Bald ist es soweit…

Es ist Montag und somit schon wieder eins der wenig verbleibenden Wochenenden vorbei und ich war krank. Das ist natürlich ziemlich suboptimal. Vielleicht hätten wir doch nicht im Regen in den Pool springen sollen… Ich habe jetzt noch genau  2 Wochenenden in Salvador, wobei am letzen Wochenende ein AFS-Camp ist. Zum Glück habe ich immer noch keine Schule, sodass ich die Zeit in der Woche genau so gut nutzen kann. Ich habe mir vergangene Woche nochmal die Stadt angeguckt und Besorgungen gemacht, und dabei ist ein Vermögen drauf gegangen. Jetzt versuche ich einfach noch so viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden zu verbringen.

In nicht einmal 3 Wochen verlasse ich meine Gastfamilie, das ist schon komisch. Die letzten Wochen in Brasilien sind allgemein merkwürdig, da man nochmal so gut es geht alles auskosten möchte und seine „was ich schon immer hier machen wollte“- Liste abarbeitet, aber die Vorfreude auf Deutschland sich immer mehr steigert. Man kann praktisch schon erahnen, wie die Dinge zurück daheim sein werden, aber es eben noch nicht erleben. In dieser Endphase denke ich besonders oft an meine Familie und meine Freunde und habe das Gefühl, sie jeden Tag ein bisschen mehr zu vermissen, was mir lächerlich erscheint, da ich doch bald wieder da bin. Ich merke richtig, wie ich zwar noch die Zeit hier genieße, aber auch wirklich schon die Tage zähle!

Ich bin einfach so froh, bald wieder in meinem Bett zu liegen, mit meinen Eltern zu reden, mit meiner Schwester zu rauchen, mit meinen Freunden zu feiern, etwas anderes außer Reis und Bohnen zu essen und vor allem endlich wieder selbstständig zu sein und in einer einigermaßen sicheren Stadt zu wohnen. Selbst in Hamburg–Harburg werde ich mich sehr sicher und frei fühlen!

Ich freue mich wieder ganz genau ausdrücken zu können, wie es mir geht und was ich denke – mein Wortschatz in meiner Muttersprache ist doch deutlich größer.
Ich werde meine Freunde hier so sehr vermissen, vor allem die anderen Austauschschüler. Man hat etwas zusammen erlebt, was kein anderer zu Hause nachvollziehen kann, man hatte die gleichen Probleme und Schwierigkeiten und in den meisten Momenten einfach genau das Gleiche gedacht. Natürlich wird mir meine Familie auch fehlen, aber nach gut 10 Monaten geht man sich schon unglaublich auf die Nerven und ich habe zwar hier gelebt, aber mit ihnen nie wirklich was gemacht. Und es sind eben die Ereignisse, die verbinden, die gemeinsamen Erinnerungen, und diese habe ich nunmal mit anderen Austauschschülern am intensivsten.

Ich lasse neue beste Freunde und Lieblingsorte zurück, um zu meinen alten besten Freunden und meinen alten Lieblingsorten zurückzukehren.

Viele fragen mich, was überwiegt: Die Freude auf Deutschland oder die Traurigkeit, Brasilien hinter mir zulassen. In meinem Falle ist es die Freude auf Deutschland. Ich werde die brasilianische Kultur vermissen – ohne Frage. Aber fast 1 Jahr ohne die eigene Familie und die Freunde zu leben, ist einfach sehr hart.

Ich habe jedoch auch Angst vor der Wiederkehr. Worüber rede ich mit meinen Eltern? Wie nehmen sie mich wahr? Ich denke oft darüber nach, ob ich mich für andere stark verändert habe, und wenn ja, wie. Und mit meinen Freunden ist es ähnlich. Die haben zusammen weitergelebt, während ich fast 1 Jahr weg war. Sie werden neue „Insiderjokes“ haben, neue Bars und Clubs entdeckt, neue Freunde gewonnen und teilweise neue Beziehungen begonnen haben. Manchmal denke ich, ich passe vielleicht da einfach nicht mehr hinein, in deren neues Leben. Dass ich das verpasste nicht einfach so „aufholen“ kann. Aber irgendwie werde ich das schon alles hinkriegen und mich bemühen. Und ändern kann ich es eh nicht.

Ich freue mich auf die Sauberkeit und die Sicherheit, ich habe das Leben in Deutschland nie zuvor so sicher und sauber wahrgenommen.

Die letzen Wochen hier werden definitiv noch ausgiebig genutzt, aber ich kann nicht abstreiten, dass ich schon gedanklich wieder halb in Deutschland bin.


 


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