Es gibt viel zu erzählen….

Ich weiß, ich habe sehr sehr lange im AFS-Blog nichts mehr von mir hören lassen. Dafür habe ich jetzt sehr viel zu erzählen. Nach einiger Zeit in meiner Gastfamilie in Lublin kam ich mir in der Familie immer unwillkommener vor. Wie ein Fremdkörper, der in die „heile Familienwelt“ eingedrungen ist. Ich hatte in der Familie niemanden, mit dem ich reden konnte, und meine Gastfamilie wurde schon fast sauer, weil ich noch kein gutes Polnisch sprach (nach einem halben Monat).

Dafür kam ich in meiner Klasse und generell in meiner Schule sehr gut klar. Ich lernte viele nette Leute kennen und versuchte, durch meine Kontakte in der Klasse so wenig wie möglich „Zuhause“ rumhängen zu müssen. Aber es brachte alles nichts. Nach einem heftigem Streit mit meiner Gastschwester und Gastmutter, bei dem es darum ging, dass ich nach einem Monat kein fließendes Polnisch spreche, dass ich (angeblich) eine Lügnerin bin und kein Herz hätte, wechselte ich die Gastfamilie.

Als mich Michal (der mich damals auch nach Lublin gefahren hatte) abholte, wurde ich schon etwas wehmütig wegen meinen Freunden in der Klasse. Von der, mit der ich mich über die ganze Zeit am besten verstanden habe, konnte ich mich nicht mal verabschieden, weil sie mit ihrer Familie für eine Woche in Schweden war. Im Auto fing ich dann auch an zu heulen und als zu allem Überfluss Beata (das Mädchen, von dem ich mich nicht verabschieden konnte) mich anrief und auch weinte, konnte ich mich echt nicht mehr halten.

Ich fuhr wieder nach Krakow, wo ich nichts hatte. Keine Klasse, keine Gastfamilie, keine Freunde. bitter… Ich hatte noch die Hoffnung, es würde vielleicht eine weitere Gastfamilie in Lublin gefunden werden, aber diese Hoffnung schwand jeden Tag ein bisschen mehr. Ich wohnte für 10 Tage bei einem Mädchen, die ein Jahr in Italien war. Ich fühlte mich wohl bei ihr. Ihre Familie war super herzlich, und ich konnte nach dem Stress in Lublin etwas runterkommen. Nach den 10 Tagen bei ihr ging es für eine Woche in das Internat, dass an die Schule, auf die ich gehen sollte, angebunden war. Ich hatte inzwischen meine Klasse. Sie waren nett, aber irgendwie kam es mir so vor, als wären sie nicht interessiert an mir. Es war auf jedenfalls anders in der Schule in Lublin. Ich fühlte mich anfangs echt sehr unwohl. Mein Selbstbewusstsein war durch die Sache mit meiner Gastfamilie in Lublin eh ziemlich unten, und ich wollte mich nicht an meine neue Umgebung gewöhnen, weil ich wieder nach Lublin wollte. Zu meinen Freunden.

Nach einiger Zeit der Ungewissheit teilte mir Dorota (meine Betreuerin) mit, dass ich in Krakau bleiben würde und sie eine Gastfamilie gefunden hätte. Ich sollte mich freuen, ich weiß, aber in dem Moment konnte ich das nicht. Ich hatte total Angst, es würde mit meiner neuen Gastfamilie wieder so laufen wie in Lublin. Meine Mutter in Deutschland machte sich in der Zeit auch totale Sorgen um mich, weil niemand wusste, wie es weitergehen würde. Im ersten Moment als ich meine Gastfamilie sah hätte ich fast angefangen zu heulen. Ich hatte Angst – und zwar sehr, dass es wieder nicht klappen könnte, aber dann dachte ich mir „Paula, STOP, du musst da jetzt einfach offen und freundlich rangehen. Sei wie du bist dann klappt das!“ und ich hatte Recht.

Meine neue Gastfamilie ist der Hammer. Ich bin jetzt seit 4 Monaten hier, und ich bereue keinen einzigen Tag. Meine Gastfamilie versteht, wenn ich mal Heimweh habe (was nicht mehr vorkommt 😉 ) und akzeptiert mich, so wie ich bin. In meiner Klasse habe ich auch einige Freunde gefunden und kann mich inzwischen ziemlich gut in Polnisch verständigen. Was ich damit sagen möchte: Egal, was kommt lasst euch nicht unterkriegen, es kann nur besser werde 😉 Das habe ich durch die Zeit in Lublin auf jeden Fall gelernt, und ich bin dankbar für jede bisherige Sekunde in Polen, weil ich in jeder etwas über mich und andere Leute gelernt habe.


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