Neuer Alltag

Hallo Leute!

Wie versprochen, hier eine Woche nach dem letzten Blog-Eintrag, der hoffentlich einen Überblick über meine neue Schule geben konnte, und einen Monat nach meiner Ankunft nun zum persönlichen Erleben meines neuen Alltags!
Wenn ich sage, ich meistere meinen Alltag ganz gut, dann ist das wohl nicht übertrieben, was aber daran liegt, dass es hier nicht (mehr) viel zu meistern gibt. Weder zu Hause noch in der Schule gibt es Aufgaben, die nicht einfach überwunden werden können, es ist fast schon wie zu Hause in Leipzig: der Alltag fließt alltäglich vor sich hin, mal schneller, mal langsamer, wobei ich sagen muss, dass er nach den ersten beiden Wochen ganz schön an Tempo zugelegt hat und vor allem die letzte Woche regelrecht an mir vorbei gesprintet ist. Eines ist jedoch mitgeflogen und das ist der Sommer. Ich glaube, es gibt hier inzwischen keinen komplett grünen Laubbaum mehr, es regnet gerne und Freitag hatten wir den ersten Morgen unter fünf Grad. Naja, meist ist es nicht so kalt; aber der Herbst ist hier bereits da. Alle sind verschnupft und ich habe mir meine erste lettische Erkältung zugezogen, die ich gerade wieder auskuriere.
Ich habe irgendwie das Gefühl, die Schule geht schneller um als in Deutschland. Selbst in Lettisch gehaltene Schulstunden sind nicht länger als langweilige solche in Leipzig, ich habe mich anscheinend daran gewöhnt, 40 Minuten einfach meinen Gedanken zu folgen. Interessanter ist es, wenn der Lehrer eine Power-Point-Präsentation unterstützend zum Unterricht zeigt. Dann kann ich die Texte lesen und manchmal das eine oder andere lettische Wort mithilfe dem Deutschen oder sonstwelchen Sprachen ähnlichen Wörtern aus dem Kontext verstehen! Aber meistens nicht. Naja, ich mach mir nichts daraus, den groben Inhalt verstehe ich schon meistens und in vielen Fächern bin ich basierend darauf nicht unbedingt erpicht, den Rest auch zu verstehen.
Apropos verstehen: die lettische Sprache hat sich schnell in mein Ohr eingenistet, sie klingt jetzt mehr wie eine Sprache, bestehend aus verschiedenen Wörtern, als wie ein komplettes Wirrwarr verschiedener Silben, wie zu Anfang. Jedenfalls habe ich mich schnell daran gewöhnt, nur Lettisch zu hören und, wie schon gesagt, verstehe bei vielen Unterhaltungen den groben Kern des Gesprächs, alles fügt sich langsam zusammen und es ist sehr interessant, sich dessen bewusst zu sein und zuzusehen, wie eine Sprache langsam im Gehirn ihren Platz findet und sich entwickelt. Es ist als würden die Leute plötzlich anders reden, nicht als würde ich anders denken. Dafür fühle ich mein Deutsch schon bröckeln. Es ist nicht so, dass ich keine Texte mehr schreiben kann, manchmal kommen aus meiner Feder auch hier wunderschöne Zeilen, aber insgesamt habe ich das Gefühl, weniger elegant und klar zu schreiben als in Deutschland. Das mag vielleicht sogar nur ich selber merken, aber was soll auch schon anderes rauskommen, wenn man den ganzen Tag Lettisch hört, Englisch spricht und Deutsch denkt. (Wobei ich auch schon oft in Englisch denke.) Und ab und zu kommen noch Französisch und Russisch dazu. Ab und zu gibt es Situationen, teils real, teils in meinen Gedanken, die so verwirrend sind, dass ich fast anfangen muss, zu lachen. Naja. Ich will mich nicht beschweren, ich finde es immer noch sehr schön hier, eine Luftveränderung, die wohl wirklich tolle Ergebnisse zeigen wird, darin inklusive die neuen Spracherkenntnisse, … wie schon gesagt, ich will mich nicht beschweren.
Auch das Leben in meiner Gastfamilie wird gewöhnlicher, als es zu Anfang war. Für Überraschungen ist sie noch immer gut und da viele Alltäglichkeiten sehr verschieden sind von dem, was ich von Zuhause kenne, ist es auch nicht so, dass ich mich vollkommen an das neue Heim gewöhnt habe, aber es ist halt alles nicht mehr so… anders. Mehr vertrauter.
So, jetzt habt ihr/haben Sie eine kleinen Auszug aus meinem Hirn entnehmen können. Mal sehen, wann ich das nächste Mal schreibe, dauert wahrscheinlich wieder ein bisschen. Bis dahin nehme ich an, die Zeit wird weiterhin schnell unterwegs sein, die Temperatur auch – nach unten – mal sehen, wann die ersten kahlen Bäume auftauchen. Zum Schluss sei noch eins gesagt: Wenn so viele Bäume auf einem Haufen sind wie hier und manche grün, manche gelb, manche rot – das sieht schon echt toll aus!

Grüße an alle, die sie haben wollen (oder auch nicht),

Felix aus Lettland


Ein Gedanke zu Neuer Alltag

  • Mal sehen, was du für einen Akzent hast, wenn ich dich wiedersehe. Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich hier schreiben soll, wollte ich dir doch nur signalisieren, dass sich jemand in der fernen, fremden Heimat für dich interessiert und ich deinen Blog lese.
    Ah, da kommt mir ein Geistesblitz von Frage:
    „Gibt es Fotos?“

    Viele Grüße,
    Hauke Fischer

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