Neues aus dem Nachbarland

Hallo,

hier bin ich wieder mit einem neuen Blog aus Polen. Ich bin jetzt die dritte Woche hier und langsam hat sich so ein gewisser Alltag eingestellt. Also ist es Zeit, wieder ueber Dinge zu schreiben, die mir bis jetzt aufgefallen sind 😉

Vielleicht sollte ich mit der Schule beginnen. Es gibt hier ein paar Dinge, die keinesfalls auf alle Schulen Polens zutreffen, aber wohl auf meine.

Ueber die Schuluniform habe ich ja schon geschrieben. Nun waere also etwas ueber die Durchsagen zu sagen: In jedem Raum haengt so ein Lautsprecher, der nur zu diesem Zweck da ist. Mitten  in der Stunde macht es dann „due-due-due-due“ und der Schulleiter oder die stellvertretende Schulleiterin macht eine Ansage. Nicht immer hat es mit irgendwelchen Unterrichtsstunden zu tun, manchmal sind es nur Treffzeiten irgendwelcher AG’s oder Sportgruppen (oder eben auch: Sport faellt heute Nachmittag aus) oder die Aufforderung fuer die ersten Klassen, sich in der Kirche, die genau wie das Schwimmbad zum Schulgelaende gehoert, zu treffen. Oder wie heute neue Informationen zum Eintritt ins Schwimmbad (mit unserer Kennkarte, die wir fuer das Mittagessen und das Schwimmbad bekommen haben, koennen wir 2mal pro Woche zwischen 19.00 und 20.00 fuer 1zł ins Schwimmbad gehen, also fuer umgerechnet 25ct.)

Oft spricht der Lehrer gerade und ist voll in Fahrt, wenn die Ansage den Unterricht unterbricht, sodass nach der dritten oder vierten (gestern hatte ich 7 Stunden und in 6 davon gab es Durchsagen) meist nur noch ein genervter Blick in Richtung Lautsprecher folgt un der Unterricht nur so kurz wie moeglich unterbrochen wird.

Eine naechste Absonderlichkeit ist die Pflicht, Hausschuhe zu tragen. Das ist nur in meiner Schule so… Aber es sorgt fuer Erheiterung, wenn die Schueler mit ihren Uniformen und den Rucksaecken und Taschen und flauschigen Pantoffeln durch die Gaenge des Lyzeums stiefeln. Es gibt einige wenige Schueler, die diese Hausschuhtragepflicht mit Kreativitaet ausnutzen und sehr fantasievolle Exemplare tragen.

Dienstags trifft sich die ganze Schule in der Aula zur GD, eine Stunde, in der die Priester, die auch Lehrer sind (mein Religionslehrer zum Beispiel, bei der Essensausgabe steht er immer hinter dem Tresen und grinst jeden an, der sein Essen abholt- warum auch immer.), die mit den Schuelern ueber irgendein Thema reden. Einmal im Monat findet diese Stunde in der Kirche statt.

In der zweiten Stunde dieser Art, GW, eine Klassenleiterstunde, gibt es Zeit fuer Ankuendigungen fuer meine Klasse oder Besprechungen. Wenn es nichts zu sagen gibt, beschaeftigt sich jeder selbst.

Das mache ich sowieso die meiste Zeit im Unterricht, da die Lehrer selten Dinge an die Tafel schreiben. Also lerne ich Polnisch oder sitze einfach nur still da und versuche, dem Unterricht zu folgen. Faecher, in denen ich aus verschiedenen Gruenden mitarbeiten kann, sind Geschichte (der Lehrer macht PowerPoint- Praesentationen, wenn nicht gerade der Strom ausfaellt), Mathe, Physik, Deutsch (das ich meist zum Polnisch- Lernen nutze), manchmal Geografie und Englisch. Musik und Kunst habe ich nicht, das hat man in Polen nur in der Grundschule. Leider.

Heute war Stromausfall, also fiel die Haelfte meiner Geschichtsstunde weg, gab es kein Licht im Speisesaal und die Lehrer konnten nicht nachpruefen, ob alle da sind. Das wird vor jeder Stunde mithilfe eines Computerprogramms abgefragt, und dann wird ein Haekchen hinter den Namen der Person gesetzt, wenn sie laut und deutlich „Jestem“ (ich bin da) gesagt hat. Zu unser aller Erheiterung funktionierte die Klingel nicht, sodass der Portier mit einer kleinen Glocke durch die Schule gehen musste, wenn die Stunden begannen oder endeten. Es klang ein bisschen wie Weihnachten im September. 😉

Aufstehen muss man, wenn ein Lehrer in den Raum kommt, und sei es, er will seinen unterrichtenden Kollegen etwas fragen. Wenn er den Raum wieder verlaesst, stehen alle noch einmal auf- das zeugt von dem groesseren Respekt in Polen gegenueber Lehrern im Vergleich zu Deutschland. Genauso wichtig ist es, dass man nicht widerspricht oder Aufgaben infrage stellt. Das musste mir Oskar, ein Junge aus meiner Klasse, der ein Jahr in Deutschland war, erst einmal erklaeren und es ist noch gewoehnungsbeduerftig fuer mich.

Was mir immer wieder auffaellt, sind die vielen freilaufenden Hunde auf der Strasse. Es ist nicht so, dass die niemanden gehoeren, aber viele Gartentore stehen offen oder exestieren erst gar nicht, sodass die Hunde kommen und gehen koennen, wie sie wollen. Erstaunlicherweise habe ich auch erst einen ueberfahrenden Hund gesehen, und das, obwohl hier alle Leute in einem Affenzahn die schmalen Strassen langbrausen, dass man richtig Angst dabei bekommt. Das laendliche Polen ist nichts fuer Leute, die Angst vor Hunden haben, hier hat fast jeder einen. Oder Huehner (die auch frei rumlaufen, in Ermangelung von Gartenzaeunen).

In der Stadt muss man, wie in jeder anderen Grossstadt auch, dann nur noch vor Tauben Angst haben und am Marktplatz und in der Altstadt Krakaus den Pferdekutschen Platz machen, die Touristen durch die Gegend befoerdern. 😉

So. Ueber die lustige Milch habe ich ja schon geschrieben (jetzt haben wir welche mit 1,5% Fett, wie normal, das ist ja langweilig) und das war es erst mal mit neuen Informationen aus Polen.

Ach ja, im polnischen Fernsehen sind die Filme nicht so perfekt synchronisiert wie im deutschen. Man kann also noch die Ursprungssprache hoeren und so kann ich manchmal sogar etwas verstehen. Lustig ist es nur, wenn die „Nimm2“- Werbung kommt- „Nimm dwa“, heisst das hier auf Polnisch und meine Gastschwester war ueberrascht, dass wir das in Deutschland haben und es glaube ich, auch aus Deutschland kommt (warum sonst das „Nimm“?). 😉

Viele Gruesse, Josefine


2 Gedanken zu Neues aus dem Nachbarland

  • Hey Josefine,
    echt unglaublich, wenn man deinen Blog liest und sich einfach mal komplett nach Polen zurückversetzt fühlt;-)
    Du wirst noch so viele Unterschiede und Gemeinsamkeiten das ganze Jahr über entdecken, dass du sie alle gar nicht festhalten kannst, aber ich finde es trotzdem total spannend, Neuigkeiten aus Piekary und LORN zu hören. Hört sich so an als hätte sich dort nicht viel geändert! Okay, ihr seid viel mehr Austauschschüler als wir damals (nur 4 insgesamt, alle aus Deutschland) 😉

    Deine Geschichtsstunden hören sich übrigens ganz stark nach Pan Perlinski an, lieg ich da richtig? Der war nämlich mein Klassenlehrer und der coolste und lässigste Mensch überhaupt;-)
    Also, ich wünsch Dir nur das Beste für dein Auslandsjahr, nimm alles mit, was du nur mitnehmen kannst und genieß es! Ich glaub alle die mal dort waren, beneiden dich und vermissen es!
    Trzymaj sie dobrze i pozdrowienia z Niemiec!
    Judith

  • Hej,
    ja, ich habe Geschichte mit Pan Perliński, es ist sehr interessant mit ihm.. und ich verstehe das meiste;). Ja, da muss ich dir recht geben. Obwohl meine Englischlehrerin, Pani Kuriata, auch nicht schlecht ist;).
    Du nennst es LORN? Wir nennen es CERN, aber auch egal. :))
    Danke fuer deine Wuensche… Ich weiss, dass ich Polen auch vermissen werde, wenn ich zurueckkomme, aber noch kann ich es geniessen.. 😉
    Pozdrawiam z Polsce 😉
    Josefine

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