Das Beste aus zwei Wochen Schule!

Hallo Leute!

Da bin ich wieder, nach inzwischen zwei lettischen Schulwochen! Sie können sich vorstellen, dass hier eine Menge passiert ist, trotzdem werde ich mich in diesem Artikel zunächst auf die Schule konzentrieren. Weitere Infos folgen in den folgenden Wochen. 🙂
Wie in Sachsen begann auch hier (lettlandweit) die Schule am 3. September. In Lettland allerdings findet am ersten Schultag kein Unterricht statt! Das Datum ist ein Festtag, alle Schüler kommen schick angezogen in die Schule. Das ist keine Verordnung, aber Tradition, also macht es eigentlich jeder. An diesem Tag beginnt die Schule erst später, Direktor und Andere halten kurze Reden, dann geht jede Klasse mit ihrer Klassenlehrerin/ihrem Klassenlehrer in das jeweilige Klassenzimmer. Es wird sich ein bisschen unterhalten, Neues für’s neue Schuljahr wird verkündet, man wird (nach drei Monaten Sommerferien) wieder ein bisschen eingeführt in das Schulleben.
Ich bin in einer elften Klasse mit nur 15 Schülern einquartiert worden (diese Anzahl ist hier wie in Deutschland außergewöhnlich – aber sehr angenehm – klein), in das „Siguldas Valsts Ģimnāzija“, das Staatsgymnasium Sigulda (das ist die Stadt). Die Schule liegt also nicht in Inčukalns, theoretisch müsste ich jeden Morgen mit dem Zug 15 Minuten nach Sigulda fahren und die gleiche Strecke auf dem Heimweg. Es gibt aber eine weitere Besucherin dieses Gymnasiums, die in Inčukalns wohnt, deren Mutter bringt sie mit dem Auto zur Schule und holt sie auch wieder ab, sodass ich morgens immer und manchmal auch nachmittags bei ihnen mitfahren kann. Ansonsten kommt der Zug alle anderthalb Stunden und braucht für die 15 Kilometer um die 18 Minuten…

So. Nun zum interessantesten Part – meinem Stundenplan: Ab der zehnten Klasse (da beginnt in Lettland die Oberstufe) muss man (zumindest in dieser Schule) sich in „themengebundene“ Klassen einwählen, also sozusagen mit einem bestimmten Profil. Ich bin in der Sprachklasse gelandet, d.h., ich habe von 38 Wochenstunden 20 Sprachstunden in Lettisch, Englisch, Deutsch, Russisch und Französisch. Dafür habe ich ein Fach, in dem Physik, Chemie und Biologie zusammengelegt sind (und nicht diese Fächer einzeln – juhuu!). Außerdem noch Sport, Mathe, Musik, Philosophie, sowas wie Kulturologie (so heißt es in Lettisch) und Informatik. Ich bekomme (glücklicherweise) in den meisten Fächern keine Noten. Nur in Sport, Mathe, Deutsch, Lettisch (da werde ich zusätzlichen Einzelunterricht bekommen) und Englisch. Sonst kann ich mich also entspannen und zuhören… der Gedanke klingt doch sehr angenehm!
Auf einige Fächer möchte ich jetzt noch genauer eingehen:
Deutsch – ist sturzlangweilig. Die Lehrerin (die glücklicherweise ganz gut Deutsch sprechen kann, ich glaube, ich fände es schlimm, jemanden wirklich schlechtes Deutsch lehren zu hören) bindet mich zwar oft in den Unterricht ein, aber trotzdem… andere Leute die eigene Muttersprache lernen zu hören… es gibt Spannenderes.
Das ist jedoch nichts im Vergleich zu z.B. Lettisch, Geschichte oder Naturwissenschaften. Da ich kaum ein Wort verstehe von dem, was die Lehrer sagen, sitze ich einfach 40 Minuten (hier die Länge einer Unterrichtsstunde) lang da und… starre in die Leere… langweile mich…
Englisch ist super. In etwa mein Niveau vom Unterricht her (obwohl viele meiner Mitschüler besser im Sprechen und Schreiben sind als ich) und in einer Sprache, die ich verstehe!
Russisch. Problemfach. Obwohl ich in einem Kurs mit Schülern, die erst ein Jahr Russich-Unterricht haben, gelandet bin, können sich alle gut (der Kurs besteht aus nur fünf Leuten, inklusive mir!) in Russisch ausdrücken. Ich kann gerade mal ein paar Dinge schreiben und sagen nach einem Jahr Unterricht daheim in Leipzig, mehr nicht! Der Lehrer spricht außer ein paar Brocken Lettisch sonst überhaupt keine andere Sprache und schmückt seinen Unterricht mit gestenreichen Erzählungen über seine Erfahrungen aus. In der ersten Stunde habe ich da Wörter wie Michael Jackson, Tsunami und Pablo Picasso raus hören können. In den folgenden Stunden haben wir auch etwas Grammatik gemacht, die etwa auf meinem Niveau wäre, würde der Unterricht in Deutsch oder wenigstens Englisch gehalten… Jedenfalls habe ich mir sofort von meiner Mutter per Paket meine Russisch-Sachen aus dem letzten Schuljahr bestellt. Aber der Hoffnungsschimmer bleibt: Falls ich es irgendwann zustande bringen sollte, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen, werde ich in der Oberstufe in Leipzig kaum Probleme mit der Sprache haben… 🙂 Aber eigentlich ist es klar, dass Russisch hier schneller gelehrt wird. Viele kennen die Sprache von Kindesalter an (von Eltern, Großeltern) und natürlich ist Russisch in Lettland viel präsenter als in Deutschland, nicht nur aufgrund der Vergangenheit, auch schlicht und einfach aufgrund der geografischen Nähe.
Nun zu Französisch. Auch diese Sprache hatte die Klasse bereits ein Jahr lang und die Lehrerin ist bemüht, mich, der ich die Sprache nie in der Schule hatte, auch Französisch lernen zu lassen. (Lettisch + Russisch + Französisch = drei neue Sprachen???) Aber ich mag die Sprache eigentlich gerne und auch der Unterricht gefällt mir bisher mit am besten von meinen Fächern. In den ersten Stunden habe ich mir erstmal nur die Grundlagen von hier und dort abgeschrieben, ein paar Übungen gemacht, Übersetzungen immer dreisprachig (Französisch zu Englisch (für die Lehrerin) und Deutsch (für mich)) hier bin ich aber echt gespannt, wie das weitergeht!
Nun komme ich zu einem weiteren Problemfach: Mathe. Nicht nur, dass die Lehrerin kaum Englisch spricht (wie übrigens viele andere meiner Lehrer auch…) und daher den Schülern alles in Lettisch erklärt. Wobei ich doch auch in Deutschland in Mathe meine kleinen Schwierigkeiten hatte… Auch benutzen sie hier keinen Taschenrechner, lösen alles von Hand, haben also viele Formeln, von denen ich noch nie gehört habe oder die wir mal angerissen und wieder vergessen haben, weil es mit Freund Taschenrechner viel schneller geht. Naja, auch hier werde ich irgendwie durchkommen und am Ende wahrscheinlich besser in Mathe sein, also Augen auf und durch!
Enden möchte ich aber mit etwas Positivem: Die Informatik-Lehrerin kann gar kein Englisch und hat in der ersten Stunde gesagt, ich könne deshalb im Internet chatten, während sie den anderen (die nicht zugehört haben, dieser Unterricht ist genauso wie in Leipzig…) irgendetwas erzählt hat.

Dann schreibe ich deshalb einfach mal zusammenfassend über meinen Geisteszustand nach den beiden ersten Schulwochen: Ich war jeden Tag tierisch müde, wie man halt drauf ist, wenn man den halben Tag einer Sprache zuhört, die man nicht versteht und muss aber sagen, dass Unterricht hier nicht so anstrengend scheint. Alles ist irgendwie entspannter als in Deutschland, das Schulleben wird meinem Eindruck nach viel einfacher gemanaged, sowohl von der Schüler-, der Lehrer-Seite, als auch von der Bürokratie-Seite.
Ich fühle mich in dieser Schule jedenfalls richtig wohl, auch wenn ich natürlich ab und zu Leipzig vermisse. Das große Heimweh blieb aber glücklicherweise bisher aus.
Das war es erst einmal von mir, für jetzt ist das genug, ich denke, nächste Woche folgt aber ein neuer Eintrag. Also

Herzliche Grüße aus Lettland,

Felix (lettisch: Felikss – und nein, ich habe mich nicht verschrieben, es ist Doppel-S!)


3 Gedanken zu Das Beste aus zwei Wochen Schule!

  • Hallo, Felix,
    Ich bin gerade in Polen und wie du vielleicht gesehen hast, habe ich auch einen Blog;)

    Interessant fand ich deine Bemerkung ueber den Matheunterricht: Obwohl ich nur selten Probleme in Mathe hatte, komme ich hier kaum mit, weil meine Lehrerin absolut nur Polnisch spricht… und die hier auch keinen Taschenrechner benutzen duerfen, nur einen ganz einfachen in Arbeiten. Also haben sie ellenlange Formeln fuer Dinge, die ich vielleicht loesen koennte, wenn ich einen Taschenrechner haette… Ich verstehe also vollkommen, wie du dich fuehlst. 😉

    Viele Gruesse, Josefine

  • Hallo Felix!

    Wie ich höre bist du in meiner Klasse in Lettland gelandet, ich hoffe dir gefällt es dort genauso gut wie es mir gefallen hat!
    (Und Russisch konnten die vier anderen auch letztes Jahr schon von Anfang an, in Mathe dürften sie theoretisch aber nicht besser sein…arme Ločmele, ich frag mich was die Mathetechnisch wohl so von uns Deutschen hält, mein Fach war’s auch nicht direkt 😉 )

    Jedenfall wünsch ich dir noch viel Spaß in Lettland und Sigulda, aber ich denke, mit der Klasse sollte es in der Schule schon mal kein großes Problem sein.

    Liebe Grüße,
    Katharina

  • Hey Katharina,

    ja, mir gefällt es hier sehr gut, kann mich (noch) nicht beklagen… 🙂
    Nun, mit Mathe werde ich schon klar kommen, es fällt mir nur immer etwas schwer, das Ganze zu begreifen, aber dann geht’s. Wir haben grad nen Test geschrieben, dann werd ich ja sehen, wie es um mich steht… 🙂
    Danke jedenfalls für deinen Kommentar und deine Wünsche für das Jahr, die werde sich hundertprozentig erfüllen. Und die Klasse ist wirklich klasse, ja…

    Grüße zurück,

    Felix

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