Isn’t it sore?

Einmal im Leben lange, blonde Haare haben – das wollte ich zwar noch nie, aber kürzlich hatte ich Gelegenheit, mich ein paar Tage lang wie Rapunzel zu fühlen…

Ich hatte bereits mehrfach mit dem Gedanken gespielt, mir hier in Südafrika die Haare mit Extensions flechten zu lassen, aber oftmals hat es mir dann an Zeit, Geld und auch Mut gefehlt. Da sich meine Mit-Freiwillige Julia auch sofort für die Idee begeistern konnte, fragten wir in Kapstadt immer mal wieder in verschiedenen Haarsalons nach Preisen, die uns jedoch dank unserer weißen Haarfarbe etwas zu hoch erschienen. Deshalb erkundigten wir uns bei den Kollegen hier im Projekt und lustigerweise wurde uns Vuyo empfohlen, jene Krankenpflegerin, die ich zu Beginn meines Aufenthaltes hier schon mal in ihrem Zuhause in Delft besucht hatte.

Gesagt, getan. Noch am selben Abend besuchten wir Vuyo mit Wein und Popcorn in Elkana, wo sie derzeit in der Nachtschicht arbeitet und machten mit ihr einen Termin aus, der in 3 Wochen sein sollte. Bereits zwei Tage später nutzen wir einen Freitagnachmittag, um im strömenden Regen zum Bahnhof zu fahren, wo die Kunsthaar-Extensions besonders günstig verkauft werden. Wir entschieden uns beide für das selbe Rapunzel-Blond und machten uns dann mit 8 Packungen Haaren auf den Weg nach Hause.

Dankenswerterweise konnten wir in Delft übernachten, so dass ich die ganze Haaraktion auch mit einem Art Wiedersehen in Delft verband. Neben den umgerechnet 15 Euro, die wir für das Flechten unserer Haare bezahlen mussten, hatten Julia und ich zuvor noch etwas Schokolade und Früchte für die Kinder mitgebracht, denn wir wollten natürlich nicht ganz ohne Gastgeschenke dort ankommen. Kaum waren wir in Delft, rief Vuyo ihre Schwester und Freundinnen beisammen, die sich mit flinken Händen über unsere Köpfe hermachten.

6 Stunden saßen wir in dem Township, bei eisiger Kälte und irgendwann zum Glück mit einer kleinen Gasheizung. Während sich die Mädels in ihrer Muttersprache Xhosa unterhielten, versank ich immer tiefer in mich selbst, denn ich hatte weder ein Buch noch meinen IPod dabei. Auch das war wieder eine von mehreren verrückten Zeitwahrnehmungen hier in Südafrika, denn die Zeit erschien mir überhaupt nicht so lang. Viel schlimmer war eigentlich nur das Geziehe und Gezerre an meiner Kopfhaut, denn die Kunsthaare müssen natürlich recht eng an die Kopfhaut gelegt werden, damit sie nicht gleich wieder rausrutschen.

6 Stunden später, leicht verfroren und mit Rücken- und Nackenschmerzen gesegnet, durfte ich mich dann endlich im Spiegel betrachten. Zuvor hatte man mir die Haare nach hinten gebunden, mit Vaseline eingeschmiert und dann als riesen Dutt auf den Hinterkopf gesteckt. Alleine das Bewegen meiner durch die Kunsthaare deutlich erschwerten Haare war so schmerzhaft, dass ich – sehr zur Erheiterung der Mädels – schreien musste.

Das Ergebnis sah aber gut aus und nachdem dann auch Julia fertig war, die sich die Haare übrigens hatte eindrehen und nicht einflechten lassen, ging es mit den Mädels zusammen in den Township-Club um die Ecke, wo wir zwei Weißen mit unseren Braids natürlich für einigen Aufruhr sorgten. Diese Aufmerksamkeit wurde uns in den Tagen danach auch auf der Arbeit zu Teil, wo wir vornehmlich zwei Sätze hörten: „You’re looking beautiful“ und „Isn’t it sore?“. Um meinen Erfahrungsbericht hiermit abzuschließen: Ja, es sieht schön aus und ja, es ist verdammt schmerzhaft, wenn man mit 3 Kilo Haaren rumläuft, den Kopf deswegen nicht mehr richtig bewegen kann und morgens mit Nacken- und Schulterschmerzen aufwacht, weil es nicht möglich ist, den Kopf richtig auf das Kissen zu betten.

Am Ende habe ich die Haare nach nur wenigen Tagen wieder aufgelöst (nochmal eine Aktion von ungefährt 6 Stunden, die ich aber alleine vor dem Fernseher verbracht habe), weil ich befürchtete, dass meine eigenen, sehr dünnen und feinen, Haare von dem enormen Gewicht der Kunsthaare abbrechen. Es war dennoch eine wunderbare Erfahrung, einmal die Haare im african style zu tragen – mit all den Schmerzen, die eben dazugehören 🙂

 

 

 

 

 


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