Das große Erlebnis…

Hallo Leute!

Nach (nur?) zwei Wochen Pause hier wieder Neuigkeiten von mir aus dem schönen Lettland! Letztes Wochenende (13. bis 15. 10.) fand das Post-Arrival-Camp für Lettland statt. Alle Schüler, die dieses Schuljahr mit AFS hier verbringen, trafen sich dort wieder – nachdem wir uns nur flüchtig im Arrival-Camp kennengelernt hatten. Und das Beste daran: das Ganze fand in Inčukalns statt, sodass ich nicht einmal einen langen Weg zurückzulegen hatte. Andere – arme Teufel – mussten jedoch teilweise um 4:30 Uhr am Freitag aufstehen, um mit dem Bus nach Rīga und von dort nach Inčukalns mit dem Zug zu kommen. Ich wartete indes gemütlich auf die anderen am Bahnhof.

Das Gefühl, die anderen wiederzusehen, war unbeschreiblich. Es waren dabei weniger die einzelnen Personen, aber die Gemeinsamkeit, die uns alle verband – Ausländer in einem fremden Land zu sein – welche ein inniges Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkeit schuf. Es ist mir unmöglich, zu beschreiben, wie genau dieses Gefühl aussah. Aber ich kann nur sagen, dass es großartig ist Venezuelaner, Mexikaner, Thailänder, Italiener, Türken, Deutsche, Belgier und Australier (ich hoffe, ich hab kein Land vergessen…) zu treffen, die alle eins gemeinsam haben: hier fremd zu sein. Und die sich alle gerade in neue Familien und neue Gewohnheiten halbwegs eingelebt haben, die so viel zu erzählen hatten (und denen man so viel selbst erzählen konnte). Genau das ist wahrscheinlich sogar eine der besten Dinge in diesem Jahr: diese verschiedenen Kulturen zu sehen, wie sie alle dieselbe andere Kultur auf natürlich völlig unterschiedlichen Arten erleben.

Aber zruück zum Camp an sich. Wie schon erwähnt, fand es direkt vor meiner Haustür statt (ich werde nicht müde, das zu erwähnen), in einem gemütlichen Gästehaus. Weniger gemütlich waren die Betten, die durch aneinandergereite Matratzen auf dem Boden repräsentiert wurden… Naja, toll auf jeden Fall die relaxte Stimmung zwischen uns Austauschschülern und den Betreuern, den AFS-Volunteers, super das Wiedersehen, wie schon gesagt. Das Programm bestand größtenteils aus dem Austausch über eventuelle Schwierigkeiten, wie man sich eingelebt hat, über das Zurechtkommen mit Gastfamilie und Schule, und und und. Natürlich fehlten auch die allseits unbeliebten Energizer nicht, wobei sich (meiner Meinung nach glücklicher Weise) die Volunteers dieses Mal zurückgehalten haben. (Denn die Energizer haben meist zu tun mit seltsamen Bewegungen oder Tänzen und lautem Ausrufen bestenfalls sinnloser Texte.) Auch ein Lettisch-Test (beziehungsweise Russisch für in russischen Gastfamilien Lebende) stand auf dem Plan, der allerdings erwartungsgemäß relativ leicht war.
Einer der Höhepunkte war sicherlich die Länderpräsentation, in der jeder von uns Austauschschülern eine kleine Präsentation über sein Heimatland durchführen sollte. Wir Deutschen haben zuerst von den anderen Vorurteile über Deutschland gesammelt und diese dann in einem kleinen Sketch verarbeitet, der sehr gut ankam. Die Thailänder haben mit einem Tanz und kleinen Sprachexkursionen ihr Land vorgestellt, der Mexikaner hatte einen Film zusammengeschnitten mit Videos und Bildern aus seiner Heimat, Mexiko City, und so weiter.

Für mich bedeutete das Wochenende auch meine erste Sauna, der man in Lettland ja unausweichlich begegnet, und anschließend unter die kalte Dusche… Das tat gut! (Eigentlich machen die das hier mit einem kleinen Pool oder im Winter legen sie sich auch in den Schnee, aber beides war da nicht vorhanden, sodass wir mit der Dusche „vorlieb nehmen“ mussten. Auf jeden Fall war es aber ein tolles Erlebnis.
Dass heißt, positive Erinnerungen bleiben nach diesem Wochenende und auch die Aussicht auf ein Wiedersehen aller bei einer Exkursion im November.

Den Schluss möchte ich an alle die richten, die noch vor der Entscheidung stehen, ein AFS-Auslandsjahr zu „wagen“ oder nicht (falls es solche gibt, die den Blog hier lesen): Dass ich euch dazu raten würde, ist ja klar, aber einen der Gründe findet ihr hier in diesem Artikel, nämlich das Wiedersehen der verschiedenen Kulturen, die Begegnung mit all den Jugendlichen aus aller Welt, die, genau wie du, neu in diesem Land sind. Die alle dieselben Gefühle haben wie du, Heimweh, Kopfschmerzen oder was auch immer, und dir helfen können, eben weil sie dasselbe „durchmachen“.
Ich denke, dass ist es, was als eine der positivsten Erinnerungen an mein Auslandsjahr bleiben wird.

Ich hoffe, ich war nicht zu verwirrend mit meinem Versuch der Schilderung. Ich kann nur noch einmal betonen, dass diese Begegnung unglaublich war, obwohl dieses Wort gleichzeitig zu wenig und zu einseitig das genaue Gefühl beschreibt.
An dieser Stelle sage ich lieber: „Bis zum nächsten Mal“, bevor ich mich noch mehr in meinen Worten verwickle.

Liebe Grüße,

Felix aus Lettland


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