Es hat leider nicht funktioniert….

Ich habe deshalb so lange nichts mehr gebloggt, weil wir wirklich heftige Monate hinter uns gebracht haben und ich hier keinen verletzen oder anprangern  möchte.

Immer wenn ich dachte ja, jetzt läufts, sie hat’s verstanden, kam wieder ein kleiner Seitenhieb in Form von Vertrauensbruch bzw. Vertrauensmissbrauch. Aus welcher Motivation heraus auch immer, ich kann es mir nicht erklären. Ich zermartere mir schon tagelang das Gehirn und finde keine plausible Erklärung für das Verhalten unserer Gastschülerin. Sie fragt uns nicht, sie möchte unsere Hilfe nicht, sie kommt mit unserer Tochter nicht zurecht. D. h. alles in allem: der Versuchsballon ist geplatzt….

Um unserer Gasttochter einen möglicherweise besseren bzw. angenehmeren Aufenthalt zu ermöglichen, suchen wir jetzt eine neue Familie für sie. Eine die kompatibel ist. Wir sind es leider nicht…. diese Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber sie stand bereits vor 4-5 Wochen schon einmal im Raum. Auch da habe ich mit ihr geredet und ihr versucht zu erklären, was wichtig ist für uns und wie die Regeln lauten (bei uns gibts wenige Regeln). Einige Tage nach diesen ernsten Gesprächen (es gab mehrere davon, teils englisch, spanisch und auch deutsch – der Verständigung wegen) lief es immer prima, aber dann nach ca. 2 – 3 Wochen gings wieder los…. und um ehrlich zu sein – ich pack das nicht – meine Nerven machen das nicht mit. Mir gings nach diesen Gesprächen nicht wirklich gut, aber sie mussten geführt werden. Und immer ging es um Vertrauen. Aber ohne Vertrauen geht das bei uns nicht. Und keiner lässt sich gerne an der Nase herumführen.

Die nötigen Schritte sind bereits in die Wege geleitet und wir wünschen uns, dass schnell eine neue Familie gefunden wird, zum Wohle aller.

Vielleicht kennt ja einer von Euch, die meinen Blog lesen, eine Familie, die gerne eine Gastschülerin aufnehmen möchten und bereits Erfahrung haben mit der Kultur Paraguays!?

Das wäre wirklich schön.

Wir sind traurig, dass wir nicht die richtige Familie sind – mehr bleibt mir hier leider nicht mehr zu sagen 🙁


9 Gedanken zu Es hat leider nicht funktioniert....

  • Hallo Iris,

    zuerst einmal meine Anerkennung für Deinen sehr ausführlichen und sehr ehrlichen Bericht.
    Schade, dass es nicht so geklappt hat, wie man es sich erhofft. Ich kenne das. Aber manchmal passt es einfach nicht zusammen. Ich hoffe, dass du dich nochmals zu so einem aufregenden Abenteuer hinreissen lässt. Ich denke jedes Mal wird wieder alles anderes sein. So verschieden die Menschen eben sind, so unterschiedlich wird es jeder auf seine Art erleben.
    Sei nicht traurig, es kann nicht bei jedem alles super laufen. Und für Dein Gastkind wird sich bestimmt eine Familie finden und ihr kommt erstmal etwas zur Ruhe.
    LG. Birgit

  • Hallo Birgit,
    ich danke Dir für deine lieben aufbauenden Worte…

    Ob ich dieses Abenteuer noch einmal gehen möchte?! Ich weiß es heute noch nicht…

    LG Iris

  • Guten Morgen Iris!

    Auch mir tut es leid, dass es bei Euch nicht so recht geklappt mit der Austauschschülerin. Auch wir sind sehr vorsichtig und haben uns erst einmal für einen kurzen Aufenthalt (6 Wochen) beworben. Aber auch bei uns tauchen einige kleinere Schwierigkeiten auf. Das liegt aber eher daran, dass hier doch Extreme aufeinander treffen. Barcelona/Schwerin: Metropole gegen kleine Landeshauptstadt von MV und deren Möglichkeiten von Aktivitäten und aktiven Jugendlichen im Alter unserer Gastschülerin. Außer mit unserer Tochter konnte bis jetzt zu keinem weiteren Jugendlichen Kontakt aufgenommen werden, obwohl die Teens in den Jugendclub gehen (nur Jüngere dort), Schwimmen und Basketball spielen.
    Es ist schwierig, da auch nur komplett Ferienzeit hier ist.

    Ansonsten ist unsere Marina aber ein sehr liebes Mädchen und in der Familie kommen wir gut zurecht.
    Seit gestern macht sie ein Praktikum in einer Kita, aber auch das macht sie etwas traurig, weil es sie an ihre kleine Schwester erinnert, bringt sie aber unter andere Leute!
    Falls ihr noch Tips habt, ich nehme gerne welche an.

    LG Grit und Dir Iris und Deiner Familie alles Gute!

  • Guten Morgen Grit!

    Bei uns sind es – denke ich – die großen kulturellen Unterschiede, die Sprache, das Annehmen und Akzeptieren von Dingen und Ratschlägen. Hinzu kommt noch, dass unsere Gastschülerin für meine Begriffe, eher egoistisch ist und auch verschlossen. Sie nimmt alles gerne an, aber da kommt dann nicht mal ein „Danke“. Mittlerweile denke ich, sie hat einfach wenig Erziehung genossen. Und was sehr schwer wiegt: Ihr fehlt die Lebenslust. Sie sieht immer aus wie ein Trauerklos – nix mit Mittelamerikanischer Freude und Power. Aber ich/wir sind nicht dafür da das Mädel zu erziehen. Und somit wird eine Spirale draus. Am Anfang waren wir gerne bereit über einiges hinwegzusehen und ihr zu erklären… Bei einigen Dingen hat das auch durchaus funktioniert. Aber sie muss sich besonders im zwischenmenschlichen Bereich so sehr anstrengen. Und das hält sie natürlich nicht lange durch. Und dann die vielen Missverständnisse aufgrund von Verständigungsproblemen (obwohl wir auch in englisch kommunizieren) und auch deshalb, weil sie anstatt zu fragen, wenn sie etwas nicht verstanden hat, einfach sagt, ja ist gut. Und diese vielen Missverständnisse führen dann auch wiederum zu Ärger und so weiter und so weiter und am Ende steht dann wieder der Vertrauensverlust. Dabei hatte ich ihr gleich zu Anfang gesagt, dass sie immer fragen kann und auch sagen soll, wenn ihr etwas nicht gefällt. Aber wie gesagt, da kam nie etwas. Sie ist ein Buch mit sieben Siegeln.

    Und irgendwann wurde dann – so wie ich es gerne beschreibe – die Öffnung zu meinem Herzen immer kleiner.

    Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit mit Eurer Gastschülerin und alles Gute für Euch – wichtig ist, dass ihr in Eurer Familie zurecht kommt, alles andere gibt sich mit der Zeit! 😉

    LG Iris

  • Hallo Iris,

    irgendwie kennen wir das auch. Würde nur gerne wissen, ob eure Schülerin zum Internet Zugang hat. Unsere war oft im Internet, um sich mit ihren „Freunden“ aus Argentinien auszutauschen. Leider hatten wir diesen Fehler mit dem freien Internzugang gemacht. Als wir aber die Zeit fürs Internet beschränkten, wurde es etwas besser. Die meiste Zeit des Tages verbrachte sie in ihrem Zimmer. Mit unserer Tochter weggehen wollte sie auch nicht. Sie blühte nur so richtig auf, wenn sie mit anderen Austauschschülern oder argent. Freunden Spanisch sprechen konnte. Deutsch wollte sie nicht lernen oder nur ganz ungern, obwohl sie viele Hilfsmittel, u.a. Spanisch-Deutsch-Sprachkurse in Buch- und CD-Form, Karteikasten von Langenscheidt, VHS-Kurs, usw. hatte. Das hat sie nicht interessiert, sie wollte nicht.

    Das war für uns in der Familie teilweise sehr aufreibend, es gab schon ein paarmal Streit deswegen (nur unter uns nicht mit der Gastschülerin). Unsere Tochter hatte auch schon ein Austauschjahr hinter sich und ist ein ganz anderer Typ. Sie wollte weg und hat das beste daraus gemacht. Bei ihr hatten wir den Eindruck, es wäre ein Prestigesache.

    Ich könnte hier Geschichten erzählen, aber die Zeit ist vorbei.

    Letztlich wurde sie nach 7 Monaten wieder nach Hause geschickt. Wir hatten immer den Eindruck: Körperlich ist sie da, aber im Geiste noch in Südamerika.

    Übrigens unsere hat auch immer gesagt, dass sie es verstanden hat.

    Aber das, um was es hier geht, hatte sie leider nicht kapiert. Man hat die Möglichkeit in einem Jahr eine andere Welt / Sprache kennenzulernen, Selbstbewußtsein aufzubauen oder zu verstärken, auf eigenen Beinen zu stehen und vielleicht wertvolle Kontakte zu finden. Diese Möglichkeit sollte sie am Schopfe packen.

    Meiner Meinung nach wird sich eure Schülerin auch bei einer anderen Gastfamilie nicht ändern, aber das ist nur meine Einschätzung nach euren Schilderungen und meiner eigenen Erfahrung. Trotz alledem, ihr müsst so bleiben, wie ihr vor eurem neuen Kind wart. Das ist schwierig.

    Mein Tipp für euch, wenn eure Austasuchschülerin nicht so will, wie sie sollte, macht mit ihr eine Vereinbarung, an die sie sich halten muß. Ansonsten geht die Dame nach Hause. Entschuldigung, dass ich das so knallhart sage. Die Kinder sind aber auch nicht bei Wünsch-Dir-Was.

    Nichts für ungut und LG Horst

  • Hallo Horst,
    wenn ich lese, was Du hier schreibst, denke ich gerade ich hätte das geschrieben….und mir kommen die Tränen…..
    Genauso wie Du es hier beschreibst, genauso war das bei uns. Unsere Gastschülerin ist seit letzten Donnerstag in einer anderen Familie und bei uns kehrt wieder Friede ein.
    Auch wir haben uns wegen der Gastschülerin gestritten… und auch bei uns war das Internet das große Thema. Besonders das Skypen, dass wir ihr anfänglich 1x wöchentlich gestattet hatten, war ein großes Problem. Jedes mal nachdem sie wieder ihre Mama/Familie gesehen hatte, war sie sowas von durch den Wind und die nächsten Tage völlig geknickt. Als ich sie dann darauf angesprochen habe, meinte sie nur – O-Ton: Ich habe kein Heimweh, das habe ich nur wenn wir drüber sprechen, außerdem weiß ich selbst, was am besten für mich ist und ich verstehe auch nicht, warum ich nicht 2x in der Woche skypen darf. Ich habe ihr die Gründe dafür dann erklärt und es ist wie Du sagst: der Körper ist hier, aber der Geist ist nicht bereit sich für die Zeit hier zu öffnen. Der Geist war in Paraguay. Nachdem sie sich dann ein Internet-fähiges Handy gekauft hatte, war sie auch fast nur noch in ihrem Zimmer… Aber zu diesem Zeitpunkt wars mir schon egal, da wir schon auf der Suche nach einer anderen Familie waren.

    Auch unsere Tochter ist im Ausland. Aber sie ist offen, und nutzt ihre Chance, die sie zur Zeit hat. Sie ist jetzt im 2. Jahr in Australien. 😉 Wir sind sehr stolz auf sie, aber wir wissen auch, dass sie diese Möglichkeit zu schätzen weiß und auch in der Lage ist diese einmalige Chance zu nutzen.

    Bei unserer Gastschülerin bin ich mir da nicht sicher…. und das ist einfach sooo schade.

    Weißt Du was auch bezeichnend ist?! Wir vermissen sie nicht. Hört sich auch hart an, aber ich kann es nicht anders sagen.

    Danke, dass Du meinen Beitrag kommentiert hast, es tut gut zu wissen, dass es Mit-Leidende gibt 🙂

    Werdet Ihr noch mal ein Gastkind bei Euch aufnehmen?

    Wir wissen es nicht, aber die Tendenz geht auf – Nein!

    LG
    Iris

  • Hallo Iris,

    bei ist es auch so, daß wir sie eigentlich nicht vermissen. Ich bin zwar noch ihr Freund im facebook, aber ich habe sie unterdrückt, da sie so viele Einträge macht.
    Es ist halt sehr schade, daß einige Austauschschüler ihr Jahr nicht nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Sie haltte lieber mit ihrer Heimat den Kontakt aufrecht, als hier neue Kontakte zu knüpfen.

    Ich hätte schon wieder jemanden genommen, aber meine Frau und meine Tochter wollten nicht. Unsere Tochter macht dieses Schuljahr ihr Abitur und da wollte sie Ruhe haben.
    Vielleicht dann nächstes Jahr, aber so gewiß ist das nicht.

    Liebe Grüße Horst

  • Hallo Horst,

    wir werden niemanden mehr aufnehmen, den nicht wenigstens unsere Töchter kennen. Denn den beiden vertraue ich.

    Mir und auch meiner Familie ist das ansonsten zu anstrengend und wir haben genug andere Dinge im Alltag zu bewältigen und da warten wir nicht auch noch auf eine fremde Person, die unser Leben eher behindert als bereichert…

    Es gibt Erfahrungen, die macht man eben nur einmal.

    Unsere Tochter macht ihr ABI erst 2014, aber sie ist ja jetzt auch schon in der wichtigen Phase, um ein gutes Abi zu schreiben und da braucht sie Ruhe und ein stabiles Umfeld, dass ihr Kraft gbit.

    Und ganz ehrlich ich brauche das auch…

    Wir hatten viel zu geben, aber es kam nicht an und wurde nicht geschätzt.

    Liebe Grüße
    Iris

  • Hallo Horst, hallo Iris, wenn ich Eure Beiträge lese, dann habe ich auch das Gefühl- ja das Gleiche, was da passiert ist, läuft gerade bei uns ab. Wir sind noch nicht so weit aufzugeben aber teilweise liegen die Nerven blank. Unser Gastkind kam im September zu uns. Wir waren erst einmal eine Übergangsfamilie, haben uns dann aber sehr schnell entschlossen Gastfamilie für das ganze Jahr zu bleiben. Unser Gastkind sprach kein Wort Deutsch, dafür aber ganz gut Englisch. Meine Tochter und ich können einigermaßen gut Englisch und am Anfang war das interessant, dass ich mal wieder meine Kenntnisse vertiefen konnte. Das mit dem Skype und Internet hatte ich nicht streng reglementiert. Ich war der Meinung, dass man den Kontakt zu den Eltern nicht verbieten kann. Da es mit den Deutschkenntnissen sehr schleppend bzw gar nicht voran kam, hatte ich unser Gastkind gefragt, wie ich helfen könnte. Unser Gastkind hat mir dann eröffnet, daß es gar kein Deutsch lernen möchte, weil es im Heimatland eh niemand braucht und Frankreich wäre sowieso der Erstwunsch gewesen, Deutschland kam erst nach Spanien. Also ganz ehrlich, ich war geschockt. Was soll das ganze dann überhaupt? Mir tut es leid um das Gastkind aber noch mehr um uns. Unsere Tochter hatte es sich gewünscht. Sie war letztes Jahr in Russland und hatte eine tolles Jahr dort. Die Gastschwester wurde eine gute Freundin. Aber hier ist alles anders. Es gibt wenig Interesse für irgentetwas. Weder Geschichte, Kultur oder irgentetwas von Deutschlnd findet Interesse. Es kommen keine Fragen. Wenn wir Ausflüge machen, höre ich ganz schnell:“ ich bin müde“. Das ist auch so ziemlich das einzige was in Deutsch gesprochen wird. … Ich will es nicht noch mehr in die Länge ziehen. Es gäbe noch viel mehr zu sagen. Es ist wirklich schade, dass es bei uns nicht ideal verläuft.

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