Wo liegt Narnia??

Hej,

zum einmonatigen Bestehen meines Auslandsaufenthaltes…

Naja, vielleicht nicht gerade der richtige Ton. 😉 Aber so etwas in der Art, denn immerhin bin ich wirklich schon 4 Wochen in Polen, das ist etwas.. unglaublich. Die Zeit vergeht so schnell. Da geht man montags in die Schule und denkt ‚Oh nein, schon wieder die und die Faecher, eine ganze Woche frueh aufstehen…‘ und dann ist schon wieder Freitag und man weiss gar nicht so richtig, wo die Zeit geblieben ist.

Wenn es das ganze Jahr so geht… Dann bin ich ja uebermorgen sozusagen schon wieder in Deutschland. Dabei will ich doch gar nicht!! Jetzt, nach vier Wochen, kommt mir Polen mehr wie ein Zuhause vor und ich merke, wie sehr ich mich bereits eingewoehnt habe. Natuerlich war es ein komisches Gefuehl fuer mich, am letzten Sonntag meine Tasche zu packen, obwohl das fuer alle anderen normal war (dazu spaeter mehr). Aber alles andere… Es fuehlt sich nun ganz anders an, wenn ich nach der Schule nach Hause komme als noch vor zwei Wochen. Und ich erwische mich immer wieder, wie ich von „unserem Haus“ und so weiter erzaehle, waehrend ich noch vor eben jenen zwei Wochen „das Haus meiner Gastfamilie“ gesagt haette.

Sicher liegt es auch daran, dass ich jetzt wirklich begonnen habe, Polnisch zu sprechen. Ich kann zwar nicht allzu viel sagen und bin eigentlich die meiste Zeit damit beschaeftigt, meine Gastschwester nach den richtigen Woertern und Zeitformen zu fragen, aber manche Dinge klappen schon ganz gut (wie mein absoluter Lieblingssatz: „Jestem zmęczona cały czas- bo jestem Niemką“- Ich bin immer muede, weil ich eine Deutsche bin. Ein kleiner Joke am Rande..;)). Jetzt haben die AFSer hier auch beschlossen, unseren Polnischkurs zu intensivieren (statt zwei- nun dreimal pro Woche) und vielleicht lerne ich dann endlich mal etwas, was ich nicht schon in Deutschland gelernt habe und damit kann. (Okay, die anderen brauchen diese Stunden, wenn ich ehrlich bin)

Das letzte Wochenende habe ich in Krosno verbracht, bei Verwandten meiner Gastfamilie. Es war sehr schoen, den ganzen Tag im Garten zu sitzen, neben dem Kamin, viel zu reden und zwischendurch mal mit dem Hund zu spielen. Allerdings muss ich sagen, dass ich noch nie im Leben so viel gegessen habe wie an diesen zwei Tagen!! (Und ich esse eigentlich recht viel…) Allerdings wurden wir auch auf unserem Arrival- Camp vor polnischen Omas gewarnt… 😉

Die letzte Woche war ich mit meiner Gastschwester in einem Englischcamp von der Schule aus. Eigentlich duerfte ich gar nicht mitfahren, weil das nur fuer die 1. Klassen ist und ich in die 2. gehe, aber mein Gastvater wollte nicht, dass ich die ganze Woche alleine zu Hause bin und so habe ich die AFS- Leute hier in Polen gefragt und sogar der Schulleiter meinte, es waere kein Problem (allerdings vermuten alle, dass er mich mag…) und so bin ich mitgefahren. Fuenf Tage Łazy, ein Dorf im Nirgendwo, in der polnische Praerie, zusammen mit einer Klasse, die ich so gut wie gar nicht kenne. Klingt verrueckt, aber ich habe mein Lebensmotto in „One crazy thing every day“ und das gehoerte definitiv dazu.

So, jetzt vielleicht zu der Frage in der Ueberschrift „Wo liegt Narnia?“. Wir meinen es nun gefunden zu haben. Es liegt in Polen!!

Zur Erklaerung: Ein paar Freunde meiner Gastschwester haben mit mir geredet und wir haben uns ueber Polen unterhalten. Es war ein sehr interessantes Gespraech, eingeleitet mit der Frage: „Und, wie findest du es in Polen?“, wie alle Gespraeche dieser Art. Schliesslich meinte eines der Maedchen: „Weisst du, wir glauben ja, dass Polen Narnia ist. Es ist naemlich so, dass so ziemlich alle Merkmale zutreffen. Niemand weiss, wo es ist. (Narnia und Polen;)) Es ist ein bisschen hinter der Zeit zurueckgeblieben. UND- Es passieren seltsame Dinge.“ Ich wollte es anfangs nicht glauben. Aber nun denke ich schon anders darueber 😉

Das Hostel, in dem wir waren, war billig- okay, aber es schien sich seit den 1980er- Jahren nicht weiterentwickelt zu haben. Man hatte wirklich das Gefuehl, in einem Krankenhaus oder vielleicht eher in einer Psychatrie aus dem Jahr 1980 gelandet zu sein. Oder Kaserne. (Dazu passen auch die Soldaten, die im Hof gezeltet haben und irgendein Ausbildungslager hatten). Die Metall- Doppelstockbetten waren vielleicht 70cm breit und das war es auch schon, sogar die Decken waren zu gross… Ueber die Duschen wollen wir nicht reden. Mal waren sie kalt, mal warm, eine ging nach 30sec immer wieder aus und sie waren immer dreckig, wenn die Soldaten duschen waren. Und das waren sie immer, bevor wir gingen. 😉 So viel also zu „hinter der Zeit zurueckgeblieben“.

Aber was solls, umso lustiger war es, diesen Umstaenden etwas Positives abzugewinnen. Unsere Englischlehrerin nannte es ganz einfach „Survival Camp“ und das war es! Treffender ging es an sich kaum. Jeden Tag hatten wir fuenf Stunden Englisch und abend haben wir entweder „Mafia“ (das polnische Pendant zu „Werwolf“) oder irgendwelche anderen Dinge gespielt („Warum grunzt du mich an wie ein Schwein?“- in Deutschland „Liebling, ich liebe dich“) oder geredet („Ich mag dein ‚wiem.'“ „Und ich dein  „Rozumiem to.‘!“ Sie haben es alle sehr geliebt, wenn ich Polnisch gesprochen habe, nachdem ich ihnen nach zwe Tagen klargemacht hatte, dass ich etwas Polnisch kann und recht viel verstehe.). Am ersten Tag waren wir fuenf Stunden wandern, was nicht sehr entspannend war, denn wir mussten fuenf Stunden Huegel hoch und runter laufen. Allerdings gab es auch etwas Lustiges zu sehen: Eine Wiese mit einem perfekt gepflegtem Gartentor, aber es gab keinen Gartenzaun und erst recht kein Haus dahinter. Das war wohl der Eingang zu Narnia! Und das ist wieder eins der seltsamen Dinge, die hier regelmaessig passieren. 😉

Heute bin ich wieder in die Zivilisation zurueckgekehrt (wie meine Gastschwetser es ausdrueckte- ihre erste Handlung war, ins Bad zu rennen und die Zwischenwand zu umarmen, weil wir wieder ein vernuenftiges Bad haben;))

Morgen kann ich ausschlafen und dann wird das Haus geputzt, wie jeden Samstag. So viel zum Alltag, an den ich mich durchaus schon gewoehnt habe und es nicht mehr als neu, sondern richtig als Alltag empfinde. Polen ist mein Zuhause auf Zeit, so wie es aussieht und ich weiss schon jetzt, dass ich es vermissen werde. Wenn ich bei Auto- oder Busfahrten aus dem Fenster schaue und die Landschaft sehe, dann weiss ich, dass mir dort irgendetwas fehlen wird, wenn ich dasselbe wieder in Deutschland tun werde. Ich weiss absolut nicht, was. Aber irgendetwas uebt eine Anziehungskraft auf mich aus, der ich nicht entfliehen kann, selbst wenn ich von Zeit zu Zeit wuensche, einmal kurz durch die Strassen von Hoyerswerda (ausgerechnet dort, wo ich immer wegwollte) zu spazieren, um sie mit den Bildern, die ich manchmal vor mir sehe, zu vergleichen, und dann wieder zurueckzukommen. Das grosse Heimweh ist bis jetzt gluecklicherweise ausgeblieben, aber zwischendurch, in einer eher sentimentalen Phase, sehne ich mich doch schon ein bisschen nach meiner noch vertrauteren Umgebung als hier. Und im naechsten Moment weiss ich, dass es dasselbe sein wird, wenn ich in Deutschland bin und wieder zurueck will… Aber trotzdem fuehle ich mich wohl und angekommen, mit jedem Blogeintrag, den ich hier schreibe, ein bisschen mehr, ein bisschen endgueltiger, was aber wohl noch lange anhalten wird.

Viele Gruesse aus Polen (oder doch eher Narnia??;)),

Josefine

PS: Sorry fuer den langen Text, aber ich bin gerade in einer mitteilungsfreudigen Phase;)


4 Gedanken zu Wo liegt Narnia??

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