Eine neue Herausforderung. Und Ostern 🙂

Nach genau sieben Monaten in Krakau, habe ich meine Gastfamilie gewechselt. Ich dachte echt nicht, dass Familienwechsel so hart ist, da wirklich der Großteil der Austauschschüler bei AFS nicht in der ersten Familie bleibt, und es so normal und unspektakulär rüber kam. Doch es nimmt einen echt mit. Zwischen tränenreichen Gesprächen mit AFS, meinen Eltern und mit meiner Gastmutter habe ich ab und zu den Überblick verloren. Doch die Hoffnung auf letzte unglaubliche drei Monate nicht.Das auch Dank einiger echt guter Freunde hier in der Schule. Doch die musste ich vor knapp zwei Wochen auch verlassen, die neue Familie wohnt 60 km südlicher. Hatte echt meine Zweifel, ob ich für die letzten drei Monate alles von neu anfangen möchte. Dort hatte ich meinen Alltag, von wegen, was ich nachmittags trieb und vor allem mit wem. Ich wusste, wo ich lang joggen kann,  wann ich Polnischunterricht habe, …

Aber jetzt lebe ich bei einer gleichaltrigen Schulkameradin, die unter der Woche dort im Internat wohnt und am Wochenende heimfährt. Wir sehen uns deswegen leider nicht so oft, ich hab sie jetzt schon total lieb. Neben ihr habe ich auch noch vier Gastbrüder, full house also. Wieder auf dem Dorf, doch nicht weit von einer kleinen Stadt, wo ich auch zur Schule gehe. Und es ist eine normale Schule. Ich weiß nämlich jetzt, was das heißt, nach dem katholischen Internat (ich schlief natürlich nicht im Internat) in the middle of nowhere mit nur knapp 400 Schülern, Schuluniform, Piercingverbot (jaa das betone ich ganz speziell, weil ich mein Nasenpiercing herausnehmen musste. Was gibt man nicht für Opfer…) und beten vor dem Unterricht. Jetzt lerne ich das normale Schulsystem kennen. Das Internat war schon eine Sache für sich. Aber ich hatte dort Freunde. Kann nocht nicht einschätzen, wo es mir besser gefällt…

Ostereier gibts hier natuerlich auch! Meine Gastschwester malte eins mit deutsch-polnischer Flagge 🙂

Außerdem hatte ich ja noch fast eine Woche frei, wegen Ostern. Ist hier fast wichtiger als Weihnachten. War toll, diese paar Tage nur mit der Familie zu verbringen. Es wurde viel geputzt, gebacken und gekocht, demnach auch viel gegessen. Aber reden wir hier nicht von Gewichtzunahme … Unter anderem musste ich ein kleines Stück rohen Meerrettichs essen, das brauche ich echt nicht zu wiederholen. Doch die hier machen das jedes Jahr am Ostersonntag, nachdem er am Samstag in einem kleinen Körbchen mit noch vielem anderen guten Essen in der Kirche geheiligt wurde. Ja, in der Kirche war ich auch einige Male, doch ich konnte mich nicht überwinden am Sonntag um 6 Uhr früh zu gehen, so wichtig ist es mir echt nicht. Karfreitag verteilte ich mit einigen Geschwisterlis kleine Holzkreuzchen, die mein Gastbruder aus der Palme vom Palmsonntag gebastelt hatte, in der Gegend und bei Nachbarn, um böse Geister zu vertreiben. Bei der Gelegenheit lernte ich die Tante kennen, eine total herzige Frau, die mich gleich nach irgendeinem  Kaff in Norddeutschland fragte, wo sie einmal war. Außderdem sagte sie mir, dass ich nicht wie eine „typische“ Deutsche aussehe (deutsche Frauen haben in Polen keine guten Ruf, was Aussehen betrifft, fragt mich nicht wieso.), sondern eher wie eine fröhliche, warmherzige Polin. Jetzt hab ich wohl wirklich ein Stück Polen in mir. 🙂

Der Ostermontag war sehr nass. Nein, geregnet hat es nicht. Nur gibt es in Polen den Brauch, sich am „lany poniedziałek“ (gegossener Montag) mit Wasser zu bespritzen oder auch mit ganzen Eimern um sich zu werfen. Wäre das im Sommer, fänd ich das eine echt witzige Idee, aber bei nur ein paar Grad über Null? Unsere Wasserschlacht fand nur ums Haus statt, traute mich wirklich kaum ungeschützt und unbewaffnet um eine Ecke zu treten, nachdem ich mich einige Male schon umgezogen hatte … Aber es war ziemlich witzig. In den Nachrichten sah ich Bilder wie das Ganze im Zentrum Warschaus oder Krakaus aussah, da wurden Mädchen in ganze Badewannen getaucht. Brrr.

Ostern war also sehr erfolgreich. Jetzt muss ich versuchen, mich an meinen neuen Alltag zu gewöhnen, mir vielleicht erstmal einen aufzubauen. Aber hey, ich spreche inzwischen fast fließend Polnisch! Im Unterricht in der Schule komme ich aber immer noch nicht mit, manchmal fehlt einfach ein Begriff wie „Widerstand“ in meinem Wortschatz und nichts ergibt einen Sinn. Demnach ist es auch ziemlich unmöglich Macbeth auf Polnisch zu lesen. Das versuchte ich der Polnischlehrerin in der neuen Klasse klarzumachen, die das im Moment als Lektüre durchnimmt, und da der Rest der Klasse es schon gelesen hatte, sollte ich es mal schnell in zwei Tagen lesen. Schoen wärs. Ich bin schon froh, dass ich seit zwei Wochen kaum ein Wort Englisch gesprochen habe (die Austauschschülerin aus der Türkei, die hier einer meiner besten Freundinnen ist, blieb natürlich in der anderenSchule.. ), alle sieben Fälle (fast) hinbekomme und allgemein die unnötig komplizierte Grammatik mit ihren zahlreichen unnötigen Ausnahmen besser verstehe als manch ein Pole. Die Einheimischen hier sind nämlich selber oft genug überfordert. („Hey Megan, ich helf dir mir deinen Hausaufgaben! Warte, hier musst du … , hmm, was ist nochmal ein Genitiv?“)

Das Gelbe da ist eines der Kreuzchen, die wir hier und da in die Erde steckten.
Mit dem Osterkoerbchen auf dem Heimweg von der Kirche, die im Hintergrund ist.

 


2 Gedanken zu Eine neue Herausforderung. Und Ostern :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>