Heutiges Thema in PO: Schiessuebungen

Hallo,

diesmal schreibe ich schon nach recht kurzer Zeit wieder, wenn man bedenkt, dass mein letzter Beitrag erst anderthalb Wochen her ist…

Heute ist der 11.11.2012. In meiner Schule in Deutschland wuerde, wenn heute nicht Sonntag waere, mit einem grossen Trara der Beginn der Faschingszeit gefeiert werden. Es ist naemlich in meiner Region recht populaer, in eine Kleinstadt namens Wittichenau zu fahren, um dort dem Faschingstreiben zuzusehen. 😉

Aber genug, zu Deutschland, kommen wir zu Polen, denn auch hier hat dieser Tag eine wichtige Bedeutung, wie ich auch schon im letzten Beitrag erwaehnt hatte: Nationalfeiertag! Oder Święto Niepodległości, in etwa der Tag der nationalen Befreiung. Laut Wikipedia und dem Rest, den ich ueber die Geschichte dieses Tages weiss, wurden am 11.11.1918 deutsche Truppen von polnischen Soldaten n Warschau entwaffnet und die damalige Regierung legte die Staatsgewalt in die Haende von Józef Piłsudski. Damit endete die Zeit ohne einen echten polnischen Staat und Polen wurde unabhaengige Republik.

Schon seit Tagen konnte man die Vermehrung der weiss-roten Flaggen mit dem weissen Adler (vorausgesetzt, das Wappen war mit auf den Flaggen abgebildet) mit der Krone auf rotem Grund beobachten, insbesondere in den groesseren Strassen Krakaus und dort, wo sich wichtige Institutionen wie Aemter, Behoerden oder Schulen befanden. Der Schriftzug der Galeria Krakowska (das ist ein grosses Einkaufszentrum, vor dem jetzt auch eine Eisbahn aufgebaut wird) am Haupteingang wurde mit gleich vier Flaggen geschmueckt. Sogar Strassenbahnen bekamen einige dieser kleinen Autoflaggen ab, nichts wird vergessen. Hier in Piekary gibt es nicht so viele davon, aber dennoch einige und manche auch gleich mehrere.

In meiner Schule findet heute ein „Marsz Niepodległości“ statt, also laufen die Schueler mit Flaggen um Piekary herum und singen patriotische Lieder. Ich habe mich nicht angemeldet, obwohl es durchaus lustig klingt. Dennoch, was bringt es mir, mit Kopfschmerzen herumzulaufen und die Lieder nicht mitsingen zu koennen? Also habe ich die Liste einfach weitergegeben.

Auch in Krakau werden wohl heute viele Lieder auf dem Rynek, dem Marktplatz gesungen und von einer anderen Austaschschuelerin, die in Krakau wohnt, habe ich erfahren, dass viele Strassen gesperrt sind und die meisten Strassenbahnen und Busse eine andere Strecke fahren und teilweise auch die Fahrtzeiten geaendert sind. Die Geschaefte sind, anders als an normalen Sonntagen, durchgehend geschlossen (zum ersten Mal waehrend meiner bisherigen Zeit hier in Polen), was zunaechst fuer etwas Verwirrung gesorgt hatte, denn aus Deutschland bin ich es nicht gewoehnt, einen Nationalfeiertag am 11. November zu haben, und dass dort die meisten Geschaefte sonntags geschlossen sind, habe ich schon wieder vergessen. Es ist einfach praktisch, wenn man in einen Laden gehen kann, wenn man etwas braucht, und sei es an Sonntagen. Es mag seltsam sein, dass dies ausgerechnet in Polen, in diesem katholischen Land, der Fall ist, aber es ist so. 😉

Vielleicht zu meinen Kopfschmerzen: Wir, also ein paar andere Austauschschueler und ich, waren gestern im Park Wodny, dem groessten Aquapark Polens, den wir bei einem Kinobesuch ganz zufaellig entdeckt hatten (wir wussten von seiner Existenz, aber nicht, wo genau er stehen soll), und haben dort saemtliche acht Rutschen ausprobiert. Das Problem war nur, dass diese ziemlich schnell sind (bei einer wurde die Durchschnittsgeschwindigkeit mit 6,9m/s angegeben) und auch recht viele Kurven hatten. Ich hatte Pech und habe mir, obwohl ich im Liegen gerutscht bin, den Kopf angeschlagen und habe jetzt regelmaessig Kopfschmerzen, wenn ich an diese Stell komme. Etwas unangenehm, aber den Spass war es wert. Ausser den vielen (und wirklich empfehlenswerten Rutschen, auch wenn die nichts fuer jedermann sein moegen und teilweise erst ab 13 Jahren freigegeben sind) Rutschen gab es auch zwei Volleyballfelder im Wasser (!!!), einen Basketballkorb und ein Handballtor, eine Kletterwand, Whirlpools, Wellenbecken usw… Alles was einem Spass machen koennte, wenn man in den groessten Aquapark Polens kommt. Und die 28 zł (7€, recht teuer fuer ein polnisches Schwimmbad) fuer die zwei Stunden waren es auch wert, zumal wir nicht einmal etwas nachzahlen mussten,obwohl wir zu spaet wieder aus dem Bad kamen. Ich kann einen Besuch nur empfehlen, wenn mal einer von euch nach Krakau kommt.

Und jetzt zum Thema der Ueberschrift! Ich weiss, dass ich die Angewohnheit habe, dass ich die Ueberschrift erst ganz zum Schluss wieder aufgreife… Aber egal.

PO- das ist das Fach, dass man vielleicht mit „Erste Hilfe“ ueberschreiben koennte, aber es ist mehr als das, wie ich jetzt feststellen konnte. Nach dem neuen Lehrplan, der fuer die diesjaeehrigen ersten Klassen des Lyzeums gilt, heisst dieses Fach EB, in etwa „Edukacja o Bezpieczeństwa“ (ich weiss nicht, ob das die korrekte Langform ist, aber das ist auch egal), was man mit „Sicherheitslehre“ uebersetzen koennte.

Am Freitag also in der ersten Stunde meinte unsere stellvertretende Schulleiterin, dass wir unsere Taschen alle an die Seite in den Raum stellen sollten und dann gingen wir zu einem anderen Raum. Niemand hatte mir gesagt, was folgen wuerde, also war ich nach dem allmorgendlichen Gebet (diesmal auf dem Gang) ziemlich ueberrascht, als sich hinter der Tuer und noch einer weiteren auf einmal ein Schiessstand auftat. Warum befindet sich in einer katholischen Schule mit einem Priester als Direktoren ein Schiessstand? Wie ich spaeter hoeren konnte, weil dies das Hobby unseres Direktors, eben jenem Priesters ist. Na schoen.

Jedenfalls erklaerte uns die Lehrerin noch einmal kurz, wie man mit einem dieser Gewehre umgeht und dann ging es los. Jeder sollte drei Schuesse auf eine auf Papier aufgedruckt Zielscheibe abgeben und bekam dann eine Note darauf. Ich hatte das noch nie gemacht, also brauchte ich einige Extraerklaerungen, die meine Lehrerin in einem bemuehten Englisch hervorbrachte, obwohl sie wohl kein Englisch spricht. Aber ich verstand dennoch alles und begann mit den ersten Schiessuebungen meines Lebens. Gleich am Anfang, nach dem ersten Versuch, bekam ich eine 4+, eine ziemlich gute Note. Theoretisch muesste dies der 3 in Deutschland entsprechen, aber die 6, die Entspechung der deutschen 1, kann man hier normalerweise nicht bekommen, sodass die 5 die beste Note ist. In den Prozenten wird es auch so angegeben: 91-100% -5. Eine 6 kann man sich hoechstens durch eine riesige Zuarbeit, meist freiwillig verdienen. Wenn es denn ueberhaupt geht.

Spaeter hatte ich noch einen Versuch und meine Lehrerin meinte, weil ich recht nah an die Mitte getroffen hatte (obwohl ich meine Brille vergessen hatte- ich brauche sie normalerweise nicht, weil nur ein Auge schlecht ist, aber mit diesem erkenne ich dann auch wirklich nicht viel auf groessere Entfernungen- und es war natuerlich das rechte, das man zum Anvisieren nimmt…), gaebe sie mir dann einfach das bdb, das bardzo dobrze, also die 5. Es war sehr interessant fuer mich, denn auch eine andere Austauschschuelerin aus Italien, die auf meine Schule geht, war sehr erstaunt, dass wir hier in der Schule Schiessen lernen. In Deutschland waere das unmoeglich! Als Bestandteil des Unterrichts! Und in der ersten Klasse hatten sie gleich mehrere Stunden, in denen sie das gemacht haben. So lernen sie also Dinge zur Verteidigung… Und manchmal kann man auch an einem Jahr teilnehmen, in dem ma sozusagen Soldat ist, als Bestandteil der Schulbildung. Meiner Meinung nach ist das in Deutschland unvorstellbar.

Gut, das war es auch schon wieder fuer heute und viele Gruesse fuer alle Daheimgebliebenen, Gastfamilien, Hopees, Awayees und Rueckkehrern von mir aus Polen!! 😉

Josefine

 

 

 

 


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