: Sie bestehen nur aus einer langen Straße, an der sich alles abspielt. Kein Wunder, dass Zawoja so lang ist.

Ach ja, gewohnt haben wir bei der Gastfamilie der einen Austauschschülerin, das sogar länger als geplant. Es war etwas seltsam, als wir auf dem Parkplatz in Skawica standen, der dort auch als Marktplatz dient, einfach, weil es der einzige Platz dort ist, umgeben von lauter fremden Leuten und untermalt vom Geräusch der Sirenen die Feuerwerke betrachteten … Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl in Worte fassen kann. Dennoch ist es komplett anders, wenn man das neue Jahr – wie bedeutend ist es eigentlich? Dieser scheinbar willkürlich festgelegte Punkt, an dem etwas Neues beginnt? – in einem anderen Land beginnt, wissend, dass man schon in einem halben Jahr wieder in Deutschland ist. Vielleicht habe ich in diesem Moment ein oder zwei Gedanken an das vorige Jahr verschwendet, als ich an meinem Schreibtisch in Deutschland – „zu Hause“ – saß und einen kleinen Funken Aufregung verspürt hatte, weil es nur noch etwas mehr als ein halbes Jahr bis zu meiner Abreise war … Davon weiß ich jetzt nichts mehr.

Zumindest folgte kurz darauf eine mehr oder weniger verrückte Aktion: Wir legten uns mit einer Luftmatratze und Schlafsäcken in die Auffahrt vom Haus der Gastfamilie, bei der wir lebten und guckten uns die Sterne an. Die Silvesternacht war extrem klar und schön, leider auch etwas kalt. Schließlich wurden wir fast vom Auto jener Gastfamilie überfahren, die auf Besuch bei Freunden war und zurückkehrte, Wir konnten nur noch aufspringen und winken, ich glaube, danach wurden wir als komplett verrückt eingestuft.

Das hinderte uns aber nicht, noch einen Tag länger bleiben zu dürfen als geplant, weil die Busse so überfüllt waren, dass wir nicht nach Krakau kamen (die hielten gar nicht mehr in Skawica), den Neujahrstag verbrachten wir also mit Wandern. Auch nicht schlecht, nach der vielen Schokolade am Vortag …

 

Danach folgte eine Woche Schule, was an Sinnlosigkeit angrenzte, aber dennoch. Nach dieser Woche kamen die Winterferien, erstaunlich früh, aber für mich gab es ein sehr positives Ereignis: Ich wollte schon immer mal Geburtstag in den Ferien haben! Zumal ich oft an Wochentagen Geburtstag habe und immer in die Schule muss …

Am Donnerstag vor den Ferien erfuhr ich zum ersten Mal von der Möglichkeit, ein Mid Stay zu machen. Also, ich wusste schon davor, dass es so was auf Wunsch geben könnte, aber nun wurde es greifbarer. In der Schule wurde es während eines komunikat durchgesagt und niemand verstand es so richtig, ich erst recht nicht, da ich die wichtigen Mails generell einen Tag zu spät sehe.  So auch diese. Kurz darauf bekam ich aufgeregte SMS, ob ich denn auch fahre und ein Mädchen aus meiner Klasse, die inzwischen von Klassenkameradin in den Rang „koleżanka“ aufgestiegen ist ;), erkundigte sich, ob ich nicht zu ihr kommen möchte. Zuerst war ich etwas skeptisch, weil ich ja noch nichts über jenes mysteriöse Mid Stay wusste, aber als ich die Mail sah, begann ich sofort, aufgeregt bei ihr nachzufragen, ob ich denn doch noch kommen könne … Im Endeffekt war alles organisiert und es stand fest, dass ich in der zweiten Ferienwoche nach Podczerwone fahre, wieder einem kleinen Dorf, doch diesmal in der Nähe von Czarny Dunajec in der Mitte zwischen Nowy Targ und Zakopane. Meine Ferien konnten beginnen!

In der ersten Woche hatte ich bis auf eine nette Geburtstagsfeier mit viel zu viel Sahnetorte nichts zu tun, dann hatte meine Gastschwester eine Freundin zu Besuch, die es mit der Lautstärke ziemlich übertrieben hatte und mich zur Schaffung von Babcia Józia veranlasste. Während das Gekreische im Nebenzimmer immer weiter gesteigert wurde, schrieb ich also entnervte SMS za darmo an die Außenwelt und regte mich auf wie der Rentner, der seine Gartenbeete bearbeitet und jedem Hundebesitzer mit abgrundtiefen Hass hinterherschaut. Kinder sind gaanz furchtbar für ihn, damit auch ihr Gekreische. Und genau so habe ich mich gefühlt, um mich durch die Erkenntnis dieses Teils meiner Selbst nicht verrückt zu machen, erfand ich eben Oma Józia, denn nichts anderes bedeutet „babcia“. Zwischendurch taucht sie nun in solchen Situationen mit ihrem Krückstock auf und trinkt eine Tasse Tee.

In Podczerwone schließlich gab es einen 18. Geburtstag zum Feiern (noch mehr Torte …) und dann fuhren Ola (das Mädchen aus meiner Klasse) und ich am nächsten Tag nach Zakopane zum Schlittschuh laufen. Es war zwar kalt, aber auf der Bahn, die Leistungssportstandards entspricht, wurde einem schnell wieder warm beim Rundendrehen. Ich konnte zwar vorher schon Inlineskater fahren, aber Schlittschuh laufen habe ich erst an Silvester in Zawoja gelernt. Da das Ausleihen und eine Stunde Fahren in Polen so gut wie nichts kostet, nicht mal bei den wirklich guten Bedingungen in Zakopane, kann ich meine neu entdeckte Sucht einigermaßen gut ausleben und erfreue mich an immer schnellerem Tempo und gewagteren Kurven auf dem Eis.

Anschließend waren wir auf den Krupówki, der Einkaufsstraße in Zakopane, wo man bei Verkaufsständen und kleineren Geschäften wirklich alles findet. Auch die berühmten Kopfkissenschafe gibt es zu kaufen, und das wurde mein Geburtstagsgeschenk von Ola. Neben mir liegt jetzt also owca, was ganz einfach „Schaf“ bedeutet, das die Welt übernehmen will. Warum? Weiß ich selber nicht. Es gibt Dinge hier in Polen, die man nicht erklären kann, aber dazu komme ich gleich. Owca endet auf -a, bis auf wenige Ausnahmen ist alles im Polnischen, das auf -a endet, weiblich, also ist auch owca weiblich, streng genommen also die Schaf. Daher die Weltherrscherin, die ich in der Überschrift erwähnt habe … Aber belassen wir es dabei. Noch hat es keine weiteren Anstalten gemacht, die Macht zu ergreifen.

Den Tag darauf verbrachten wir wieder in Zakopane, oder die Hälfte des Tages, um genau zu sein. Morgens waren wir mit einer Freundin von Ola im Schnee wandern, durch gutes Wetter auf einen Blick auf die Tatra erhoffend, aber der vlieb uns durch Wolken verwehrt. Jene Wolken brachten genau den warmen Wind, der jetzt hier Dachlawinen verursacht und halb Piekary unter Wasser setzt, weil die 17cm Schnee wegtauen wollen. Ich gehe nicht raus, ich habe es geschafft, krank zu werden, aber das nur nebenbei.

Jedenfalls statteten wir dann noch Pferden, Kühen, zwei freilaufenden Hunden, die uns total toll fanden und einer psychopathischen Katze einen Besuch ab. Ursprünglich sollte es nur zu den Pferden gehen, aber der Rest lief uns dann unterwegs über den Weg. Schafe indessen sahen wir keine, die hatte wohl alle der Wolf geholt, der sich in dem Wald an der Grenze zur Slowakei (3km entfernt) versteckte.

Nachmittags also erneut Zakopane, diesmal Glasmalerei, was sich durch Zufall ergeben hatte. Inzwischen begleitet mich also zusätzlich zu jener owca auch noch eine rote Katze auf Glas.

Damit war mein Mid Stay auch schon wieder fast vorbei. Den nächsten Tag verbrachten wir  lesend im Zimmer Olas, weil es schneite, und abends fuhren wir gemeinsam nach Krakau zur Premiere von Les Misérables. Eigentlich wollten wir in die Vorstellung um 18.30 Uhr gehen, aber daraus wurde nichts, denn als wir von der Zakopianka (eine Straße, die nach Zakopane führt) Richtung Bonarka (großes Einkaufszentrum in Krakau, dagegen sind deutsche Einkaufscenter klein) abbogen, gingen auf einmal alle Laternen aus – dem gesamten Stadtteil fehlte mal so eben für eine Dreiviertelstunde der Strom. Mit Notbeleuchtung im Bonarka, nur der Auchan hatte seine eigenen Generatoren, kam man auch im Kino nicht weiter. Schließlich besuchten wir die Vorstellung zwei Stunden später, die durch einen kurzfristigen weiteren Stromausfall auch verspätet begann und letzten Endes kam ich dann gegen Mitternacht zu Hause an. Dann hieß es erst einmal Ausschlafen, meine Gastschwester war auf der AFS- Auswahl, denn auch sie möchte ein Austauschjahr machen. Noch warten wir auf die Ergebnisse, aber die Hälfte ihrer Klasse war auf dem Camp und nun machen sie die ganze Zeit Energizer auf dem Schulflur … Solange der Tetriskarton, der am Montag durch die Schule lief, nicht auch noch mitmacht, ist alles in Ordnung.

So, noch einmal kurz zu Dingen, die man sich nicht erklären kann: In der Zeichenmaterialabteilung im Empik gibt es Metallkasetten mit Buntsiften zu kaufen, 24 Stück zu einem Heidenpreis, dafür aber sehr gute Qualität. Als ich das letzte Mal überlegend davor stand, fiel mir auf, dass bei einer dieser Kasetten ein Platz frei war (der Deckel ist unten drunter, man kann also in die Packungen reingucken). Nachzählen erbrachte ein verblüffendes Ergebnis: Alle 24 Stifte waren vorhanden, die Folie, in der das Ganze eingeschweißt war, auch noch unbeschädigt. Also ein Produktionsfehler – was ist also so seltsam daran? Wir nahmen zum Vergleichen der Stifte eine weitere Packung, die nicht fehlerhaft war, zur Hand. Was mir dabei auffiel, war, dass beide Kasetten exakt die gleiche Größe hatten, auch als wir sie aufeinander legten, bestätigte sich dieser Eindruck. Wie ist das möglich? Platz für 25 Stifte, also etwa 6mm mehr, nicht sichtbar im Vergleich zu Platz für 24 Stifte?! Alle lagen direkt nebeneinander. Mal wieder ein Paradoxon. Ich war fasziniert, aber dann kam mein Bus und ich musste noch über die Eisbahn (ehrlich, in Polen gibt es nur Streusalz. Und das macht alles noch schlimmer) zur Bushaltestelle laufen. 🙂

Okay, das war es also für heute. Babcia Józia geht es gut, das Schaf liegt immer noch genauso faul auf meinem Bett wie vor einer halben Stunde und die Katze ist sicher im Schrank verstaut – bei Katzen weiß man nie – und wohlgemerkt, ich werde mit jedem Monat hier verrückter. Ich garantiere nicht für psychische Schäden, die das Lesen meines Blogs betrifft. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Pozdrawiam, Josefine

(Ach ja, mit der Sprache geht es auf einmal gut voran. Ich bitte also darum, etwaige Fehler im Deutschen zu entschuldigen. Ich fühle mich fü nichts verantwortlich.)


5 Gedanken zu Babcia Józia und die Schafe

  • hmrhmr Józiku!!!
    Skawica kleines Dorf? wir haben 2 Läden! (einer hat gerade dicht gemacht (einer von den beiden) und ganze 2600 Einwohner, und um genau zu sein liegt Skawica auch nicht nahe Zawoja, sondern ist die Verlängerung davon, was wiederum bedeutet, dass Skawica eigentlich mit zum längsten Dorf Polens gehört, oder etwa nicht?
    Okaj ich lese jetzt weiter das ist mir nur nach den ersten 3 Absätzen eingefallen
    Anonymous(bin ich im Text ja auch)

  • jaja Babciu ich erinnere mich an all die genervten SMSs und an die Stifte, an den Stromausfall… warum lese ich deinen Blog eigentlich wenn du mich eh die ganze Zeit mit allem zuspammst 😛
    Naja so im Text verstehe ich jetzt wenigstens (ohne h) alle Zusammenhänge, soweit das möglich ist.
    Ach und noch was, der Parkplatz wird nicht als Marktplatz genutzt, in Skawica gibt es keinen Markt, aber den braucht auch keiner, es gibt alles im Laden neben an.
    Von Owca wusste ich noch gar nichts, hoffentlich trifft es nie auf Saskias Owca, das gäbe bestimmt eine schlimme Verschwesterung…
    trzymaj się
    Emilka

  • Ach ja, ausgerechnet du … Mit gewissen schrägen Ansichten. Wegen dir ändere ich den Beitrag aber nicht. 😛

  • Ohh. Das müssen wir doch gleich mal durchführen, bringst mich da auf eine gute Idee. Spätestens auf dem letzten Camp, da Poznań ja so weit weg ist, am anderen Ende der Welt … Vorausgesetzt, die Welt liegt (wie in deiner Weltanschauung) in der Verlängerung Zawojas, also Skawica. Aber so gesehen müsste dann Piekary eine Verlängerung von Rączna sein, und in der anderen Richtung von Liszki, was wiederum die Verlängerung von Kryspinów wäre, was an Bielany angrenzt, was wiederum zu Krakau gehört, also gehört Piekary auch zu Krakau?! Das erkläsrt dann aber nicht die Tatsache, dass auf den Nummernschildern hier KRA draufsteht, nicht KR. KRA ist das Kennzeichen für Krakau- Umland, KR für Krakau (nur falls irgendwer den Zusammenhang nicht ganz versteht). Wessen Weltanschauung hat also ein kleines Logikproblem (die Katzentheorie, die zweite), die von dir oder die der Ämter?
    (Habe übrigens mit Freude festgestellt, dass du wieder deine „richtige“ E- Mailadresse nutzt. :P)

  • also von hieraus gesehen ist Piekary Krakau ach und an nSkawica grenzt Białka und dann kommt Marków danach Sucha aber so weit gehen wir lieber nicht, denn dann wuerde ja der Status als dass laengste Dorf verlohren gehen Sucha ist ja eine Stadt und ich glaub Markow…
    jaja das ist aus Datenschutzgruenden meine Anonymusadresse
    Emilka

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>