Letzte 10 Tage

Das Gefuehl, wenn ich an die naechste Woche denke, kann ich nicht beschreiben. Ich habe Angst vor den letzten Tagen. Denn jetzt, nach dem End-Of-Stay-Camp mit AFS, wo wir alles zusammenfassen mussten, hat sich dieser „Jetzt-ist-es-fast-vorbei“-Gedanke nicht nur im Hinterkopf festgesetzt. Ich muss mich diese Woche von meiner Polnischlehrerin, meiner Logopaedin, meinem Gitarrenlehrer verabschieden. Das als Erstes. Dann muss ich ein letztes Mal die anderen Austauschschueler umarmen. Am Freitag mich bei meiner Klassenlehrerin bedanken, tschuess zur Klasse sagen. Werde ein letztes Mal meine besten Freunde sehen. Der schwierigste Moment wird aber sicher am Flughafen, wenn ich allein in den Flieger steige, meine Gastfamilie auf der anderen Seite stehen lasse. Ob ich das alles ueberhaupt davor realisiere, weiss ich nicht.

Ich fuehle mich so hilflos. Diese Woche wird die schlimmste des ganzen Jahres. Sicher sehe ich meine Gastfamilie, Nazlican aus der Tuerkei, Sasza aus der Ukraine und Monika aus meiner Klasse bald wieder; die wichtigsten Menschen werde ich die naechsten Jahre hoffentlich noch besuchen. Doch der Abschied vom Austauschjahr, vom Leben in Polen ist der schwierigste Teil. Ich habe alle moeglichen Situationen hier ueberlebt, die letzte Huerde noch vor mir.

Und wenn ich diese Woche ueberstanden habe, kommt ein nicht weniger schwieriger Part. Die ersten Treffen mit meinen besten Freunden. Ich habe Angst, richtig Angst. Allen kann ich auf die Frage „Wie wars?!“ mit dem Ueblichen antworten. Aber die wichtigsten Leute kann ich so nicht abwimmeln; mochte ich auch gar nicht. Werde mich trotzdem unverstanden fuehlen, allein, genervt, verzweifelt.

Habe jetzt zwei Leben, zwei voellig unterschiedliche Leben, die ich unmoeglich verbinden kann. Ohne zu erwaehnen, dass das deutsche Leben, das ich unterbrochen habe, fuer meine liebsten Menschen nie unterbrochen wurde und sie normal weiter lebten. Alles wird genauso sein wie letzten Sommer, auf der anderen Seite nichts wie davor.

Ist das mehr oder weniger gut zusammen gefasst?

 


3 Gedanken zu Letzte 10 Tage

  • So gut zusammengefasst, dass ich als zweifache Entsende- und Gastmutter echt schlucken musste beim Lesen. Man versteht, was du meinst und liest zwischen den Zeilen, was du fühlst. Wunderbar beschrieben!
    Alles Gute für deine letzten Tage und eine gute Heimreise und Ankunft.

  • Wenn ich deine Gedanken so lese, kommt es mir so vor, als ob ich meinen Abschied noch einmal durchleben würde. Treffender kann man es eigentlich nicht beschreiben, vor allem den letzten Teil. Ich wünsch dir viel Kraft und eine gute Heimreise!

  • Yes, very well put – and it doesn’t seem to get any easier over the years – I still cry when I leave my mum!!
    It’s been far too quiet in the house so we can’t wait to have you back – at least till you decide to hop off and discover the world again!

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