Mein polnischer Dezember

Der Advent war schön, auch ohne Adventskranz, den gibts hier nämlich nur in der Kirche und beim Plätzchenbacken hab ich mich endlich mal wie ein richtiges Familienmitglied gefühlt. 🙂
In der Schule haben wir gewichtelt, es bekam also jeder einen Namen eines Klassenkameraden, dem er dann zu Nikolaus etwas kleines besorgen sollte. Ich bekam u.a. eine kleine deutsch-polnische Brosche. 🙂 Ja, Nikolaus wird hier auch gefeiert und heißt „Mikołajki“. Wir mussten an dem Tag die Schuluniform nicht anziehen, solang wir etwas rotes anhatten. War ich sofort dabei, endlich mal diese pessismistische dunkelblaue Uniform daheim lassen! In den Pausen wurde Musik gespielt, in jedem Klassenzimemr stand schon ein Weihnachtsbaum und in der Kantine gabs zum Mittagessen ein Twix von meiner Gastmama in die Hand gedrückt, da sie ja die Chefköchin ist.
In Polen gibt es eigentlich keine Weihnachtsmärkte, außer in Krakau! Zu polnisch: kiermasz świąteczny. Zwar gabs da viel Toursitenmüll, doch auch traditionelles polnisches essen, Glühwein und natürlich eine Krippe.

4 Austauschschueler und der Rest Ex-Austauschschueler. Ich bin die mit der roten Strumpfhose und der Deutschlandfahne in der Hand. :pe.

Auch wenn es immer kälter und früher dunkel wurde, war der Dezember echt gut, war oft mit den anderen Austauschschülern unterwegs, ein paar mal feiern, im Kino und die Beziehung zwischen mir und meiner Gastfamilie wurde immer besser. Und natürlich voller Vorfreude auf 11 Tage Ferien und Weihnachten! Noch dazu war ich auf ein paar Weihnachtsfeiern, einmal war in der Schule ein Weihnachtsliederkonzert. Wie verdammt viele Weihnachtslieder die Polen kennen! Und immer das gleiche Thema: Geburt Jesu. Wir Austauschschüler und die Ex-Exchangestudents unsrer Schule hatten auch zusammen fünf Lieder vorbereitet. Auf Türkisch, Deutsch, Portugiesisch, Italienisch und Englisch. Wie Spaß es gemacht hat ihnen „O Tannenbaum“ beizubringen!

 

Und nun zu Weihnachten!  Die Tage vor Heiligabend wurde geputzt, gekocht, rumgestresst, gebacken, geputzt, gekocht,rumgestresst, gebacken, … Am 24. selber durfte dann aber nicht so viel geschimpft werden, denn anscheinend wirst du alles, was du an dem Tag machst, das ganze nächste Jahr durch tun.

  1. Wir mussten so lange mit dem Essen warten bis der erste Stern an Himmel zu sehen ist. Dummerweise war es aber bewölkt … Schliesslich nahmen wir einfach mal an, dass hinter den Wolken doch sicher Sterne sein muessen, wir hatten nämlich Hunger!
  2. Alle versammelten sich im Wohnzimmer vor dem Kreuz zum Beten und meine Gastschwester las aus der Bibel vor.
  3. Dann bekam jeder eine Oblate. Man musste mit jedem Anwesendem sprechen und ihm nette Sachen fuers nächste Jahr wünschen. Danach sagte der andere was, man brach gegenseitig ein Stück der Oblate ab und steckte es in den Mund. Leckere Teile, diese Oblaten! Ist eine echt süße Tradtion, haben das auch bei allen anderen Weihnachtsfeiern gemacht. Manche rasseln nur das übliche Pflichtprogramm runter, doch andere haben mir echt liebe Sa
    Meine Gastschwester und Kirill mit Oblaten.

    chen gesagt.

  4. Esseeeen! Tradtitionell 12 Gänge. Fleisch ist verboten. Finde es aber ein bisschen geschummelt, dass Saft oder Brot auch als einzelne Gänge galten… unser Menue:
    1.Barszcz czerwone z uszkami. Rote Beete Suppe mit kleinen gefuellten Knödeln.
    2. Barszcz biały z ziemniakami. Weiße Rote Beete Suppe? Weiß nicht obs das gibt… Aber mit Kartoffeln!
    3.
    Plecionka z makiem. Zopf mit Mohn.
    4.
    Kompot. Gekochte Feigen, die dann einen ganz leckeren Saft ergeben.
    5.
    Ziemnaki. Kartoffeln.
    6.
    Karp. Karpfen.
    7. Sałatka. Ukrainischer Reissalat mit Rosinen und Fruechten.
     8. Pierogi zkapustą i grzybami. Polnische Knödel mit Sauerkraut und Pilzen.
    9. Wino. Wein für meine Mama und Kirill.
    10. Makiewic. Mohnkuchen.
    11.
    Ciastka. Noch mehr Kuchen.
     12. Galaretka. Wackelpudding.
    Alter, war ich voll.
  5. Bescherung. Meine Päckchen aus Deutschland waren noch nicht angekommen, doch von meiner Gastfamilie bekam ich einen Schal und eine Mütze. 🙂
  6. Hunderttausende Weihnachtslieder singen + Megan auf der Gitarre.
  7. Um Mitternacht zur Messe in die Kirche. Und noch mehr Weihnachtslieder singen. 🙂 Anscheinend darf man die bis zum 2. Februar noch singen. Genauso darf der Weihnachstbaum bis um 2. Februar bleiben. Warum 2. Februar? Keine Ahnung. Es gibt sooo viele  Traditionen, kann man gut mit der polnischen Grammatik vergleichen: ist halt so, aber erklären kanns mir kaum jemand…

Kirill aus der Ukraine, der gerade ein Freiwilligenjahr In Krakau macht, hätte alleine in seiner Wohnung gesessen, weil er für die Ferien nicht heimfuhr, weil seine Familie kein Weihnachten feiert. Deswegen hat ihn meine Gastmama über die Feiertage zu uns eingeladen, er ist so ein kuhler Typ! Spricht Russisch, Ukrainisch, Polnisch und Englisch und geht zum Urlaub in so Länder wie Kirgistan…  Außerdem konnte er mich super trösten als ich Heimweh hatte. Und wie ich Heimweh hatte! Klar, war Weihnachten hier schön, doch es ist den Leuten, trotz dem riesen Stress, den sie darum machen, einfach nicht sooo besonders, wie ich es kenne.  Und auch wenn sich meine Gastmutter angestrengt hat mir alles toll zu machen, konnte ich nicht  aufhören an meine Familie zu denken, die völlig frech ohne mich feierten…

Am 2. Weihnachtstag wurde ein bisschen Verwandtschaft eingeladen, meine Gastmutter kochte schon wieder etwas neues, obwohl so viel vom Abend vorher übrig war. Sie ist wahnsinnig wenns um Kochen oder Putzen geht, aber ich hab sie lieb.

Und am 26. Dezember war die Hochzeit einer Freundin meiner Gasmutter, ich durfte auch mit! Ich hatte schon so viel von polnischen Hochzeiten gehört und es war umso aufregender für mich, weil ich überhaupt noch nie auf einer Hochzeit war. 🙂
Die Heirat in der Kirche kam mir eher wie eine normale Messe vor, nichts mit „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ und alle klatschen und jaulen laut auf, wie es in den Filmen immer ist… Die Braut hatte ein typisches großes weißes Kleid an, doch der Trauzeuge und noch ein paar andere Verwandten lustige traditionelle Klamotten aus den Bergen.
Die Party fand in einem Saal statt mit ungefähr 40 Personen, und von 15 Uhr bis früh morgens wurde viel getanzt, viel gegessen (und wie viel!) und viel Wodka getrunken… Fast jede Stunde gab es einen neuen Teller Essen, ich konnte nach dem zweiten einfach nicht mehr … Hatte ich nicht vor mich nach Weihnachten ein bisschen mit dem Essen zurück zuhalten?! Ich habe viel mit meiner Gastmama getanzt und ein paarmal auch mit betrunkenen alten Männern.
Das Brautpaar musste seine Sektgläser hinter sich auf den Boden schmeißen, macht man das in Deutschland auch? Meine Gastschwester fing den Schleier der Braut und mein Bruder die Krawatte des Bräutigams, hihi. Das bedeutet, dass sie nächstes Jahr heiraten werden (klar, sie sind 10 und 14 Jahre alt)  und zu aller Peinlichkeit mussten sie dann noch alleine miteinander tanzen. 🙂

Die restlichen Feiertage schlief ich einmal bei einer polnischen Freundin und war oft mit Kenny aus den USA unterwegs, der jetzt leider in die andere Ecke Polens gewechselt ist. 🙁 War echt doof sich von ihm zu verabschieden.
Silvester feierte ich nicht mit meiner Familie sondern mit den Türken, Kenny und ein paar polnischen Freunden daheim. War ziemlich ähnlich wie in Deutschland, Feuerwerke und viel tanzen.

Und jetzt ist schon 2012 und Megan über 4 Monate in Polen …

 


2 Gedanken zu Mein polnischer Dezember

  • Dieser Blog ist sehr informativ. Er ist sehr interessant und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Danke für das mitteilen deiner Ideen betreffend dem Gesetz der Attraktion. Ich bin glücklich eure Seite gefunden zu haben.
    Russischen Frau

  • Meine Eltern kommen aus Polen und ich kann auch polnisch und kenne die ganzen Traditionen. Es hat Spaß gemacht den Blog zu lesen. Und ja: Wir essen viel und lecker , haha ;D

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