Aufgehende Sonne … ein Ausflug in das Township Kayamandi

Neben ihrer Halbtagstätigkeit bei meinem Projekt Alta du Toit ist meine Kollegin Nicky auch im Township Kayamandi aktiv. Kürzlich ergab sich für mich die Möglichkeit, dort einen Nachmittag zu verbringen.

Kayamandi ist ein Township in der Nähe von Stellenbosch. Innerhalb Kayamandis gibt es wie in den meisten Townships diverse Projekte, Kirchen, Missionshäuser, etc., die sich für die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen stark machen. Seit drei Jahren unterstützt Nicky das Projekt „Kuyasa“, was Xhosa ist und „aufgehende Sonne“ heißt. Dort kümmert sie sich um die Finanzen. Schon kurz nach meiner Ankunft in Alta du Toit hatte ich mir gewünscht, Nicky einmal begleiten zu dürfen und kürzlich gab mir Alta du Toit einen Nachmittag frei, um mit Nicky nach Kayamandi zu fahren. Vorher machten wir noch einen Stop beim Lebensmittelladen, wo Nicky Brot und Obst für die dort lebenden Mädchen einkaufte – einen ganzen Einkaufswagen voll.

Etwa eine halbe Stunde brauchten wir mit dem Auto bis nach Kayamandi. So schön die Landschaft herum auch ist, so ärmlich sind die Lebensumstände der Menschen, die hier leben. Die meisten Häuser sind aus Holzresten zusammengenagelt, es gibt aber auch einige Steinhäuser. Da viele Bauten keine Badezimmer haben, zeigte mir Nicky eine öffentliche Toilette und Duschkabinen. Bei Temperaturen über 20 Grad mag das ja noch den Charme von Campingplätzen in Südfrankreich haben, aber man stelle sich vor, wie der Alltag der Menschen hier aussieht, wenn es Winter wird.

Vorbei an streunenden Hunden, knallbuntem Verpackungsmaterialien, unzähligen Menschen, die sich angesichts ihrer bescheidenen Wohnungen lieber draußen als drinnen aufhalten und den etwa zwei auf zwei Meter großen Shops, in denen man Nahrungsmittel kaufen oder sich die Haare schneiden lassen kann, kutschierte uns Nicky bis an das umzäunte Gebiet von Kuyasa. In Kuyasa selbst arbeitet Nicky ehrenamtlich für das Safe House „Kuyasa“, was im Prinzip ein Waisenhaus für Mädchen ist. Die Mädchen – derzeit elf zwischen sechs und 19 Jahren – wohnen in zwei kleinen Häusern, die auf mich eher wie Wohnwagen wirkten. In den Häusern teilen sich jeweils drei Mädchen ein Zimmer, daneben gibt es ein Zimmer für die Hausmutter, ein Wohn- und Esszimmer und ein kleines Badezimmer. Neben diesen beiden Wohnhäusern gibt es noch ein drittes Haus, das für Meetings, Unterricht oder auch mal Feierlichkeiten genutzt wird.

Hauptaufgabe des Projekts ist es aber nicht nur, den Mädchen ein Dach über den Kopf und Essen zu geben, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass sie zur Schule gehen und sie bei der Suche nach einer Ausbildung zu betreuen. Dank der dort lebenden Hausmutter haben die Mädchen rund um die Uhr einen Ansprechpartner. Ziel ist es, die Mädchen zu selbstständigen und verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen, die für ihr eigenes Wohlergehen Sorge tragen können.

Dass mich Nicky an diesem Nachmittag mit in das Projekt genommen hat, hatte zum Teil auch damit zu tun, dass sie ihre Tätigkeit dort aufgeben wird, da es nun eine Sozialarbeiterin gibt, die dort hauptamtlich arbeitet und ihre Aufgaben übernehmen wird. Sie weiß daher nicht, wie lange sie dort noch arbeiten wird und wollte mir zeitnah die Möglichkeit geben, mir ihr zweites Projekt anzusehen. Auf dem Weg nach Kayamandi hatte mir Nicky erzählt, dass die Arbeit dort sehr anstrengend ist, da es sich sehr schwierig gestaltet mit den Mädchen zusammenzuarbeiten. Vor allem die etwas älteren Mädchen, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen seien nicht ganz einfach zu händeln, da sie entweder nicht wissen, was sie nach der Schule machen wollen oder sehr festgefahren sind in ihren Zukunftsplänen. Des weiteren kritisierte Nicky die Undankbarkeit der Mädchen…

Ebenfalls eingebettet in das Projekt ist eine Näh- und Holzwerkstatt um die Ecke, in der ich mich die folgenden zwei Stunden vornehmlich aufhielt. Hier machte ich Bekanntschaft mit Raoul Smorenburg und Danielle Hooijmans, die vor einem Jahr ihr Projekt „Zimela“ – was „Autonomie“ bedeutet – in den dortigen Lagerräumlichkeiten gestartet haben. Die beiden sind dafür aus den Niederlanden hierher ausgewandert.

Raoul arbeitet mit einigen Männern des Townships zusammen in einer Holzwerkstatt, wo aus Holzfundstücken und alten Plastikflaschen Holzspielzeug und Besen hergestellt werden. Danielle arbeitet nebenan mit ein paar Frauen und einem Mann in ihrer Nähwerkstatt, in der die Leute Stofftiere designen, die als Schlüsselbänder, Broschen oder Kuscheltiere auf Kreativmärkten verkauft werden. Danielle erklärte mir, dass die Projektteilnehmer ihre Tiere selbst designen und von dem Verkauf ihrer Produkte prozentual beteiligt werden. Ziel von „Zimela“ ist es, den Teilnehmern Näh- und Holzarbeitskenntnisse zu vermitteln und ihnen damit die Möglichkeit zu geben, dank dieser Fähigkeiten Geld verdienen zu können. Als ich zu Besuch war waren die Leute in der Nähwerkstatt allerdings damit beschäftigt, Taschen für einen Designer zu nähen. Der Auftrag umfasste 500 Taschen, was dazu führte, dass die Leute mehr oder weniger rund um die Uhr arbeiteten, um termingerecht liefern zu können.

Nicky hatte mich im Projekt zurückgelassen, während sie ein Meeting hatte und nachdem ich mich mit Danielle unterhalten und umgesehen hatte, setzte ich mich auf ein paar Stufen und sah den Kindern zu, die dort spielten. Schon wenige Minuten später hatten sich die Kinder um mich versammelt und damit angefangen, meine Haare zu flechten, womit sie dann beschäftigt waren, bis mich Nicky eine halbe Stunde später – lachend bei meinem Anblick – wieder einsammelte und mich zurück nach Alta du Toit brachte.

Eines der drei Safe Houses in Kuyasa.
Die Männer der Holzwerkstatt von "Zimela" mit ihren Endprodukten.
In der Nähwerkstatt von "Zimela" wird kreative Akkordarbeit geleistet.

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