Mexikanische Polizisten, mexikanische Familien und mexikanische Ostern…

In Mexiko sind die Polizisten durch und durch korrupt, die Familien streng und undurchschaubar und Ostern muss ohne Osterhasen auskommen.

Nach nun schon 8 Monaten hier, kann ich einfach nur sagen, dass ich Mexiko echt toll finde. Ich fühle mich wohl in diesem Land, die Menschen sind nett und freundlich, wenn auch sehr anders, das Klima gefällt mir natürlich auch besser und die vielfältige Natur ist einfach faszinierend. Ich kann mich noch immer über den alltäglichen Anblick von Palmen und Bananenbäume freuen.

Wie gesagt, ich fühle mich wohl in Mexiko, doch es gibt schon einige Schattenseiten in diesem Land, die weniger schön sind.

Dass es Ostern keinen Osterhasen gibt, hat mich natürlich wenig gestört, aber als ich von dieser deutschen Tradition erzählte, fand meine Gastschwester das schon ziemlich toll und wollte auch einen Osterhasen, der Geschenke bringt. Da rechtzeitig wieder ein wunderbares Paket mit deutschen Süßigkeiten ankam (Marzipan, HARIBO und richtige Schokolade sind wirklich Dinge, die hier in Mexiko fehlen und jedem Freude bereiten:) hatte ich eigentlich schon geplant hier im Garten ein Ostersuchen zu veranstalten, doch dann sind wir kurzfristig weggefahren, sodass es ins Wasser fiel. Da Mexiko sehr katholisch ist, wird auch Ostern etwas anders gefeiert. Es gibt hier keinen Ostersonntag und Ostermontag an denen frei ist. Stattdessen beginnt die “semana santa” (“heilige Woche”) an dem Sonntag vor Ostern, Palmsonntag. Mein  Leben lang habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, warum dieser in Deutschland unwichtige Tag “Palmsonntag” heißt. Als wir an dem besagten Sonntag zur Messe in die Kirche gingen und überall kleine aus Palmenblättern geflochtene Kreuze verkauft wurden, mit denen die Religiösen nach vorne zum Pastor gingen und sich mit heiligem Wasser bespritzen ließen, ergab der Name “Palmsonntag” plötzlich Sinn. Dieses mit was geheiligte Palmengeflecht wird bis zum folgenden Mittwoch aufgehoben und dann in einer Messe verbrannt. Die ganze Woche zwischen dem Palmsonntag und unserem Ostern ist hier die heiligste Zeit des Jahres. An vielen Orten wird gar nicht gearbeitet, wenig gegessen, bzw. auf Fleisch verzichtet und viel gebetet, an seine Sünden gedacht und gebetet. Am Donnerstag gibt es einen “Marsch des Schweigens”, in dem Menschenmassen schweigend durch die Stadt ziehen zur Kirche. Schweigend, um an Gott zu denken, glaube ich. Da ich selbst ja total ungläubig bin, was für Mexikaner übrigens ziemlich unverständlich ist, habe ich nicht genau verstanden und nachvollziehen können, was dort vor sich geht, aber es war mal eine ganz interessante Erfahrung. Wir sind an dem Mittwoch allerdings nach Toluca gefahren, um die heiligen Tage im Kreise der Familie zu verbringen. Das war sehr schön mit den ganzen Cousins und Cousinen draußen im Park zu spielen und Zeit zu verbringen. Und am Freitagabend sind wir 7 Kirchen besuchen gegangen, sowie Jesus damals wohl auch 7 Häuser besucht hat. Es war eine interessante Atmosphäre mit den ganzen vielen Menschen, die ebenso wie wir von Kirche zu Kirche gingen.

Meine ältere Gastschwester war die ganze Woche nicht da, da sie missionieren war. Auch mich wollte man erst dazu überrreden dort mitzugehen, aber dass missionieren ist ganz sicher nichts für mich, dessen bin ich mir 200%ig sicher!!!

 

Eine der wirklich negativen Dinge, unter denen jetzt auch ich hier leiden musste, sind die Polizisten, denen ich in meinem Urlaub im März gleich zwei mal zum Opfer fiel. Natürlich wusste ich, dass Korruption hier alltäglich ist und dass Polizisten einem oft ungerechterweise Geld abziehen wollen, doch wenn man dann wirklich in eine solche Situation gerät, kann man irgendwie gar nicht richtig darauf reagieren und realisiert gar nicht, was da gerade mit einem passiert. Für unseren Urlaub, hatten wir einen Mietwagen in Mexiko-City gemietet und sind damit zuerst nach Acapulco gefahren. Uns wurde zwar sicherheitsmäßig geraten, wir sollen nur auf den autopistas, den großen Autobahnen fahren, auf denen Maut bezahlt wird. Irgendwie fanden wir Landstraßen dann aber doch ein wenig spannender und natürlich günstiger Regelmäßig passiert man Militärstandorte an den Straßen, höchst bewaffnet, doch die tun einem nichts, denn die sind staatlich gesteuert und nicht korrupt. Nach 2 Tagen im herrlichen und wirklich tollen Acapulco in einem sehr zu empfehlenden Hotel direkt am Strand, wollten wir also guter Dinge die Bucht verlassen, genossen noch den letzten Blick aufs Meer und die Hotelanlagen. Bis plötzlich ein Polizeiwagen von hinten ankam und uns dann zum Anhalten winkte. Mit einem sehr mulmigen Gefühl hielten wir also an und wurden sofort von dem dicken schwitzenden Polzisten vollgelabert, was uns denn einfiele die Signale nicht zu beachten, dass wir ja was ganz Schlimmes gemacht hätten blaablaa… Ich fragte dann, was genau wir gemacht haben sollen, aber er schnautze nur Ingolf an, weil er ja fuhr, warum er denn nichts sage, ob er aus Spaß die Signale nicht beachte. Ich meinte dann, dass er nicht so gut spanisch spräche, worauf der Polizist meinte, dass das doch gar nicht sein könne, schließlich hätten wir ja auch ein mexikanisches Kennzeichen. Er hat uns einfach die ganze Zeit so angeschnautzt, dass ich gar nicht dazu kam irgendwas zu erklären… dann wollte er natürlich die Papiere haben und sobald er sie hatte, teilte er uns mit, dass er die ja jetzt behalte und wir die erst am nächsten Tag wieder kriegen würden, wenn wir dann das Strafgeld bezahlen. Mir kamen dann schon die Tränen irgendwie, weil der mir so Angst gemacht hat und ich immer noch nicht verstand was wir jetzt verbrochen haben sollen… Ich meinte, wir können nicht am nächsten Tag wiederkommen, weil wir jetzt schnell weiter müssen und so. Jedenfalls zeigte er mir dann ein Buch mit den Strafgeldern und was da auf uns zu käme und dann meinte er, er könne uns sonst nicht weiter helfen, da unser Vergehen ja auch von einer Straßenkamera aufgenommen wurde und man uns dann durch den ganze Staat verfolge. Ich hatte sowas von Angst! Dann sagte er es gäbe nur eine Möglichkeit, wir müssen jetzt sofort 8.000 Pesos zahlen und könnten dann fahren. 8.000!!! Soviel hatten wir natürlich nicht dabei, das sind knapp 500 €!!! Er meinte, das sei kein Problem, setzte sich zu uns ins Auto und meinte wir fahren jetzt zum nächsten Bankautomaten. Dort angekommen schickte er Ingolf aus dem Auto zum Automaten, um die 8.000 Pesos abzuheben und sagte ich müsse mit ihm im Auto warten. Und alleine mit einem saukorrupten Polizisten im Auto als blondes junges Mädchen, das macht nochmal richtig richtig Angst!!! Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der ich Schweißausbrüche und Angstzustände litt, kam Ingolf mit einem ganzen Haufen Geld wieder. Der Polizist zählte es tatsächlich noch durch, ich riss ihm unsere Papiere aus der Hand und wollte einfach nur noch weg aus Acapulco! Was wir nun angeblich gemacht haben, weiß ich bis heute nicht. Angeblich ne rote Ampel überfahren und fast eine Person angefahren, glaube ich. Die besagt überfahrene Ampel, war allerdings, wie wir später feststellten, nicht in Betrieb.

Man sollte annehmen wir hätten daraus gelernt, aber nach weiteren Urlaubstagen von Acapulco nach Puerto Escondido, Ventanilla, Mazunte, Huatulco und Oaxaca, gings wieder zurück nach Mexiko-City. Schnell am frühen Morgen durch den Verkehr zum Flughafen, das war der Plan. Doch leider hielt uns plötzlich wieder ein Polizist an. Diesmal war ich eher genervt als ängstlich und fragte schon so “und, was sollen wir gemacht haben?” Wir hätten eine Spur falsch gewechselt, er möchte unsere Papiere, diesmal gaben wir sie ihm nicht. Er meinte morgen könnten wir dann das Strafgeld in einer Polzeizentrale bezahlen… Ich machte ihm klar, dass das wirklich nicht geht, weil wir schnell zum Flughafen müssen, damit Ingolf seinen Flieger bekommt! Er verstand und meinte “also, was bietet ihr mir an, damit wir das hier vergessen?” eine typische, sehr kurrupte Frage! Letztlich haben wir kurz hin und her diskutiert und uns dann auf 1.500 Pesos geeinigt, nur 90 €. haha… Naja, irgendwie war Flug kriegen dann doch erstmal wichtiger! Letztlich wurde der Flug dann doch verpasst, was aber an irgendwelchen dämlichen Einreisepapieren in die USA lag, die man im Internet ausfüllen müsse. Also folgte eine ungeplante Nacht auf dem kalten Boden des Flughafens – auch mal ein Erlebnis der besonderen Art

 

Wenn ihr also jemals eine Autotour durch Mexiko macht, und von einer Polizei angehalten werdet, folgende Tips:

  1. Wenn ihr wisst, dass ihr nichts gemacht habt und die euch nur abzocken wollen, dann nehmt zum Beispiel eure Kamera und filmt den Polizisten! Das irritiert ihn, macht ihm Angst und er lässt euch in Ruhe. Denn schließlich will er ja nicht bei seinen kriminellen Machenschaften gefilmt werden! ODER Ihr nehmt einfach euer Handy und ruft jemanden an, oder tut so, als würdet ihr telefonieren. In diesem Telefonat erzählt ihr jemandem, was gerade da passiert und beschreibt den Polizisten, auch das wird ihm Angst machen! Ganz ganz sicher!
  2. Wenn ihr vielleicht doch was gemacht haben solltet, dann macht das, was sie sagen und lasst euch nicht darauf ein die Korruptionsgelder zu bezahlen, denn das Unterstützt die Korruption ja nur weiter. Lieber bleibt ihr noch eine Nacht da und bezahlt, wie es sich gehört am nächsten Tag in der Polizeizentrale das Strafgeld, was immer günstiger ausfällt als die Korruptionsgelder, die sie Touristen aufhalsen wollen.

Nun weiß ichs jedenfalls und beim nächsten Mal, wehre ich mich!!! Jetzt weiß ich ja wie!

 

Das was meinen sonst so netten Aufenthalt hier in Mexiko aber etwas unangenehm macht, ist meine Gastfamilie. Es gab ja schon öfters mal Unstimmigkeiten, bzw. ich wusste nicht, dass meine Familie irgendwas an mir zu mäkeln hat, bis im Januar eines Tages meine Gastmutter gefühlsmäßig explodierte und mir alles mögliche vorgeworfen hat, Dinge, die ich wirklich gar nicht nachvollziehen konnte: Ich sei total faul, nicht an Mexiko und der neuen Kultur und nichs hier interessiert, würde immer böse antworten und sei ja nur hier um mich zu bespaßen und nicht um irgendwas sinnvolles zu machen… und so weiter. Es wurde nie wirklich aufgeklärt, was sie genau damit meinten, aber meine Chefs haben es sich mit Missverständnisse, erklärt, die durch die verschiedenen Verhaltensweisen in den Unterschiedlichen Kulturen Mexiko – Deutschland zu stande kommen. Das klang wirklich plausibel die Erklärungen: wenn ich sage ich habe heute nicht so großen Hunger und esse nur ein bisschen, heißt das für die möglicherweise “böses Verhalten”, weil ich ja das Essen, was extra (vielleicht sogar extra nur für mich) gekocht wurde, gar nicht essen will. Oder im Museum: ich gucke mir alles ernsthaft interessiert an, lese die ganzen Erklärungen, frage Dinge nach und sage am Ende, dass es ja interessant war. Ein Mexikaner rennt vielleicht nur durch, schießt 1.000 Fotos, grinst breit und betont immer wieder übertriebener Weise wie “lindo” wie “padre” wie “fenomenal” wie “ precioso” wie “hermoso” doch alles ist. Aber das ist so unnatürlich übertrieben, also meiner deutschen Meinung nach, dass ich mir schon immer das Lachen verkneifen musste… Aber gut, auch das habe ich jetzt gelernt.

Ich habe schon öftersdarüber nachgedacht die Familie zu wechseln, weil ich mich einfach unwillkommen fühle, aber die wollen ja nicht, dass ich gehe, obwohl sie anscheinend ja auch nicht mit mir zufrieden sind. Jedenfalls ist andauernd was falsch, wenn ich einmal mein Bett nicht gemacht habe, mein nasses Handtuch vergessen habe rauszubringen, abends schlafen gehe anstatt zum Abendessen zu bleiben, was manchmal erst um 23:30 Uhr ist, oder mit irgendwelchen Freunden weg war und ein wenig später als 21:30 Uhr zu Hause ankomme, usw…

Es macht mir noch immer Angst, um Erlaubnis zu bitten, wenn ich mich mit Freunden treffen möchte, so dass ich viele Einladungen leider oft ablehne. Ich fühle einfach, dass meine Familie das nicht gut findet, wenn ich mich mehr als 1 Mal die Woche mit Leuten treffe… Ich finde das sehr schade, weil viele mich immer fragen, wann wir wieder mal was machen können, aber ich lehne dann halt oft aus Angst ab.

Aber irgendwie gewöhnt man sich auch daran. Wahrscheinlich werde ich in Deutschland erstmal mit meiner wiedergewonnenen Freiheit überfordert sein 😉 Auf jeden Fall habe ich viel gelernt, über Mexikaner und auch mich selbst, viel überlegt, was ich vielleicht falsch mache, erkannt, was mir wirklich wichtig ist und auch irgendwie gelernt mit dieser schwierigen Situation umzugehen und auszuhalten. Ich denke, das hat mich auch irgendwie gestärkt.


Ein Gedanke zu Mexikanische Polizisten, mexikanische Familien und mexikanische Ostern…

  • Das war ja ein richtig eindrucksvoller Eintrag von dir. Hab ich fasziniert durchgelesen.
    Ich hatte gelesen das Korruption und Kriminalität eine Problem sind, aber eher in den Millionenstädten. 500 Euro ist aber eine ganz schön ordentliche Summe, gut das ihr euch das „leisten“ konntet.

    Ja mit dem kulturellen Unterschieden ist das immer so eine Sache.
    Eine Freundin von mir war in England für ein Jahr, musste aber ihre Gastfamilie wechseln, weil die zu schmuddelig gewohnt haben und nicht verstanden haben, warum sie immer ihr Zimmer putzen wollte. Die haben ihre Schuhe in der Spülmaschine aufbewahrt usw.
    Kann manchmal echt krass sein.

    Hoffe du konntest dich gut wieder an die „Freiheit“ hier in Deutschland gewöhnen.

    Gruss Hannes

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