The Beginning

Ein Teil der Austauschschüler vor dem Flughafen von RīgaHallo, hier bin ich (endlich) wieder, diesmal auch aus Lettland! Ich bin jetzt den zweiten Tag hier, rechnet man den Tag des Fluges und der Ankunft nicht mit. Aber anfangen werde ich noch früher: beim Packen. Weiter geht’s über Sprache, meine Gefühle auf verschiedenen Stationen der Reise und und und…, alles assoziativ (d.h. ohne logische Reihenfolge) angeordnet. Naja, du wirst/Sie werden es lesen.

Packen: Das Höchstgewicht des Koffers ist leicht zu unterschreiten. Schwieriger das Handgepäck. Acht Kilo plus Laptop. Nachdem ich knapp die Hälfte eingepackt habe, wiegt der Rucksack 6 Kilo. Uups. So musste ich also auf die meisten Bücher verzichten, sowie ein wenig umpacken oder einfach aus dem Koffer räumen, um es auf einen Stapel zu stellen, den meine Eltern nachschicken wollen. Selbst dafür viel zu viel Zeug. Naja, am Ende wog es 7,6 und der Koffer 21,5 Kilo.
Ich schlief drei bis vier Stunden, stand am 24.8. um halb Vier auf, flog um 6:10 Uhr von Leipzig nach Frankfurt, um 10:20 ging der Flieger von dort nach Rīga. Ich traf all die Menschen, die ich bereits kannte von der länderspezifischen Vorbereitung und wartete.
Wirklich erwähnswert ist vielleicht, dass ich bis zum Treffen mit der Gastfamilie mir nicht die Länge eines Jahres, dass ich nun weit weg von Zuhause verbringen sollte, vorstellen konnte. Auf dem Arrival Camp sagten viele, ihnen ginge es ähnlich. Selbst jetzt blicke ich in eine weit entfernte, verborgene Zukunft und der Gedanke an ein Jahr im Ausland macht mir Angst. Weil es so unvorstellbar lang ist. Also, klar bin ich zuversichtlich, dass ich mich super einleben werde und dann alles viel zu schnell geht, so wie immer alle sagen, trotzdem kommt mir gerade die Vorstellung, ein Jahr irgendwo in einem Land, dessen Sprache ich nicht spreche, zu leben, sehr beunruhigend vor…

Seltsamerweise war ich das gesamte Arrival Camp über nicht nervös. Erst als die Zeit kam, dass die Gastfamilien eintreffen sollten, kam die Nervosität über mich. Dann ging alles sehr schnell. Die Familie kam, ich wurde „aufgerufen“, ein Foto wurde mit mir und der Familie gemacht und wir fuhren. Auf der Fahrt von Rīga zu meinem neuen Heimatort Inčukalns (nahe Sigulda, Richtung Rīga) radebrechten wir alle mit unserem Englisch. Zunächst konnte ich es aufgrund des lettischen Akzents kaum verstehen, aber das legte sich bis jetzt einigermaßen. Wahrscheinlich ging es ihnen ähnlich mit mir. 🙂

Seltsam ist auch, wie schnell ich mich daran gewöhne, Englisch zu sprechen. Oft denke ich sogar in Englisch oder ich beginne Deutsch und rutsche irgendwann ins Englische ab. Und das nach nur zwei Tagen konsequent Englisch sprechen! Ich will nicht wissen, wie es den Leuten geht, die in die USA geflogen sind. Lettisch macht auch schon erkennbare Fortschritte. Ich habe heute viele neue Wörter gelernt. Mal sehen, ob ich sie morgen noch kann. Meine Familie gibt sich jedenfalls große Mühe, mir einige wichtige Dinge beizubringen. Immer, wenn ich ein Wort auf Lettisch weiß, verwende ich es, auch wenn ich gerade Englisch spreche. Immerhin geht „Paldies“ (Danke) schon recht flüssig.

Gewöhnungsbedürftig ist natürlich erst mal Vieles. Das fängt beim neuen Zimmer an (ich bin froh, dass ich ein eigenes habe) und geht über die Dusche bis zum Frühstück. Aber bisher ist mir nichts begegnet, was gänzlich meinen Vorstellungen widerspricht, auch wenn es wirklich manchmal seltsam ist, wenn etwas völlig Fremdes von anderen vollkommen normal gesehen wird. Z.B. Wir besuchten heute die Eltern meiner Gastmutter, weil ihr Vater Geburtstag hatte. Wir kamen an und auf einem kleinen Tisch standen mehrere Schalen, daneben weitere. Wir setzten uns und es wurde begonnen zu essen. Doch mit der Zeit wunderte ich mich über so viel Essen. Es gab eine Schüssel Kartoffeln, viel Salat, eine große Schüssel mit Schweine- und Hünchenfleisch, es gab ein bisschen Fisch, sehr viel Brot, Sauerkraut und zum Schluss einen dicken, fetten Kuchen. Und das für fünf Personen. Wenn ich jetzt sage, dass ein Viertel dieser Massen gegessen wurde, übertreibe ich wahrscheinlich. Für die Letten schien das aber vollkommen normal. Aber schon auf dem Arrival Camp wurde uns gesagt, dass Geburtstagsfeiern oft nicht aus Feiern, sondern aus Essen-bis-der-Arzt-kommt bestehen. Natürlich übertrieben gesagt.

Naja, ich könnte noch viel, viel mehr schreiben, aber ich denke, der Artikel ist so lang genug und ich hoffe, ich habe das Wesentliche reinpacken können. (Was heißt, das Wesentliche, ich bin doch erst zwei Tage hier…?)

Nur noch eine Sache: ein Tourismus-Tip. Wir waren heute in Cēsis. Wunderschön, das alte Schloss zum Raufklettern auf einen Turm und Runterklettern in das ehemalige Verlies, sowie nebenan und mit dem selben Ticket das neue Schloss mit einer sehr schönen Ausstellung. Unbedingt mal ansehen! (Wenn man mal in Lettland sein sollte.)

OK, das war’s, bis zum nächsten Mal,

Felix aus Lettland

P.S. Ich hab vergessen, dass der erste Eindruck von Lettland mir persönlich sehr gut gefiel! Die Mischung aus alten und neuen Häusern, die ganzen Bäume… wunderschön!


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