Weihnachten im Township

Während es die meisten Südafrikaner während der großen Weihnachtsferien Richtung Küste zieht, bin ich Mitte Dezember ins Landesinnere geflogen, wo ich mich mit zwei anderen AFS-Freiwilligen in Pretoria traf. Dort hatten wir Gelegenheit, einige unserer Mitstreiter wiederzusehen und Einblick in deren Projekte zu bekommen.

Nadja wohnt bei einer sothosprachigen Gastmutter in der Hauptstadt und hatte mich mit Philipp, der wiederum in Kwazulu Natal wohnt, zu sich nach Hause eingeladen. Die Wiedersehensfreude war nach ganzen vier Monaten natürlich riesengroß und wir haben den ersten Tag eigentlich ununterbrochen gequatscht. Nach einer trocken-heißen Nacht, in der ich von Moskitos attackiert wurde, machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zu Nadjas Projekt.

Nadja arbeitet in einer Einrichtung, die Babys für Adoptionen vermittelt. Wir hatten jede Menge Spaß mit den Kindern, machten uns nach etwa zwei Stunden aber wieder auf Weg Richtung Innenstadt, wo wir an den Union Buildings zu einem Geburtstagspicknick von einem anderen AFS-Freiwilligen eingeladen waren. Für mich war es total spannend, mich mit den anderen Freiwilligen über ihre Projekte und ihre Wohnsituation auszutauschen. Noch immer bin ich mit der inhaltlichen Arbeit in meinem Projekt nicht wirklich zufrieden, aber die Gespräche mit meinen Mitstreitern haben mir gezeigt, dass man immer Abstriche machen muss.

Während Philipp und ich mit dem Wetter in Pretoria zu kämpfen hatten – wir sind schließlich ein ganz anderes Klima gewohnt – machten wir uns einen Tag später auf den Weg nach Atteridgeville, um dort Alex, eine weitere Freiwillige aus unserer AFS-Gruppe, zu besuchen. Alex wohnt dort in einer Gastfamilie innerhalb des Townships. Für mich war es interessant zu sehen, wie anders ihr Alltag im Vergleich zu meinem aussieht. Während ich die Möglichkeit habe, Sport zu machen, DVDs auszuleihen oder zur Stadtbibliothek zu laufen, ist sie deutlich eingeschränkter, aber dafür stärker in die Gemeinschaft involviert als ich.

Unseren letzten Projektbesuch hatten wir im Pretoria Zoo, wo zwei Jungs aus unsere Freiwilligen-Gruppe arbeiten. Sebo war so nett und führte uns durch sein Territorium. Der Zoo ist wirklich groß. Für 100 Rand – umgerechnet etwa 10 Euro – kann man sich deshalb dort kleine Elektroautos ausleihen, damit man nicht so viel laufen muss. Darauf haben wir aber verzichtet und sind stattdessen bei größter Hitze durch den Zoo gelaufen. Neben den großen Tieren konnten wir uns vor allem für die Reptilien begeistern, die es dort reichlich zu bestaunen gibt.

Nun, da Weihnachten immer näher rückte, machten wir uns mit Nadjas Gastmutter auf den Weg nach Kroonstad. Kroonstad liegt im Free State und Nadjas Hostmum kommt ursprünglich von dort. Ihre Mutter lebt dort noch immer in einem Township und wir waren eingeladen, Weihnachten mit Familie Kau zu verbringen. Nach ein paar Stunden Fahrt kamen wir endlich in Kroonstad an. Philipp, der die ersten zwei Monate in einem Township in Port Elizabeth gelebt hatte und ich, die ich schon mehrfach in Townships in Kapstadt zu Besuch war, waren etwas irritiert darüber, wie ruhig es dort war. Es waren kaum Leute unterwegs, fast schon ausgestorben wirkte das Township, was wir uns damit erklärten, dass die meisten Einwohner wohl zu Familienmitgliedern über die Feiertage gefahren waren.

Leider betraf die Stille nicht nur das Township, sondern auch Kroonstad selbst. Wir hatten wirklich den Eindruck irgendwo im Nirgendwo gelandet zu sein. Nadja und ich bekamen eines der Schlafzimmer zugeteilt, wo wir uns ein Doppelbett teilten, während ihre Gastmutter auf dem Boden schlief. Ich war darüber ziemlich entsetzt und bot ihr an, die nächste Nacht auf dem Boden zu schlafen. Aber sie lachte mich nur aus und erklärte, dass mir nach einer Nacht auf dem Boden wahrscheinlich alle Knochen wehtun würde. Sie hingegen sei es gewohnt dort zu schlafen. Philipp teilte sich das Doppelbett in einem anderen Zimmer mit den zwei Neffen von Nadjas Gastmutter. Insgesamt war es also ziemlich eng in dem Haus, ich schätze, dass gut und gerne zehn Personen während dieser Tage dort in Betten, auf Sofas und Teppichen übernachteten.

Da die Südafrikaner nicht am 24., sondern am 25. Dezember Weihnachten feiern, fuhr uns Nadjas Gastmutter in die nächstgrößere Stadt. Dort wollten wir uns eigentlich einen schönen Tag machen. Sprich: ins Kino gehen und später lecker essen gehen. Aber Pustekuchen! Wir hatten völlig vergessen, dass die Geschäfte am Tag vor Weihnachten schon mittags schließen und der letzte Film bereits die Nachmittagsvorstellung ist. Auf den letzten Drücker haben wir dann in einem Supermarkt Essen und Trinken für ein Picknick gekauft und es uns mit einer Decke an einem nahegelegenen See gemütlich gemacht. Hier verbrachten wir also den Heiligabend, mit romantischen Blick auf den See, während die Sonne unterging. Nicht gerade ein typisch deutsches Weihnachtsfest. Hitze statt Schnee, Picknick statt Raclette – aber es war trotzdem wunderschön und ziemlich lustig!

Der südafrikanische Weihnachtstag startete für die Südafrikaner am 25. Dezember früh am Morgen. Wir wurden von scheppernden Töpfen und emsigen Treiben um uns herum geweckt. Die Sotho-Frauen waren seit Stunden damit beschäftigt, die riesigen Fleischmengen, die morgens von den Männern gekauft worden waren, in riesigen Töpfen zuzubereiten. Dieses Fleisch wurde nicht nur auf dem Herd in der Küche, sondern sogar hinter dem Haus auf Gasöfen gekocht. Obwohl ich Vegetarier bin muss ich sagen, dass es recht gut gerochen hat.

Grund für diese Fleischmengen war, dass der Bruder von Nadjas Gastmutter alljährlich ein großes Weihnachtsfest im Kroonpark veranstaltet. Seine Familie organisiert für die Gäste des VIP-Bereiches die Verköstigung. Wir waren ebenfalls eingeladen, das Fest zu besuchen und machten uns mit der Familie nachmittags auf den Weg zum Park. Dank VIP-Pässen konnten wir in gemütlichen Sesseln lümmeln und kostenlos essen und trinken.

Von Weihnachtsstimmung war leider nichts zu spüren. Einzig die Hostessen, die in knappen rot-weißen-Kostümen auf hohen Plateauschuhen herumstolzierten erinnerten daran, dass Weihnachten war. Wir wussten nicht genau, was auf uns an diesem Tag zukommt, aber letztlich waren wir doch etwas enttäuscht, dass Weihnachten überhaupt kein Thema war. Es gab weder Geschenke, noch Weihnachtsdeko, stattdessen aber 15 DJ’s, die auf der Bühne performten, während sich der Platz immer mehr füllte, bis die Massen abends ausgelassen feierten. Nadja, Philipp und ich machten um kurz nach Mitternacht schlapp und wurden von einem Freund zurück ins Township gefahren, wo wir totmüde in unsere Betten fielen. Geweckt wurden wir dann am nächsten Morgen von Nadjas Gastmutter und deren Schwestern, die gegen 6 Uhr von der Party nach Hause kamen…

 

Ich und eines der Kinder aus Nadjas Projekt.

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