Feiertage und andere Kleinigkeiten

Hallo,

da bin ich wieder mit einem Blogeintrag aus Polen, dem schoenen Land gleich nebenan.

Heute ist der 02. 11., also der Tag nach Allerheiligen oder Wszystkich Świętych, wie es auf Polnisch heisst. Keine Schule – weil es auch hier Brueckentage gibt. Meine Gastschwester wollte mir anfangs noch erklaeren, warum wir frei haben und dass es doch viel logischer sei, das Wochenende zu verlaengern usw., bis ich es nach 5 Minuten geschafft habe, ihr mitzuteilen, dass es das durchaus auch in Deutschland gibt. 🙂

An Allerheiligen geht man hier in Polen in die Kirche (so wie eigentlich jeden Sonntag), betet und dann geht man auf den Friedhof, um verstorbenen Angehoerigen zu gedenken und Kerzen abzustellen. Wir waren frueh in der Kirche und dann sind wir erst mal nach Hause gefahren, weil auf dem Friedhof zu viele Leute waren. Man stelle sich das Gedraenge vor: Ein recht kleiner Friedhof, voller Graeber, sodass schon ausserhalb des Friedhofs ein kleinerer weiterer liegt, dazwischen kaum Platz zum Treten. Und dann hunderte Menschen dort!

Wir fuhren schliesslich am Abend hin, nachdem es dunkel geworden war. Ich habe hier keine Gastmutter, da sie vor zwei Jahren gestorben ist. Wir fahren eigentlich jede Woche Sonntag direkt nach der Kirche nach Liszki zum Friedhof, um dort die Kerze neu anzuzuenden, die so ziemlich genau eine Woche brennt und in einem seltsamen Glasbehaelter steht. Man kann die hier ueberall kaufen, insbesondere zu Allerheiligen, da haben sie sogar einen regelrechten Markt mit den Dingern vor dem Friedhof veranstaltet. Es sind die polnischen Pendants zu den Grabkerzen in Deutschland.

Auf jedem Grab also standen viele Kerzen, mindestens drei, manchmal auch zehn oder mehr, und in der Dunkelheit konnte man den Lichtschein dieser vielen (sicher ueber tausend auf dem gesamten Friedhof) Kerzen schon vom Parkplatz aus sehen. Es sah wundervoll aus, und mich hat persoenlich am meisten beeindurckt, dass wirklich auf JEDEM Grab Kerzen standen. Niemand wurde also vergessen. Die Atmosphaere, die herrschte, ist unbeschreiblich. Es war ruhig ueberall und gleichzeitig hatte man den Eindruck, man sei auf einem Volksfest und nicht auf dem Friedhof. Es war weder laut noch hektisch oder so etwas, aber so kam es mir vor. Etwas seltsam, ehrlich gesagt.

Spaeter, wieder zu Hause, haben wir uns schliesslich ueber Weihnachtsbraeuche in meiner Gastfamilie unterhalten. Sie sind recht traditionell, also duerfte das, was ich erfahren habe, mit kleinen Abweichungen auf so ziemlich jede polnische Familie zutreffen.

Zu Weihnachten fahren wir wieder nach Krosno zu meiner Gasttante und meinem Gastonkel  und auch zur Babcia, also meiner Gastoma. Ich war dort bereits und es war toll. 🙂

An Heiligabend isst man ueber den ganzen Tag nichts und bereitet das Essen fuer den Abend zu. Alle helfen mit, es gibt ja immer etwas zu tun. Sobald der erste Stern am Himmel steht, setzen sich alle an den Tisch, der fuer eine Person mehr gedeckt ist, als wirklich da sind (es koennte ja noch ein Gast kommen) und ein 12-gaengiges Essen beginnt. Als wir davon sprachen, wurde mir klar, dass ich absolut nicht weiss, wie ich diesen Tag ueberleben soll und meine Gastschwester begann stattdessen von dem genialen Essen ihrer Grossmutter zu schwaermen. Piroggen mit einer Mandel- wer die Mandel hat, hat das ganze naechste Jahr ueber Glueck. Ich kenne inzwischen die Geschichte von Zuzia (meine Gastschwester), die zwei Jahre hintereinander diese Mandel hatte und im dritten Jahr viiiele viiiele Piroggen gefuttert hat, anschliessend noch ein paar auf ihren Teller gepackt hat und einer von diesen wurde von ihrer Cousine Kasia gestohlen. Dieser enthielt die Mandel!

Ich werde nach Weihnachten noch einmal auf alle Braeuche zurueckkommen und schreiben, was mir noch so aufgefallen ist. 😉

Naechste Woche ist Święta Niepodlegości, der Nationalfeiertag Polens. Schon jetzt kann man manche Flaggen wehen sehen, und naechste Woche wird es wohl an fast jedem Haus zu sehen sein. Ich bin gespannt, ob meine Gastfamilie auch im Besitz einer Flagge ist 🙂

Manchmal ist es hier sehr lustig Deutsch zu sprechen. Heute waren wir (also ein paar andere Austauschschueler und ich) im Wawel und haben uns die dortige Ausstellung angesehen, weil der Eintritt aus irgendeinem Grund im November frei ist. Urspruenglich wollten wir ins Archaeologie- Museum gehen, aber das hatte aus unerfindlichen Gruenden geschlossen. Kurz entschlossen gingen wir also in den Wawel… Und sprachen dann dort ueber die Exponate. Die Ausstellung war in Polnisch und in Englisch, und als wir vor dem Modell eines Backofens standen, wusste keiner, was bitte ein „Stove“ sein  sollte. Also probierte ich es mit der polnischen Variante der Beschriftung: „Piec“. „Aha; Backofen!“, uebersetzte ich dann und hinter uns kam ein Mann  hervor, ging herueber zu seiner Freundin und meinte: „Piec: Backofen po niemiecku!“ (Piec: Backofen auf Deutsch!). Es war schon lustig, weil das nun mal niemand erwartet hatte.

Spaeter ging ich zusammen mit einer anderen Austauschschuelerin aus Deutschland, die in Krakau wohnt, zur Strassenbahnhaltestelle (das ist uebrigens eines der Killerwoerter, die man zu einem Polen sagen kann, wenn der sich nach einem langen deutschen Wort sehnt, genauso wie Schaedlingsbekaempfungsmittel) am Plac Wszystkich Świętych, und wir unterhielten uns auf Deutsch. Es ging darum, dass sie noch mit mir auf die Strassenbahn warten wuerde und bis zur Haltestelle mitkommen wuerde. Auf einmal sagte ein Mann, der an der Seite stand: „Ja, genau, bis zur Strassenbahn…“ Aber auf Deutsch, und sogar ziemlich akzentfrei, das war das, was uns am meisten wunderte.

Dann stieg ich in die falsche Strassenbahn ein, verpasste die richtige in Richtung Salwator, wo auch mein Bus, die 249, abfuhr, verpasste den auch noch und hockte dann eine halbe Stunde in Salwator rum, auf irgendeinen Bus wartend, der mich nach Piekary bringen koennte. Natuerlich gehoerte der naechste Bus nicht zu MPK Kraków, sondern zu Malbus, und ich hasse diese Busse. Sie sind klein (etwa so gross wie ein Van), durchgehend ueberfuellt, einfach grausam zu allen Mitfahrenden, weil sie ueber die nicht gerade guten polnischen Strassen ruckeln und holpern, und man muss hoellisch aufpassen, wann man aussteigen will, denn das muss dem Busfahrer gesagt werden. Einmal habe ich das nicht getan und musste in voelliger Dunkelheit zwei Kilometer nach Hause laufen. Es war graesslich. Aber heute habe ich es doch tatsaechlich geschafft, auszusteigen- und dazu noch an der richtigen Station. Busfahren in Polen ist eben ein richtiges Abenteuer. 🙂

Mein Polnisch wird langsam besser- ich lerne von Tag zu Tag mehr und kann inzwischen schon mehr als zwei zusammenhaengende Woerter herausbringen, obwohl es mir manchmal selbst vor meiner Grammatik und Ausdrucksweise graut. Aber es wird sich bessern, denke ich. Meine Gastfamilie freut sich nur, dass ich so schnell lerne- ich auch:)

Eine kurze Episode noch aus Pizza- Hut: Wir waren in einer Pizzeria essen und wurden ganz am Anfang gefragt, fuer wie viele Personen wir einen Tisch wollen. Eine Austauschschuelerin aus Italien meinte noch bevor irgendjemand etwas anderes sagen konnte: „Nie mówimy po polsku.“ (Wir sprechen kein Polnisch), wie immer. Doch das war nur der Beginn. Aus irgendeinem Grund war die Kellnerin sehr interessiert an uns, also stellten wir uns vor, sagten, wir seien Austauschschueler vom AFS und bestellten schliesslich unsere Pizza. Am Ende bekamen wir Sosse umsonst, machten ein Foto mit der Kellnerin, und sie schrieb uns einen Zettel, auf dem sie uns fuer den Besuch und „diesen schoenen Tag in ihrem Leben dankte“. Wir gaben ihr ein bisschen Trinkgeld und steckten in dieses Maeppchen, in das das Geld kommt, noch einen Zettel mit unseren Vornamen, unseren Laendern, einem „Dziękujemy bardzo“ (Wir danken sehr, woertlich uebersetzt) und einem „Reszta dla Pani“ (Im Prinzip „Stimmt so“, beim Trinkgeldgeben). Sie hat sich sehr gefreut und wir haben sie wohl sehr gluecklich gemacht. 😉

Mehr gibt es erst mal nicht zu sagen- ausser, dass Polen ein tolles Land ist 🙂 Aber das sagt wohl jeder Austauschschueler ueber sein Gastland. 😉

Viele Gruesse, Josefine

 


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